"Sensation!": Rund 1500 Jahre alte Schätze aus unberührten Gräbern in Mitteldeutschland entdeckt

Brücken-Hackpfüffel (Sachsen-Anhalt) - Im Mansfelder Land ist ein unberührtes, rund 1500 Jahre altes Gräberfeld entdeckt worden. Aufgrund einzigartig reicher Grabbeigaben vermuten die Archäologen, dass hier in der Zeit der Völkerwanderung ein Fürstenhof stand. Die Rede ist von einer Sensation.

Eine wertvolle Goldmünze von Kaiser Zeno liegt zur weiteren Untersuchung in der Werkstatt des Landesmuseums für Vorgeschichte.
Eine wertvolle Goldmünze von Kaiser Zeno liegt zur weiteren Untersuchung in der Werkstatt des Landesmuseums für Vorgeschichte.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

"In Deutschland ist das der Sensationsfund der letzten 40 Jahre", sagte Projektleiterin und Archäologin Susanne Friederich vom Landesmuseum Halle. "Die einzigartigen Funde lassen darauf schließen, dass hier höhergestellte Persönlichkeiten beerdigt wurden."

Die Experten vermuten in der Nähe des Friedhofes die Siedlung eines Fürstenhofes aus der Zeit von 480 bis 530. Das Areal wurde bei Bauarbeiten für eine Hühnerzuchtanlage zufällig entdeckt.

Ein mit geschwungenen Rillen verzierter Spitzbecher aus Glas sieht aus, als komme er frisch aus der Glasbläserei. "Das ist das Gefäß für eine Schwimmdochtlampe", sagte Friedrich.

"Der Friedhof umfasst knapp 60 Gräber", sagte Archäologe Arnold Muhl. In den Gräbern fanden sich unter anderem eine gläserne verzierte Schüssel, ein Spinnwirtel aus Glas, etliche silbervergoldete Gewandspangen, ein Schwert und ein Schildbuckel aus Eisen sowie eine Goldmünze des oströmischen Kaisers Zeno um 480.

Unter anderem fand sich eine gut erhaltene Schüssel aus Glas in den Gräbern.
Unter anderem fand sich eine gut erhaltene Schüssel aus Glas in den Gräbern.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Rinder, Pferde und Hunde: Auch Tiere in Grab entdeckt

Archäologe Arnold Muhl präsentiert Gewandspangen, die in einem der Gräber entdeckt wurden.
Archäologe Arnold Muhl präsentiert Gewandspangen, die in einem der Gräber entdeckt wurden.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

"Die Glasstücke stammen aus den gallorömischen Werkstätten längs des Rheins, nur sie beherrschten diese Technik", sagte Muhl. An einer Gewandspanne haftete Stoff. Die Gewandspangen, Fibeln genannt, könnten den germanischen Stämmen der Langobarden, Alemannen und Thüringern zugeordnet werden.

Aber warum blieb hier alles über die Jahrhunderte unangetastet? "Das Gräberfeld befand sich in einer Senke, darüber war im Laufe der Zeit bis zu 1,20 Meter Erde als schützende Schicht geschwemmt worden. Das ist ein ganz fantastischer Umstand, weil nie ein Pflug diese Gräber beschädigte und oberirdisch war nichts zu sehen, sodass auch Raubgräber in der jüngeren Zeit nicht herankamen", sagte Friederich.

Interessant ist, dass damals ein Grabhügel um die kreisförmig angeordneten Gräber angelegt wurde. Zudem wurden in einem zentralen Grab, etwa vier mal vier Meter, elf Tiere entdeckt: Rinder, Pferde und Hunde. 

"Es scheint so, als ob es sich hierbei um Nachbestattungen handelt", sagte die Archäologin. Sie geht davon aus, dass es sich bei dem Platz um einen besonderen Ort gehandelt haben muss. 

"In einer Ecke dieses zentralen Grabes kamen feingliedrige Metallteile zutage. Um Beschädigungen zu vermeiden, wurde ein 80 mal 80 Zentimeter großer Block gegossen, der in den kommenden Wochen im Labor freigelegt wird." Nach jetzigem Erkenntnisstand handelt es sich in dem Block um einen zusammengerückten Bronzekessel.

Die Wissenschaftler hoffen durch die Analyse der Knochen und Artefakte auf konkrete Einblicke in das Leben der Menschen zur Zeit der Völkerwanderung.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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