60 Kilometer! Das unglaubliche Stau-Drama von der A4

Görlitz - Ein solches Stau-Chaos hat die Oberlausitz noch nicht erlebt: Wegen der strikten Kontrollen im Zuge der Corona-Krise an der polnischen Grenze ging auf der Autobahn 4 nichts mehr: Auch derzeit erreicht der Stau noch immer eine Länge von rund 60 Kilometern. Jetzt greift das Militär ein!

Über 60 Helfer sorgen dafür, dass die Steckengebliebenen nicht hungern müssen.
Über 60 Helfer sorgen dafür, dass die Steckengebliebenen nicht hungern müssen.  © LausitzNews/Philipp Mann & LausitzNews/Toni Lehder

Am Dienstag waren es noch 40 Kilometer, am Mittwochmorgen dann schon 60: "Bis zum Mittag konnten wir den Stau auf rund 50 Kilometer verkürzen", sagt Polizeisprecherin Katharina Korch (31). 

Gelingen konnte dies, indem steckengebliebene Autos an den Lastern vorbei von der Autobahn gelotst wurden. Ebenso wie Fahrer, die gar nicht über die Grenze wollten. 

Für etwas Entspannung sorgte auch, dass Polen die Görlitzer Stadtbrücke für Fahrzeuge unter 7,5 Tonnen öffnete. Die Bundespolizei wiederum unterstütze die polnischen Grenzschützer, verteilte die Formulare für Einreisende bereits auf deutscher Seite im Stau.

Trotzdem kommt es zu Wartezeiten um die 20 Stunden, kritisch besonders auch für Familien. Deshalb ist ein Großaufgebot von DRK, Feuerwehr und sogar Wasserwacht ausgerückt, versorgte die Wartenden mit Lebensmitteln und Decken. 

Doch die Lage bleibt weiterhin dramatisch.

Kretschmer kritisiert Chaos im Nachbarland

Würstchen im Brötchen sollte neue Energie für den Mega-Einsatz bringen.
Würstchen im Brötchen sollte neue Energie für den Mega-Einsatz bringen.  © LausitzNews/Philipp Mann & LausitzNews/Toni Lehder

Bereits am Mittwochmorgen grifft die Staatsregierung ein: Um 10 Uhr früh bat das Innenministerium die Bundeswehr in Frankenberg um Hilfe. Gleichzeitig liefen Gespräche mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (57, CDU). 

Nur wenige Stunden später rollte der Hilfskonvoi: Rund 80 Soldaten der Panzergrenadierbrigade 37 waren auf dem Weg in Richtung Grenze zu Polen. 

Oberstleutnant Eric Gusenberger (48) vom Landeskommando Sachsen: "Die Soldaten helfen bei der Verteilung von Verpflegung und beim Transport der Einkäufe zu den Feldküchen."

Die Lage bleibt dennoch zugespitzt: Bis zum Abend wuchs der Stau wieder auf 57 Kilometer an, die Auffahrten ab Hermsdorf sind gesperrt. 

Die Polizei rät, die A 4 ab Dresden in diese Richtung nicht mehr zu nutzen.

In Görlitz selbst ist auch die Auffahrt Richtung Dresden gesperrt, empfohlener Umweg: Bundesstraße 6.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (44, CDU) kritisierte das Nachbarland für das Chaos: "15 Minuten für die Abfertigung eines einzelnen Lkw sind nicht geeignet, diese Situation zu lösen. Hier muss die polnische Seite schneller reagieren."

Update, 19. März, 8.09 Uhr: Update von der sächsischen Polizei zum Stau auf der A4. Das Stauende befindet sich aktuell in Höhe der Anschlussstelle Bautzen-Ost. Es wird darum gebeten, die Rettungsgasse freizuhalten, da diese dringend für Notfälle und die Versorgung der Wartenden benötigt werde.

Die Helfer liefen von Laster zu Laster, um zu sehen, ob es den Truckern gut geht.
Die Helfer liefen von Laster zu Laster, um zu sehen, ob es den Truckern gut geht.  © LausitzNews/Philipp Mann & LausitzNews/Toni Lehder
In Klingewalde hat das DRK einen Stützpunkt eingerichtet, wo unter anderem Essen gekocht wird und die Hilfskräfte Pause machen können.
In Klingewalde hat das DRK einen Stützpunkt eingerichtet, wo unter anderem Essen gekocht wird und die Hilfskräfte Pause machen können.  © Andre Schulze

Titelfoto: LausitzNews/Philipp Mann & LausitzNews/Toni Lehder

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