Blogger kraxelt vor Sonnenaufgang übers Geländer: Dieses Bastei-Foto sorgt für Ärger

Rathen - Ein Foto wie aus einem Reisemagazin: Ein Tourist steht mit ausgebreiteten Armen auf dem Basteifelsen und überblickt das Elbtal bei Sonnenaufgang ... Doch das Bild sorgt für Aufsehen. Schließlich sind die vorderen zehn Meter der berühmten Aussicht gesperrt. Der Felsen ist porös - das Betreten bedeutet Lebensgefahr!

Schon lange ist der vordere Teil der Bastei-Aussicht gesperrt. Das Geländer wurde nach hinten versetzt, um die Touristen nicht zu gefährden.
Schon lange ist der vordere Teil der Bastei-Aussicht gesperrt. Das Geländer wurde nach hinten versetzt, um die Touristen nicht zu gefährden.  © Thomas Türpe

Und doch begeben sich immer wieder Menschen für das perfekte Instagram-Foto in Gefahr. So auch Alexander Vorreiter (20) aus Bayern. Der Travelblogger (Instagram: "alex_on_tour1") war jüngst in der Sächsischen Schweiz.

"Ich war mit meiner Schwester unterwegs, wir sind noch vor Sonnenaufgang zur Basteibrücke gelaufen", berichtet er. "Die Aussicht vom Felsen haben wir eher zufällig entdeckt."

Aber schon kurz nach Veröffentlichung hagelte es negative Kommentare. "Erst da habe ich mitbekommen, dass ich mich in Lebensgefahr begeben habe. Ich wusste nicht, dass der Felsen abbrechen könnte. Ich bin trittsicher und schwindelfrei. Für mich stellte das Geländer keine Absperrung dar, eher eine Hilfe für Menschen, die Höhenangst haben."

Er bemängelt, dass es vor Ort keine Hinweisschilder gibt, die auf die Gefahr hinweisen.

Für Hanspeter Mayr (57) von der Nationalparkverwaltung ist die Erklärung nicht nachvollziehbar. "Es gibt auf den offiziellen Wegen über 100 Aussichtspunkte. Diese Wege enden, wo eine Absturzgefahr durch ein Geländer markiert ist", so Mayr.

"Um dorthin zu kommen, wo der Instagramer steht, musste er zuerst das 110 Zentimeter hohe Geländer übersteigen, um anschließend einen 60 Zentimeter breiten Spalt zum vorderen Felsturm zu überspringen. Dieser Spalt führt sehr weit in die Tiefe."

Reiseblogger Alexander hat sein Foto nicht gelöscht, aber die Beschreibung angepasst: "Es unkommentiert zu löschen, macht keinen Sinn. Ich weise nun explizit auf die Gefahr hin und schreibe, dass niemand das Foto nachstellen soll."

Hanspeter Mayr wünscht sich indes, dass Instagramer generell nie abseits der Wege unterwegs sind: "Zum Schutz der Natur und der Lebensräume."

Dieses Foto sorgt für Aufsehen: Alexander Vorreiter (20) aus Bayern wagte sich auf den porösem Felsen, ohne zu wissen, in welche Gefahr er sich begibt, wie er sagt.
Dieses Foto sorgt für Aufsehen: Alexander Vorreiter (20) aus Bayern wagte sich auf den porösem Felsen, ohne zu wissen, in welche Gefahr er sich begibt, wie er sagt.  © Alexander Vorreiter/alex_on_tour1
Hanspeter Mayr (57) vom Nationalpark warnt vor zu viel Leichtsinn für das perfekte Foto.
Hanspeter Mayr (57) vom Nationalpark warnt vor zu viel Leichtsinn für das perfekte Foto.  © Eric Münch

Kommentar: Lebensgefahr für Klicks

Von Caroline Staude

Willst Du was gelten, poste das spektakulärste Foto! So oder so ähnlich denken viele gerade junge Menschen, die mit ihren Profilen auf sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook vor allem eines wollen - Aufmerksamkeit!

Wer bekommt die meisten Likes, wer die schönsten Kommentare? Immer höher, aufwendiger, spektakulärer und damit auch gefährlicher werden die Situationen, in die sich die Influencer für ihre Beiträge begeben.

Im Fall des Bastei-Felsens kann so viel Geltungsdrang aber schnell lebensgefährlich werden. Nicht umsonst sind die vorderen zehn Meter des Aussichtspunktes gesperrt. Der Sandstein ist porös. Dennoch hält das Geländer nicht alle Touristen davon ab, nach vorn zu klettern.

Fehlende Hinweisschilder hin oder her: Ein Geländer dient gleichzeitig auch als Absperrung. Sich innerhalb eines Nationalparks außerhalb der festgelegten Wege zu bewegen, ist schlicht und einfach verantwortungslos und hier im besonderen Maße waghalsig. Ein bisschen weniger "Schein" und stattdessen mehr "Sein" würde den Instagramern dieser Welt sicherlich guttun.

Titelfoto: Alexander Vorreiter/alex_on_tour1

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