An Jahrhunderthochwasser erinnert: So will sich Sachsen vor Extremwetterlagen schützen

Dresden - Sachsen will künftig stärker als bisher auf den natürlichen Hochwasserschutz bauen.

Ganze Dörfer in Rheinland-Pfalz, wie hier das Dorf Insul, sind von der Flutkatastrophe betroffen. Auch Sachsen bereitet sich auf drohende Unwetter vor.
Ganze Dörfer in Rheinland-Pfalz, wie hier das Dorf Insul, sind von der Flutkatastrophe betroffen. Auch Sachsen bereitet sich auf drohende Unwetter vor.  © Boris Roessler/dpa

"Wir brauchen einen Gleichklang zwischen technischen Maßnahmen wie Deichen oder Rückhaltebecken und solchen, mit denen Flüsse mehr Raum bekommen. Beides ist wichtig, beides setzt der Freistaat um", sagte Umweltminister Wolfram Günther (48, Grüne) der Deutschen Presse-Agentur in Dresden.

Der technische Hochwasserschutz sei einerseits ein großer Teil der Lösung, er könne aber mit Eindeichungen und Flussbegradigungen Probleme auch vergrößern.

Deshalb betreibe Sachsen nun natürlichen Hochwasserschutz mit größerer Vehemenz. Das umzusetzen, sei eine langfristige Aufgabe.

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Angesichts der dramatischen Bilder nach den Unwettern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen fühlte sich Günther an die Jahre 2002 und 2013 in Sachsen erinnert, als der Freistaat von Sturzfluten und Jahrhunderthochwassern heimgesucht wurde.

"Da wird einem die ganze menschliche Tragik bewusst. Es sind so viele Menschen betroffen, das macht mich tief betroffen", sagte Günther.

Es sei klar, dass es einen absoluten Schutz vor Naturkatastrophen nie geben kann: "Es kann nur darum gehen, das Risiko so weit wie möglich zu minimieren."

Umweltminister Günther: Auch Ursachen des Unwetters müssen bedacht werden

Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (48, Grüne). (Archivbild)
Sachsens Umweltminister Wolfram Günther (48, Grüne). (Archivbild)  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Sachsen hat nach Einschätzung von Günther Lehren aus den beiden Jahrhunderthochwassern gezogen. Im Freistaat habe man 3,6 Milliarden Euro für Hochwasserschutz, Risikomanagement und Risikovorsorge ausgegeben.

"Bei dem zweiten verheerenden Elbe-Hochwasser 2013 hat man mit den bis dahin erfolgten Schutzmaßnahmen etwa 450 Millionen Euro Schäden verhindern können", erklärte Günther.

Nicht immer gehe es dabei um millionenschwere Investitionen. "So, wie Hochwasserwellen aus unzähligen kleinen Zuflüssen entstehen, geht es beim Hochwasserschutz um die Summe vieler Maßnahmen."

"Hochwasserschutz ist eine Generationenaufgabe. Wir brauchen eine konsequente Klimaschutzpolitik, damit die Folgen des Klimawandels noch beherrschbar sind und es zu keiner weiteren Verschärfung kommt", betonte der Minister.

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Man dürfe sich nicht länger nur mit den Folgen von Extremwetter beschäftigen, sondern müsse die Ursachen in den Fokus nehmen.

"Der Klimawandel erhöht den Druck. Maßnahmen, die vor 50 Jahren vielleicht noch ausreichend waren, stellen sich heute als unzureichend heraus. Darauf müssen wir reagieren. Das Wissen ist seit langem da, wir müssen es nur umsetzen."

Günther warnt vor Extremwetterlagen

Im Jahr 2002 war Dresden extrem vom Hochwasser betroffen. Die komplette Altstadt war überflutet. (Archivbild)
Im Jahr 2002 war Dresden extrem vom Hochwasser betroffen. Die komplette Altstadt war überflutet. (Archivbild)  © picture-alliance / dpa

Günther zufolge geht es dabei nicht nur um den Hochwasserschutz. "Wir hatten drei Jahre in Folge große Trockenheit. Wir steuern in ein neues Klimasystem mit Extremwetterlagen, die auch lange anhalten können. In den Trockenjahren brauchen wir jeden Wassertropfen, da ist es um jeden verloren gegangenen Tropfen schade."

Deshalb sei es unter dem Stichwort "Schwammverhalten" notwendig, künftig auch die Speicherfähigkeit für Wasser zu erhöhen - beispielsweise durch Moore oder einen Waldumbau, der das Wasser besser im Boden halten kann.

Ein richtiges Wassermanagement müsse Hochwasser und Trockenheit gleichermaßen im Auge behalten.

Günther geht davon aus, dass die dramatischen Bilder aus NRW und Rheinland-Pfalz dazu beitragen, das Bewusstsein der Menschen für die Gefahren des Klimawandels zu schärfen: "Man weiß aber auch, dass Dinge in Vergessenheit geraten, je länger die Ereignisse zurückliegen."

Auch der Staat sei in der Pflicht, dieses Bewusstsein wach zu halten.

Titelfoto: Bildmontage: Boris Roessler/dpa, Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa, picture-alliance / dpa

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