Auweia! Der Lausitz gehen die Frauen aus

Weißwasser - In der Lausitz werden Frauen zur Mangelware! Einer aktuellen Studie zufolge will jede fünfte junge Frau die ostsächsische Region verlassen. Und zwar ohne Rückkehr-Option.

Psychologe Jörg Heidig gehört zu den Initiatoren des Lausitz Monitors.
Psychologe Jörg Heidig gehört zu den Initiatoren des Lausitz Monitors.  © Miriam Schönbach/dpa

Für den sogenannten "Lausitz-Monitor" hat der Quitzdorfer Psychologe Jörg Heidig zusammen mit dem Leipziger Marktforschungsunternehmen MAS Partners im Februar 1000 Lausitzer zu Strukturwandel und regionaler Verbundenheit befragt.

"Das Ergebnis war ernüchternd", erklärt der Wissenschaftler. Zwar gaben etwa zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten an, die Lausitz zu lieben.

Doch: "Für jeden zehnten Lausitzer ist es wahrscheinlich, dass er in den nächsten zwei Jahren die Region verlässt. Bei den jungen Leuten zwischen 18 und 39 will sogar knapp die Hälfte weg", fasst Heidig zusammen.

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Vor allem junge Frauen sehen in Ostsachsen keine Perspektive. Jede Fünfte will der Studie zufolge weg - ohne Rückkehr-Option.

"Sie interessieren sich weder für Heimat, Tagebau und Strukturwandel. Ihre Themen sind Kinderbetreuung, Bildung, Wohnen", sagt Heidig.

Das Kraftwerk Boxberg ist eines der Wahrzeichen der alten Kohle-Lausitz, der davor liegende Bärwalder See symbolisiert den Strukturwandel.
Das Kraftwerk Boxberg ist eines der Wahrzeichen der alten Kohle-Lausitz, der davor liegende Bärwalder See symbolisiert den Strukturwandel.  © imago images / UIG
Das traditionelle Frauenbild der Lausitz: Junge Frauen in sorbischer Tracht auf dem Weg zum Firmungsgottesdienst in Crostwitz.
Das traditionelle Frauenbild der Lausitz: Junge Frauen in sorbischer Tracht auf dem Weg zum Firmungsgottesdienst in Crostwitz.  © Matthias Rietschel/dpa
Die Jungen gehen, die Alten bleiben. Ein Rentner beim Spaziergang durch Großräschen im brandenburgischen Teil der Lausitz.
Die Jungen gehen, die Alten bleiben. Ein Rentner beim Spaziergang durch Großräschen im brandenburgischen Teil der Lausitz.  © imago images/photothek
Ein sanierter Plattenbau in Hoyerswerda. Zu DDR-Zeiten lebten viele junge Familien in der Stadt, heute droht sie zu vergreisen.
Ein sanierter Plattenbau in Hoyerswerda. Zu DDR-Zeiten lebten viele junge Familien in der Stadt, heute droht sie zu vergreisen.  © Matthias Hiekel

Fehlen Entscheiderinnen und Unternehmerinnen in der Lausitz?

Sozialwissenschaftlerin Franziska Stölzel (27) aus Weißwasser fordert mehr Chancen für Frauen in Politik und Wirtschaft ihrer Heimat.
Sozialwissenschaftlerin Franziska Stölzel (27) aus Weißwasser fordert mehr Chancen für Frauen in Politik und Wirtschaft ihrer Heimat.  © Miriam Schönbach/dpa

Zudem hätten die abwanderungswilligen Frauen erkannt, dass diejenigen, die bleiben, sich eher in klassischen Rollenbildern wiederfinden. Zwei Drittel der Befragten würden die Lausitz mit konservativen Werten verbinden, so der Psychologe.

"Die Männer müssen sich in der Lausitz ändern, damit die jungen Frauen bleiben. Wir brauchen die Frauen, um die Zukunft zu gestalten", meint Franziska Stölzel (27).

Die Sozialwissenschaftlerin ist selbst Rückkehrerin und erforscht heute im soziokulturellen Zentrums "Telux" in Weißwasser den Strukturwandel in ihrer Heimat.

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Sie beklagt vor allem, dass in der Lausitz Entscheiderinnen und Unternehmerinnen fehlen, die Politik hier von Männern dominiert sei.

Aus Stölzels Sicht müssten die "oft nach dem Gießkannenprinzip" funktionierenden Programme für Fachkräfte viel stärker auf Frauen ausgelegt und soziale Berufe besser entlohnt werden. Unternehmen sollten zudem Initiativen für junge Frauen auflegen.

Titelfoto: Matthias Rietschel/dpa

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