Sachsen-Anhalts Hilfsorganisationen warnen: Corona verschärft die Armut

Halle (Saale) - Die Corona-Krise trifft auch Menschen hart, die es schon vor der Pandemie schwer hatten. Hilfsorganisationen berichten aus mehreren Städten Sachsen-Anhalts von einer gestiegenen Nachfrage nach ihren Angeboten.

Ein Helfer der Initiative "Gastro Hilft" liefert gespendete Lebensmittel.
Ein Helfer der Initiative "Gastro Hilft" liefert gespendete Lebensmittel.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

"Armut nimmt zu, weil der Hartz-Regelsatz gleich geblieben ist, vieles hat sich verteuert und billige Sachen sind kaum noch zu haben", sagte der Referent für Soziales bei der Diakonie Mitteldeutschland (Halle), Steffen Mikolajczyk. "Als Folge der Pandemie kommen viele Menschen zur Bahnhofsmission die früher nie da waren, zum Beispiel junge Familien."

Für die Menschen, die plötzlich an der Grenze zur Armut leben, werde es enger. 

"Solo-Selbstständige, Discobetreiber und Gastwirte werden versuchen, jetzt erst mal so durchzukommen und von ihren Rücklagen zu leben", sagte Mikolajczyk. "Aber irgendwann, wenn sie es jetzt nicht schon sind, geraten sie in die Schuldenfalle und werden in den Beratungsstellen auftauchen."

Es werde damit gerechnet, dass die Nachfrage nach Beratungen zum Bereich der privaten Schuldner-Insolvenz ab dem nächsten Jahr steige. Die Diakonie Mitteldeutschland sei mit dem Land im Gespräch, damit die Schuldnerberatungsstellen weiter genug Geld haben und geöffnet bleiben.

Krise verschärft auch jenseits der Ballungszentren Armut der Menschen

Andreas Gottschalt von der Initiative "Gastro Hilft".
Andreas Gottschalt von der Initiative "Gastro Hilft".  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Auch bei der Betreuung von Obdachlosen müssen sich die Städte und Gemeinden auf die Pandemie einstellen. Magdeburg habe umfangreiche Sicherheitsregeln eingeführt, sagte Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra. Dazu zählten eine Maskenpflicht in den Einrichtungen und Tests für Bewohner, die länger als zehn Tage nicht in der Einrichtung waren.

Getestete Menschen könnten einzeln untergebracht werden, bis die Testergebnisse vorlägen. Für positiv auf Corona Getestete und Menschen mit Quarantäneauflagen gebe es Quarantänewohnungen. Die Hauptstadt hält den Angaben nach in sozialen Wohneinrichtungen 88 Schlafplätze für Wohnungslose bereit.

"Diese werden voraussichtlich den Bedarf decken", sagte Kinszorra. "Zusätzlich wurden im ersten Halbjahr 2020 drei weitere Objekte in Betrieb genommen, die nun auch die Unterbringung von obdachlosen Menschen mit Haustieren ermöglichen."

Doch auch jenseits der Ballungszentren verschärft die Krise die Armut vieler Menschen. "Die Hauptsorgen der Menschen, die zu uns kommen, sind: Wie geht es weiter, wie sieht es in der Zukunft aus, wann endet diese Pandemie?", sagte Andreas Gottschalt aus Halberstadt. Er gründete die Initiative "GastroHilft", die Lebensmittel aus Supermärkten einsammelt und an Obdachlosen-Einrichtungen verteilt.

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Sachsen-Anhalt:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0