60-Millionen-Hilfspaket für Kultur und Tourismus bestätigt

Dresden - Der Haushalts- und Finanzausschuss des Sächsischen Landtages hat am Mittwoch das vom Kabinett beschlossene Hilfspaket für Kultur und Tourismus in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro beschlossen. Der Freistaat nimmt also viel Geld in die Hand, aber wird es reichen? Es gibt Zweifel.

"Stumme Künstler" auf dem Neumarkt: Kilian Forster (52, r.) mit Ludwig Güttler (77), der den Protest der Kollegen unterstützt und eine Rede hielt.
"Stumme Künstler" auf dem Neumarkt: Kilian Forster (52, r.) mit Ludwig Güttler (77), der den Protest der Kollegen unterstützt und eine Rede hielt.  © Eric Münch

"Stumme Künstler" nennt sich ein Zusammenschluss von Vertretern der freien Träger, das heißt nicht öffentlich geförderter Festivals, Theater und Kulturvereine.

Seit Wochen demonstrieren sie in Dresden gegen die Bedrohung ihrer Existenz infolge erzwungener Untätigkeit durch die Anti-Corona-Maßnahmen. Forderungen nach finanziellem Ausgleich werden erhoben, auch von Betroffenen, die nicht bei den "Stummen Künstlern" mitmachen.

Der Freistaat hat reagiert. Gut 60 Millionen Euro werden eingestellt. Davon sollen 30 Millionen mit Antrag ab 29. Juni "unter anderem für freie Theater, Festivals und kulturelle Vereine" eingesetzt werden, mit Zuschüssen zwischen 10.000 und 50.000 Euro.

Sieben Millionen gehen an die Kulturstiftung des Freistaates, wodurch freischaffende Künstler gefördert werden (Stipendien bis 2000 Euro), weitere 750.000 Euro werden von der Kulturstiftung an sogenannte Kleinprojektefonds ausgezahlt.

Allgemein heißt es, dass "darüber hinaus zusätzliche Mittel in die bestehenden Förderstrukturen der Kulturstiftung fließen, um kurzfristig Projekte zu unterstützen, die von den Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders betroffen sind". Auch fließen 2,9 Millionen Euro in die Tourismusregionen des Freistaates, "um Projekte und Ideen für die Zeit nach Corona voranzubringen".

Kilian Forster (52) ist Intendant der Jazztage Dresden, Hauptinitiator der Initiative "Stumme Künstler" und einer der lautesten Kritiker der Lockdown-Politik, soweit sie die wirtschaftliche Not der Veranstaltungswirtschaft betrifft. Die Jazztage würden sich um die Förderung bemühen, so Forster, doch hält er das Hilfspaket der Sächsischen Landesregierung für "nicht ausreichend". Forster: "Wir kommen auf diese Weise ein Stück weiter, aber es ist nicht so, dass wir wieder richtig loslegen können."

"Stumme Künstler" könnten Demonstrationen wieder aufnehmen

Für die Jazztage bedeutete selbst eine Finanzspritze in der maximalen Höhe von 50.000 Euro noch nicht die Existenzsicherung. Einen Kredit über 100.000 Euro bei der Sächsischen Aufbaubank habe er für das Festival schon vor Monaten beantragt. Da die Jazztage als gemeinnützig anerkannt sind, sei der Kredit nicht gewährt worden, so Forster.

Die Situation für die Jazztage wie für manch andere Institution bleibt auch angesichts öffentlicher Förderung aus dem Hilfspaket schwierig. Auch deshalb wollen die "Stummen Künstler" nicht klein beigeben. Selbst in Berlin, Augsburg und Würzburg gibt es inzwischen Ableger.

In Dresden befinden sich die "Stummen Künstler" nach der gestrigen Demonstration auf dem Neumarkt in der Sommerpause. Habe sich die Situation für sie bis Herbst nicht merklich gebessert, wollten sie die Demonstrationen wieder aufnehmen, sagt Kilian Forster.

Titelfoto: Eric Münch

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