Ärztekammer Sachsen: Schlechtere Behandlung wegen überlasteter Kliniken

Dresden - Nach Ansicht der Sächsischen Landesärztekammer hat die coronabedingt hohe Auslastung der Kliniken im Freistaat bereits zu schlechteren Verläufen bei Patienten mit anderen Erkrankungen geführt.

Laut Erik Bodendieck (54) kam es in sächsischen Krankenhäusern de facto schon zu Triage-Entscheidungen.
Laut Erik Bodendieck (54) kam es in sächsischen Krankenhäusern de facto schon zu Triage-Entscheidungen.  © Holm Helis

"Triage-Entscheidungen sind im Grunde schon getroffen worden, als es um die Verschiebung von Behandlungen ging", sagte Kammerpräsident Erik Bodendieck (54) dem Nachrichtenportal watson.

Bodendieck sprach die im vergangenen und diesem Jahr aufgetretenen "Kapazitätsfreihaltungen" in Krankenhäusern und die Angst der Patienten vor einer Infektion in Praxen und Kliniken an.

Es gebe nun deutliche Hinweise, dass die dadurch nicht stattgefundenen Behandlungen zu schlechteren Verläufen etwa bei Tumorerkrankungen oder bei Schlaganfällen geführt hätten.

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"Triage im Sinne einer Konkurrenz um ein Bett konnte bis heute grundsätzlich durch Verlegung vermieden werden", sagte der Facharzt.

Das Klinikum Oberlausitzer Bergland in Zittau. Schon im Dezember 2020 sprach ein Arzt des Hauses hier von Triage.
Das Klinikum Oberlausitzer Bergland in Zittau. Schon im Dezember 2020 sprach ein Arzt des Hauses hier von Triage.  © Daniel Schäfer/dpa-Zentralbild/dpa

Anfang der Woche hatte der Mediziner in mehreren Interviews gesagt, dass sich Sachsen auf eine Triage vorbereiten müsse. Triage bedeutet, dass Ärzte aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen.

Titelfoto: Montage: Holm Helis, Daniel Schäfer/dpa-Zentralbild/dpa

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