Alarm! Tausende Kilometer Wanderwege in Sachsen in Gefahr!

Dresden - Plötzlich endet der Radweg vor einem schmiedeeisernen Tor; der kürzlich noch beliebte Wanderweg wurde umgepflügt und das Ufer des Teiches von einem Maschendrahtzaun umsäumt.

Sperrungen beliebter Wege durch den Eigentümer - wie hier bei Klingenberg - könnten zunehmen.
Sperrungen beliebter Wege durch den Eigentümer - wie hier bei Klingenberg - könnten zunehmen.  © Ove Landgraf

Dieses Horrorszenario könnte in zwei Jahren Wirklichkeit werden. Laut Eingeweihten sind in Sachsen 10.000 Kilometer bisher öffentlicher Wege von der Privatisierung bedroht.

Um Sicherheit im Wegerecht zu erlangen, erließ der Landtag im Sommer 2019 eine Änderung des Straßengesetzes: Alle Wege und Flächen, welche bis Ende 2022 durch die Kommunen nicht ins Bestandsverzeichnis eingetragen sind, verlieren ihren derzeit öffentlichen Status.

Nach Schätzungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Sachsen (ADFC) betrifft dies 10.000 von insgesamt 120.000 Kilometer Wegen in Sachsen.

Der ADFC-Vorsitzende Konrad Krause fürchtet, dass ab 2023 viele öffentliche Wege auf privatem Grund nicht mehr öffentlich nutzbar sind.
Der ADFC-Vorsitzende Konrad Krause fürchtet, dass ab 2023 viele öffentliche Wege auf privatem Grund nicht mehr öffentlich nutzbar sind.  © Petra Hornig

"Die Uhr tickt!"

"Wir gehen davon aus, dass ab 2023 viele öffentliche Wege auf privatem Grund nicht mehr öffentlich nutzbar sind und von den Besitzern gesperrt werden", fürchtet der ADFC-Vorsitzende Konrad Krause. "Die Uhr tickt!"

Kurz vor Weihnachten brachte Die Linke einen Gesetzentwurf in den Landtag ein, um die drohende Frist abzuschaffen. Abgeordnete Antje Feiks, Sprecherin für den ländlichen Raum: "Nur dann haben die Kommunen genügend Zeit, um die Infrastruktur für die Öffentlichkeit zu sichern."

Doch parlamentarische Initiativen der Opposition finden in Sachsen selten bis nie Gehör.

Wandersleut müssen ab 2023 mit Umwegen rechnen, weil auf der Route plötzlich Zäune oder Verbotsschilder auftauchen.
Wandersleut müssen ab 2023 mit Umwegen rechnen, weil auf der Route plötzlich Zäune oder Verbotsschilder auftauchen.  © Blazej Lyjak

In Dresden seien etwa zehn Prozent der Radwege betroffen

Deshalb ermutigt der ADFC auch die Bürger, in ihren Gemeinden nach dem Status beliebter Wander- oder Radwege nachzufragen.

Konrad Krause: "Das Ausmaß des Schadens scheinen die meisten Entscheidungsträger noch gar nicht zu überblicken."

Allein in Dresden seien etwa zehn Prozent der Radwege betroffen.

Ein eigens gegründeter Verein "Sachsens Wege" hat kürzlich sämtliche Kommunen angeschrieben und auf das drohende Desaster hingewiesen.

Darüber hinaus veröffentlichen die Wegefreunde im Internet eine Sachsenkarte, auf denen die Wege mit bisher unbekanntem Status gekennzeichnet sind.

Beim Verein Sachsenwege sind - hier als Beispiel die Umgebung von Aue - viele Wege als rot gekennzeichnet. Hier könnten Schließungen drohen.
Beim Verein Sachsenwege sind - hier als Beispiel die Umgebung von Aue - viele Wege als rot gekennzeichnet. Hier könnten Schließungen drohen.  © Klaus Jedlicka/Sachsenwege

Jetzt schon werden Wege von Grundbesitzern gesperrt

Bereits jetzt sperren Grundbesitzer regelmäßig Durchfahrten: So blockierte etwa die Bahn einige Wege im Tharandter Wald, ein Schlossbesitzer machte die bisher öffentliche Route in Cunnersdorf dicht.

Das Landratsamt Bautzen ließ im vergangenen Sommer gar den Spreeradweg verlegen, um sich Ärger mit einem neuen Eigentümer zu ersparen. Ab 2023 dürfte es ihnen noch leichter fallen.

Info: sachsenswege.de.

Titelfoto: Ove Landgraf

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