Bilderstürmerei im Internet: Dieses Kirchengemälde war Facebook einfach zu brutal

Kamenz - Ist ein Kunstwerk mit dem gekreuzigten Jesus etwa Gewaltverherrlichung? Ein über 470 Jahre altes Kirchengemälde wurde jetzt von Facebook mit dieser Begründung geblockt.

Die Klosterkirche St. Annen in Kamenz wurde 1512 geweiht und gehörte zu einem Franziskanerkloster.
Die Klosterkirche St. Annen in Kamenz wurde 1512 geweiht und gehörte zu einem Franziskanerkloster.  © imago images/Rainer Weisflog

Es verstoße gegen die Richtlinie, dass reißerische Inhalte mit schockierendem, sensationsheischendem, aufrührerischem und gewaltverherrlichendem Content nicht beworben werden dürfen.

Die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) bewirbt auf ihrer Facebook-Seite regelmäßig die "Stadtschönheiten" des Freistaates. Für Kamenz wurden dieses Mal die Klosterkirche St. Annen und das Sakralmuseum ausgesucht.

Auch das hier zu bewundernde Doppelgemälde "Gesetz und Gnade" vom Cranach-Schüler Wolfgang Krodel aus dem Jahre 1542.

TMGS-Chefin Veronika Hiebl hat durchaus Verständnis, dass Facebook die Inhalte kontrolliert und dass auch der automatische Algorithmus einen Fehler machen kann.

Hiebl: "Dass nach unserem Einspruch allerdings ein Mensch zu derselben Einschätzung kam und das Gemälde weiter blockiert wurde, ist für uns nicht nachvollziehbar."

Unverständnis auch in Kamenz. Sylke Kaufmann, Leiterin des Lessing-Museums: "Nahezu 500 Jahre lang haben die Kunstwerke unbeanstandet von den Grundwerten der christlichen Religion zeugen können, bis zu dieser Facebook-Veröffentlichung."

Das für das Christentum zentrale Motiv habe Lucas Cranach einst mit Martin Luther abgestimmt. Die TMGS musste einige Hebel in Bewegung setzen, um Facebook von der Fehleinschätzung zu überzeugen. Nach zehn Tagen wurde die Sperrung aufgehoben.

Das 1542 entstandene Doppelgemälde "Gesetz und Gnade" von Wolfgang Krodel wurde als schockierend und gewaltverherrlichend eingestuft.
Das 1542 entstandene Doppelgemälde "Gesetz und Gnade" von Wolfgang Krodel wurde als schockierend und gewaltverherrlichend eingestuft.  © SSK/Dietmar Träupmann
Das Sakralmuseum birgt wertvolle Altare, welche den Bildersturm überstanden haben.
Das Sakralmuseum birgt wertvolle Altare, welche den Bildersturm überstanden haben.  © imago images/Rainer Weisflog
Selfie untersagt: In der Landesausstellung existiert ein Fotografier-Verbot.
Selfie untersagt: In der Landesausstellung existiert ein Fotografier-Verbot.  © Thomas Türpe

Zwickau - Fotografieren verboten!

Dass in der Landesausstellung "500 Jahre Industriekultur in Sachsen" ein allgemeines Fotografier- und Film-Verbot besteht, hat ebenfalls mit Facebook & Co. zu tun.

Ausstellungssprecher Christian Landrock: "Wir bedauern das sehr, es ist aber aus rechtlichen Gründen nötig." Die rund 600 Exponate stammen von 130 verschiedenen Leihgebern, bei denen auch die Bildrechte liegen.

Sobald jemand ein Foto auf einer Social-Media-Plattform lädt, erhält diese daran die weltweiten Nutzungsrechte.

Titelfoto: imago images/Rainer Weisflog, SSK/Dietmar Träupmann

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