Archäologe macht 1000 Jahre alte Entdeckung bei Bautzen: Per Flugzeug in die Vergangenheit

Bautzen - Blick von oben zurück in die Zeit der Slawen: Dem Luftbild-Archäologen Ronald Heynowski (61) vom Sächsischen Landesamt für Archäologie sind in dieser Woche spektakuläre Aufnahmen von über 1000 Jahre alten Wallanlagen westlich von Bautzen gelungen. Er sagt: "So habe ich die Oberlausitz noch nie gesehen!"

Archäologische Luftbilder mit Schnee und Sonnenschein sind ein seltenes Glück. Das Projekt "1000 Jahre Oberlausitz" wird ermöglicht durch das Regionalförderprogramm Interreg Polen Sachsen 2014-2020.
Archäologische Luftbilder mit Schnee und Sonnenschein sind ein seltenes Glück. Das Projekt "1000 Jahre Oberlausitz" wird ermöglicht durch das Regionalförderprogramm Interreg Polen Sachsen 2014-2020.  © Landesamt für Archäologie Sachsen, R. Heynowski.

Der promovierte Archäologe hebt seit gut 15 Jahren zusammen mit dem Piloten Jan Meißner (52) ab, um Zeugnisse vergangener Epochen am und im Boden aus großer Höhe zu finden und fotografisch zu dokumentieren.

Der Forscher und der Inhaber der Großenhainer Flugschule Born-2-Fly sind am Himmel ein eingespieltes Team. Zusammen überflogen sie schon ganz Sachsen im Auftrag der Wissenschaft.

Ronald Heynowski erklärt: "Winterflüge sind dabei etwas ganz Besonderes. Nur bei Schnee und Sonnenschein, wenn die Bäume ihr Laub abgeworfen haben, werden Burgen und Wälle unterm Wald sichtbar."

Der 61-Jährige kommt bei dem Thema richtig ins Schwärmen: "So ideale Bedingungen für einen Flug wie am Mittwochnachmittag hatten wir schon viele Jahre nicht mehr."

Archäologe fotografiert Wallanlagen aus dem 9. bis 10. Jahrhundert

Die Ostroer Schanze bei Panschwitz-Kuckau zählt zu den bedeutendsten prähistorischen Burgen Sachsens. Ihre Erstbesiedlung fand am Übergang von Bronze- zu Eisenzeit statt. Etwa 2000 Jahre später ließen sich Slawen dort nieder.
Die Ostroer Schanze bei Panschwitz-Kuckau zählt zu den bedeutendsten prähistorischen Burgen Sachsens. Ihre Erstbesiedlung fand am Übergang von Bronze- zu Eisenzeit statt. Etwa 2000 Jahre später ließen sich Slawen dort nieder.  © Landesamt für Archäologie Sachsen, R. Heynowski.

Für das Projekt "1000 Jahre Oberlausitz" überflogen Heynowski und Meißner mit einem zweisitzigen Ultraleichtflugzeug vom Typ Ikarus C42 die Region um Göda.

Während die Maschine mit Geschwindigkeiten um 130 Kilometer pro Stunde in Höhen zwischen 300 und 600 Metern über die verschneite Landschaft schwebte, saß Heynowski dick eingemummelt an der halboffenen Tür und drückte auf den Auslöser seiner Spiegelreflexkamera.

"An die 1000 digitale Bilder entstanden so in gut zwei Stunden", erzählt der Dresdner. Insgesamt 25 archäologische Anlagen konnten sie identifizieren und im Bild festhalten.

Dabei handelte es sich vor allem um slawische Wallanlagen aus dem 9. bis 10. Jahrhundert. Die Burgen waren ursprünglich von mächtigen Holz-Erdmauern umgeben. Die dienten den Slawen damals als Schutz vor den Angriffen der Sachsen, die im Osten expandieren wollten.

Heynowski: "Eine solche Dichte an Befunden ist außergewöhnlich. Im Abstand von drei bis vier Kilometern konnten wir Anlagen sichten."

Über der Spree erhebt sich auf Felsen die Ortenburg in Bautzen. Sie gilt als wichtiges Zentrum im slawisch besiedelten Milzenerland, wurde vermutlich schon im 9. Jahrhundert angelegt.
Über der Spree erhebt sich auf Felsen die Ortenburg in Bautzen. Sie gilt als wichtiges Zentrum im slawisch besiedelten Milzenerland, wurde vermutlich schon im 9. Jahrhundert angelegt.  © Landesamt für Archäologie Sachsen, R. Heynowski.

Luftbild-Archäologie öffnet Fenster in die Vergangenheit

In der Nähe des Dorfes Coblenz liegt auf einer Erhebung neben dem Großhänchener Wasser der Doppelwall Coblenz. Vor dem Abschnittswall befand sich noch ein ebenfalls von einem Wall geschützter Vorburgbereich.
In der Nähe des Dorfes Coblenz liegt auf einer Erhebung neben dem Großhänchener Wasser der Doppelwall Coblenz. Vor dem Abschnittswall befand sich noch ein ebenfalls von einem Wall geschützter Vorburgbereich.  © Landesamt für Archäologie Sachsen, R. Heynowski.

Jedem Objekt wurde am Mittwoch eine "Platzrunde" gewidmet. Dabei kreiste der erfahrene Fluglehrer Meißner so über den Fundort, dass der Wissenschaftler optimale Perspektiven und Blickwinkel auf das Objekt am Boden bekam.

Pro Anlage schoss Ronald Heynowski zwischen 20 und 30 Bilder. Der Detektiv der Geschichte sagt: "Die besten fünf Fotos kommen ins Archiv des Landesamtes. Sie können so zum Beispiel für Forschungsarbeiten jederzeit genutzt werden."

Die Luftbild-Archäologie ist eine etablierte Methode, die Fenster in die Vergangenheit öffnet. Fast alle Bundesländer arbeiten mit ihr. Zum Auswerten der Bilder brauchen die Experten neben guten Augen auch Erfahrung und Hintergrundwissen.

Heynowski erklärt dazu: "Diese Befunde können nicht datiert, sondern müssen interpretiert werden. Ihre Form und Ortslage in der Landschaft erzählt uns etwas über ihre Funktion und ihre Erbauer."

Titelfoto: Landesamt für Archäologie Sachsen, R. Heynowski.

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