Bis auf die AfD: Gemeinderäte stellen sich gegen rechtsextremes Projekt in Cunewalde

Cunewalde - Was in Bischofswerda funktionierte, klappte in Cunewalde nicht: Während in Schiebock der Stadtrat eine einstimmige Entscheidung gegen die Pläne des rechtsextremen Rappers Christoph Aljoscha Zloch (28, "Chris Ares") verabschiedete, konnte sich die AfD in Cunewalde nicht dem Papier des Bürgermeisters Thomas Martolock (53, CDU) anschließen. Doch was hat der Musiker in Cunewalde vor?
Christoph Aljoscha Zloch (28) zeigte sich am Montag am Rande einer Demonstration.
Christoph Aljoscha Zloch (28) zeigte sich am Montag am Rande einer Demonstration.  © Steffen Unger

Wenigstens etwas konnte Martolock die Cunewalder am Abend im Gemeinderat beruhigen: "Ich habe am 15. September mit Herrn Zloch telefoniert", so das Gemeindeoberhaupt. "Es gibt keine Pläne von ihm für ein patriotisches Dorf in Cunewalde."

Doch das von ihm angekündigte Tattoo-Studio ist tatsächlich in Planung: "Es gibt eine Gewerbeanmeldung", so Martolock. "Allerdings nicht von Herrn Zloch, sondern von Jan-David Fautz." 

Zloch hatte bereits angekündigt das Studio zusammen mit dem Schweinfurter betreiben zu wollen. Laut Martolock ist die Genehmigung keine Sache der Gemeinde mehr. Welche Voraussetzungen derzeit für den Betrieb eines Tattoo-Studios nötig sind, prüft derzeit der Landkreis (TAG24 berichtete). 

"Jedem steht ein rechtmäßiges Verwaltungshandeln zu", so der Bürgermeister. "Wir sollten aber ein Auge auf diese Vorgänge haben. Wer glaubt, dass es zwischen den Vorgängen hier in Cunewalde und in Kleinwelka vom Wochenende keinen Zusammenhang gibt, irrt." 

Bürgermeisterkandidat der AfD geht es zu weit

Die Werbung in der Cunewalder Hauptstraße hängt bereits.
Die Werbung in der Cunewalder Hauptstraße hängt bereits.  © Steffen Unger

In Kleinwelka sprengte die Polizei am Wochenende eine Party, auf der Loblieder auf Adolf Hitler abgespielt wurden.

Deshalb stellte der Bürgermeister dem Gemeinderat eine Erklärung vor. Diese forderte ein rechtmäßiges Verwaltungshandeln für alle, enthielt allerdings auch einen Passus zu Extremisten: 

"Der Gemeinderat verwehrt sich jedoch im Ansatz gegen Projekte mit menschenverachtendem oder diskriminierendem Gedankengut und Extremismus, egal welcher Coleur." 

Im Folgepunkt sollte der Gemeinderat den Bürgermeister beauftragen, im Einklang mit den Behörden, dafür Sorge zu tragen, dass solche Projekte in Cunewalde nicht begründet werden.

Das ging der AfD-Fraktion zu weit: "Für Extremismus ist die Justiz zuständig, nicht der Gemeinderat", so Jürgen Schulz (52), Bürgermeisterkandidat der AfD. Martolock konterte: "Die Justiz wird dann tätig, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist." 

So sahen es auch die anderen Gemeinderäte. Bis auf die AfD stimmten alle für die Erklärung.

Titelfoto: Steffen Unger

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