Corona-Infektionen: Zieht Sachsen bei der Abschaffung der Isolationspflicht nach?

Dresden - Sachsen ist offen für ein Ende der Isolationspflicht bei Corona-Infektionen. Allerdings hält der Freistaat ein einheitliches Handeln aller Bundesländer für erforderlich, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag auf Anfrage mit.

An ihnen wird die Entscheidung liegen: Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) und Gesundheitsministerin Petra Köpping (64, SPD).
An ihnen wird die Entscheidung liegen: Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) und Gesundheitsministerin Petra Köpping (64, SPD).  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

"Es ist überfällig, dass das Robert Koch-Institut aufgrund der veränderten Infektionslage endlich eine neue fachliche Stellungnahme abgibt."

Statt einer verpflichtenden Isolation könne man grundsätzlich auch mit eigenverantwortlichem Handeln andere Personen hinreichend schützen - so mit Abstand und Maske.

"Zum Schutz vulnerabler Personen muss es für infizierte Personen dennoch gewisse Einschränkungen geben, zum Beispiel eine Maskenpflicht bei Kontakt mit anderen Personen und Betretungsverbote für Einrichtungen mit vulnerablen Personen", hieß es.

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Eine Pflicht zur Isolation wäre dann nicht mehr unbedingt nötig. "Wichtig bleibt der Grundsatz: Wer krank ist, bleibt zu Hause. Damit wird man auch der Verantwortung gegenüber anderen Menschen gerecht."

Zuvor hatten sich vier Bundesländer darauf verständigt, die Isolationspflicht für Corona-Infizierte abzuschaffen. Es handelt sich um Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein, wie das baden-württembergische Gesundheitsministerium am Freitag in Stuttgart mitteilte.

In diesen Ländern sollten "zeitnah" neue Regelungen in Kraft treten, die Details würden derzeit ausgearbeitet.

Niedersachsen kritisiert Abschaffung der Isolationspflicht - FDP ist dafür

Torsten Herbst (49, FDP), Bundestagsabgeordneter aus Dresden, begrüßt die Abschaffung der Isolationspflicht.
Torsten Herbst (49, FDP), Bundestagsabgeordneter aus Dresden, begrüßt die Abschaffung der Isolationspflicht.  © Daniel Schäfer/dpa-Zentralbild/dpa

Niedersachsen hatte das kritisiert. "Ich halte es epidemiologisch für grundfalsch, mitten im dritten Pandemieherbst auf die Isolationspflicht für Corona-Infizierte zu verzichten. Auch Personen, die keine Symptome haben, können das Virus weitertragen und andere Menschen anstecken", sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (54, SPD).

Der Dresdner Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst (49, FDP) sprach sich für eine Abschaffung der Isolationspflicht aus.

"Fast drei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie ist es überfällig, dass Sachsen zu einer situationsangepassten und eigenverantwortlichen Vorgehensweise findet. Das heißt ganz klar: Menschen mit Erkältungssymptomen sollen auch weiterhin Kontakte meiden."

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Eine symptomfreie Covid-Infektion dürfe aber künftig nicht mehr zu einer tagelangen Quarantäne führen. "Es ist höchste Zeit, eine pragmatische Rückkehr zur Normalität zu vollziehen und mit dem Corona-Virus dauerhaft leben zu lernen."

Die vier Länder, die sich auf eine Abschaffung der Isolationspflicht geeinigt haben, berufen sich bei ihrem Vorgehen auf Erfahrungen aus Nachbarländern wie Österreich, wo es seit Sommer 2022 "absonderungsersetzende" Schutzmaßnahmen gebe.

Als weitere Gründe werden zurückgehende Infektionszahlen, eine wirksame Schutzimpfung sowie eine Basisimmunität innerhalb der Bevölkerung von mehr als 90 Prozent genannt.

Auch dass es in der Regel keine schweren Krankheitsverläufe sowie wirksame antivirale Medikamente gibt, rechtfertigt aus Sicht der Länder diesen Schritt.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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