Sachsen sorgt sich um die Sorben: Slawische Bevölkerungs-Gruppe schrumpft

Bautzen - Die Sorben in Sachsen kämpfen mit einer sinkenden Bevölkerungszahl. Die Hoffnung liegt auf dem Strukturwandel. Der Freistaat verspricht unterdessen ein großes Finanzpaket für die sorbische Stiftung.

Das sächsische Kabinett, hier Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU, l.) und Umweltminister Wolfram Günther (49, Grüne, r.), tagte am Dienstag in Bautzen. Mit dabei: Domowina-Chef Dawid Statnik (39, M.).
Das sächsische Kabinett, hier Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU, l.) und Umweltminister Wolfram Günther (49, Grüne, r.), tagte am Dienstag in Bautzen. Mit dabei: Domowina-Chef Dawid Statnik (39, M.).  © Eric Münch

Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) und Kulturministerin Barbara Klepsch (57, CDU) präsentierten am Dienstag in Bautzen den neuen Bericht zur Lage der Sorben im Freistaat.

"Die Bevölkerungszahl im sorbischen Siedlungsgebiet hat sich seit 1990 stetig verringert", hält der Bericht fest. Das ostsächsische Siedlungsgebiet zählte damals 278 .592 Einwohner, Ende 2019 waren es 190.638, bis 2035 wird die Zahl nach aktuellen Berechnungen auf 161.850 Einwohner sinken. Das wäre ein Rückgang von rund 42 Prozent seit 1990.

"Es ist wichtig, dass die ländliche Region attraktiver wird", sagte Kulturministerin Klepsch. Das könne beispielsweise sorbische Familien zurückbringen, die nach Berlin abgewandert sind.

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Große Hoffnungen in den Strukturwandel setzt Dawid Statnik (39), der Vorsitzende der Domowina, dem Dachverband der Sorben. "Jetzt können wir unser Gesicht verändern." Statnik setzt darauf, dass nach der Braunkohle die Forschung in die Lausitz kommt.

Die Landesregierung sicherte zu, die Stiftung für das sorbische Volk weiter finanziell zu unterstützen. Im Doppelhaushalt 2023/24 sind dafür jährlich rund 7,97 Millionen Euro eingeplant.

Dem Ministerpräsidenten zufolge sollen die Mittel helfen, den Schatz der sorbischen Kultur zu bewahren: "Die Zweisprachigkeit der Lausitz, Bräuche wie das Osterreiten bis hin zur modernen sorbischen Kunst bereichern die kulturelle Landschaft in Sachsen."

In der Bautzner Region sind viele Schilder zweisprachig. Domowina-Chef Statnik kritisiert, dass der sorbische Begriff oft kleiner gedruckt ist.
In der Bautzner Region sind viele Schilder zweisprachig. Domowina-Chef Statnik kritisiert, dass der sorbische Begriff oft kleiner gedruckt ist.  © Eric Münch
Das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen gehört zur Kultur der Minderheit.
Das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen gehört zur Kultur der Minderheit.  © Eric Münch

An der TU Dresden gibt es nun einen eigenen Professor für die Sorben

Hauke Bartels (55) und die Rektorin der TU Dresden, Ursula M. Staudinger (63), bei der Übergabe der Berufungsurkunde.
Hauke Bartels (55) und die Rektorin der TU Dresden, Ursula M. Staudinger (63), bei der Übergabe der Berufungsurkunde.  © TUD/Michael Kretzschmar

Auch die Zusammenarbeit zwischen dem Sorbischen Institut (SI) und der TU Dresden soll enger werden. Dafür hat Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (44, CDU) SI-Leiter Hauke Bartels (55) zum Professor für Sorabistik berufen.

"Das kleine Fach bietet ein weites und in vielerlei Hinsicht spannendes Forschungsfeld", freute sich Bartels. Er stammt aus Niedersachsen und arbeitet seit 2001 für das SI.

Seine Professur ist dem Institut für Slavistik der TU Dresden angegliedert. Forschungsschwerpunkte sind neben der Entwicklung einer "Digitalen Sorabistik", also der Verbindung von traditioneller Sorabistik und computergestützten Verfahren, die Sprachen Nieder- und Obersorbisch.

Titelfoto: Eric Münch

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