Abitur in Sachsen: Ministerium rudert zurück, Anhebung um einen Punkt

Dresden - Sachsen rudert bei den diesjährigen Abi-Noten zurück und hebt die Zensuren auf ein besseres Niveau. Aber nur beim Mathe-Abitur. Die Kritik hat gewirkt: "Bei den diesjährigen Abiturprüfungen im Fach Mathematik werden die Noten um einen Punkt angehoben", sagt Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (44, CDU). 

Schon die Vorbereitung auf das Abitur konnte in Sachsen in diesem Jahr nur mit Abstand durchgeführt werden.
Schon die Vorbereitung auf das Abitur konnte in Sachsen in diesem Jahr nur mit Abstand durchgeführt werden.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Dem vorangegangen war die Auswertung einer repräsentativen Erhebung unter den Gymnasien.

Dem wiederum vorangegangen waren Klagen über ein zu schweres Abitur, gerade in Zeiten von Corona und den damit erschwerten Lernbedingungen in der Phase der Schulschließungen.

Piwarz nun: Ja, Klagen über ein zu schweres Mathe-Abi gebe es immer. 

"Doch in diesem Jahr hatten die Hinweise eine andere Qualität. In den vergangenen Wochen erhielt das Kultusministerium vermehrt Kritiken an den schriftlichen Abituraufgaben im Unterrichtsfach Mathematik – nicht nur von Schülerinnen und Schülern sowie Eltern, sondern erstmals auch von Lehrkräften", so der Minister. 

Die Auswertung des besagten Gutachtens habe nun ergeben: 

"Der erreichte Notendurchschnitt im Mathe-Abi tatsächlich schlechter ausgefallen als im Vorjahr. So lag der Notendurchschnitt im Leistungskurs mit 3,1 deutlich schlechter als im Vorjahr (2,5). Es ist zudem das schlechteste Ergebnis seit 2013." 

Im Grundkurs wären es mit 3,3 das zweitschlechteste Ergebnis gewesen. "Neben einer Reihe von Schülerinnen und Schülern, die auch in dieser Prüfung gute und sehr gute Ergebnisse erzielten, gab es auch solche, die erheblich unter ihren Vorleistungen geblieben sind", räumte Piwarz ein. 

Aufgaben entsprachen dem Lehrplan, enthielten jedoch eine Neuerung

Der sächsische Kultusminister Christian Piwarz (44, CDU).
Der sächsische Kultusminister Christian Piwarz (44, CDU).  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Die Überprüfung der gestellten Aufgaben habe ergeben, dass sie zwar grundsätzlich dem sächsischen Lehrplan und den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (alle Kultusminister der Länder) entsprachen. 

Allerdings enthielten die Aufgaben einen hohen Anteil kompetenzorientierter Elemente im Sinne der Bildungsstandards, so die Einsicht und das Fazit. 

"Hier ging es insbesondere darum, das erworbene Wissen auf neue und unbekannte Sachverhalte anzuwenden.

Dies stellte insofern eine Neuerung dar, weil Sachsen in diesem Jahr mehr Aufgaben unverändert aus dem gemeinsamen Aufgabenpool der Länder entnommen hat und hier einige Aufgabenstellungen in ungewohnten Kontexten formuliert wurden", ergänzte der Minister, um selbstkritisch einzuräumen: 

"Offenbar ist es dem Ministerium im Rahmen der Kommunikation zur Implementierung der Standards in diesem Schuljahr noch nicht hinreichend gelungen, solche Aufgabenstellungen in den Fokus der Prüfungsvorbereitung zu stellen."

Denn der Schwerpunkt der Vorbereitung in der häuslichen Lernzeit habe für einen Teil der Schüler vor allem im Lösen von Aufgaben vergangener Jahre gelegen. Zudem sei die Möglichkeiten der unmittelbaren Einflussnahme, zu deutsch Hilfe der Lehrer wegen Corona geringer als üblich gewesen. 

Piwarz abschließend: "Ich hatte bei der Begründung meiner Entscheidung im April, dass die Prüfungen in Sachsen wie geplant stattfinden werden, betont, dass unseren Schülerinnen und Schülern kein Nachteil erwachsen soll. Zu diesem Wort stehe ich. In Abwägung aller Vor- und Nachteile und insbesondere angesichts der nicht von den Schülerinnen und Schülern zu verantwortenden Problemlage in einigen Aufgabenstellungen, werden die Noten etwas angehoben."

So wird im Grund- und Leistungskursfach Mathematik einschließlich eventueller zusätzlicher mündlicher Prüfungen die erteilte Punktzahl in einfacher Wertung um einen Notenpunkt erhöht. 

Diese neue Punktzahl der Prüfung fließt dann entsprechend den Regelungen der Schulordnung für allgemeinbildende Gymnasien in vierfacher Wertung in die Gesamtqualifikation ein. Der Minister kündigte zudem an, im Sommer Maßnahmen zu diskutieren, um künftig besser an allen Gymnasien die neue Aufgabenkultur und das damit verbundene Niveau der Bildungsstandards umzusetzen.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Sachsen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0