Dauer-Chaos auf der A4 bei Nossen: Immer wieder Stau wegen dieser Baustelle

Nossen - Der tägliche Stau-Wahnsinn auf der A4 hat einen Grund: die Monster-Baustelle zwischen Nossen und Wilsdruff. Kein Wunder: Der Verkehr (bis zu 100.000 Fahrzeuge täglich, ein davon Drittel Laster) auf den verengten Spuren ist enorm.

Dicht ist der Verkehr zwischen Wilsdruff und Nossen immer, beinahe täglich wird die Baustelle auch zur Staufalle. In der Folge stöhnen die Dörfer der Region über den Ausweichverkehr.
Dicht ist der Verkehr zwischen Wilsdruff und Nossen immer, beinahe täglich wird die Baustelle auch zur Staufalle. In der Folge stöhnen die Dörfer der Region über den Ausweichverkehr.  © Steffen Füssel

Immer wieder rückten Straßenbauer in den vergangenen Jahren zur Notreparatur an. Oft wegen eines Defekts an der Übergangskonstruktion. Eine Art stählerne Dehnungsspalte, die entsprechend den Temperaturen den Übergang auf die Brücke ausgleichen soll. Die 1999 eingeweihte Triebischtalbrücke (425 Meter lang, 52 Meter hoch) hat vier davon, je Fahrspuren zwei.

Doch warum dauert die Baustelle so lange?

"Im Vorjahr gab es immer wieder Probleme, die uns aufgehalten haben", gibt Projektleiter Matthias Knorr (42) von der seit Januar zuständigen Autobahngesellschaft des Bundes zu.

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"Material konnte nicht beschafft werden, die Baufirma war teilweise personell unterbesetzt." Mittlerweile, so sagt er, laufen die Arbeiten besser, voll im Zeitplan. Möglichst noch in dieser Woche soll der letzte der vier Brückenverbinder (19 Meter lang, zwölf Tonnen schwer) an seinen Platz gehievt werden.

Sie sind aus Spezialstahl. Die Ziehharmonika-Funktion sorgt für weniger Lärm.

22 Jahre nach der Brücken-Einweihung mussten die Stahlkonstruktionen getauscht werden. Sie bilden den Übergang zur Brücke.
22 Jahre nach der Brücken-Einweihung mussten die Stahlkonstruktionen getauscht werden. Sie bilden den Übergang zur Brücke.  © Steffen Füssel
Die Lamellenform des stählernen Übergangs kann hitze- oder kältebedingte Dehnungen (bis zu 30 Zentimeter) ausgleichen.
Die Lamellenform des stählernen Übergangs kann hitze- oder kältebedingte Dehnungen (bis zu 30 Zentimeter) ausgleichen.  © Steffen Füssel

Ende in Sicht

Noch bis Ende August Baustelle: Die Triebischtalbrücke überspannt das Tanneberger Loch, den einst ursprünglichen Verlauf der Autobahn.
Noch bis Ende August Baustelle: Die Triebischtalbrücke überspannt das Tanneberger Loch, den einst ursprünglichen Verlauf der Autobahn.  © Steffen Füssel

"Es entfällt das typische Klacken, wenn Laster die Brücke befahren", sagt Knorr. "Auf die Fahrbahndecke wird ebenso geräuschhhemmender Asphalt aufgebracht."

Mehr Bautempo, wie gern lautstark von der Politik gefordert, hält der Projektleiter nicht für möglich: "Wir wissen um die Belastungen im Umfeld. Es gibt einfach keine echte Ausweichstrecke für diesen A4-Abschnitt. Aber wir können nicht einfach eine zweite Firma verpflichten, die dann nachts oder an Wochenenden arbeitet. Das ist logistisch als auch finanziell nicht möglich."

Schon jetzt hat das Projekt (6,4 Millionen Euro) den Kostenrahmen überzogen, auch weil Materialpreise stiegen. Aber immerhin: Ein Ende ist in Sicht.

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Bauleiter Knorr verspricht: "Wir wollen am 21. August fertig sein, die Autobahn wieder freigeben." Für ewig Ruhe ist aber nicht. Spätestens nach fünf Jahren ist der neue Asphalt schon wieder verschlissen...

Spielzeug-Protest der Anwohner

Die Lage ist ernst: Die Orte an der S 36 leiden unter dem Ausweichverkehr von A4 und A14. Aber der Protest dagegen bekommt immer mehr Aufmerksamkeit.
Die Lage ist ernst: Die Orte an der S 36 leiden unter dem Ausweichverkehr von A4 und A14. Aber der Protest dagegen bekommt immer mehr Aufmerksamkeit.  © Steffen Füssel

Eine Welle der Aufmerksamkeit für Tanneberg, Limbach und Wilsdruff: Nachdem Anwohner Spielzeug an den Straßenrand gestellt hatten, um auf die Gefährdung ihrer Kinder durch den dauernden Autobahn-Ausweichverkehr aufmerksam zu machen, schaut Sachsen auf die Region.

Hitradio RTL unterstützt den Protest mit "Vorsicht Kinder"-Plakaten, die Landratsämter Meißen und Pirna haben Tempo 30 in den Ortsdurchfahrten angeordnet - und inzwischen hat die Polizei nach einigem Druck "geblitzt". Sogar Verkehrsminister Martin Dulig (47, SPD) hat angekündigt, wegen der A4-Baustelle beim Bundesverkehrsminister intervenieren zu wollen. "Wir freuen uns, aber weitere Schritte müssen folgen", sagt Christoph Kürbis (37) aus Tanneberg, der unter anderem mobile Ampelanlagen fordert.

Aber Medienöffentlichkeit hat auch Schattenseiten: Diebe klauten dreist ein kleines "Protest-Tretauto", obwohl es mit einer Kette gesichert war.

"Sollte derjenige das hier lesen, bitte ich darum, dass das kleine rote Auto wieder an seinen Platz gestellt wird", schreibt die betroffene Familie auf Facebook.

Titelfoto: Steffen Füssel

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