Demo mit Steimle in Bautzen abgesagt: Darum wollte der Oberbürgermeister mitmachen!

Bautzen - Schon am Dienstag kam Medienunternehmer David Vandeven (44) ins Zweifeln, ob er seine für Sonntag geplante Veranstaltung tatsächlich durchführen soll (TAG24 berichtete). Nun ist er sich darüber im Klaren.

Der als Redner angekündigte Uwe Steimle (56) sollte am Ende nur noch per Video grüßen.
Der als Redner angekündigte Uwe Steimle (56) sollte am Ende nur noch per Video grüßen.  © dpa/Frank May

Eigentlich sollten Komiker Uwe Steimle (56), Ex-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld (68), Julia Szarvasy (34), Moderatorin eines verschwörungstheoretischen Onlinesenders und Christian Haase (72) vom Bautzner Bürgerbündnis auf dem Kornmarkt sprechen. 

Nun bläst Vandeven die ganze Show ab. 

Es knirschte schon am Dienstag: Der als Redner angekündigte Uwe Steimle sollte nur noch per Videobotschaft sprechen, Vandeven selbst wurde unsicher: "Ich weiß noch, ob die Veranstaltung stattfindet", sagte er TAG24. "Es gibt einen sehr hohen Druck, es wurde zum Beispiel gedroht mit Steinen zu werfen." 

Druck gab es tatsächlich, denn gleich vier Stadträte distanzierten sich von der Kundgebung, die offiziell durch das Programm "Partnerschaft für Demokratie" unterstützt werden sollte. 

Demo aus Sicherheitsgründen abgesagt

Der offizielle Flyer zur Kundgebung.
Der offizielle Flyer zur Kundgebung.  © PR

Die angekündigten Redner auch nicht unumstritten: Steimle verbreitete in der Vergangenheit Reichsbürgerthesen und Fakenews über Migranten, Lengsfeld agiert mittlerweile im AfD-Umfeld und der Onlinesender der Moderatorin Julia Szarvasy verteidigt Holocaustleugner Nikolai Nerling (40). 

Trotzdem wollte Oberbürgermeister Alexander Ahrens (54, SPD) auf der Veranstaltung ein Grußwort verlesen. 

Am Mittwochnachmittag dann die Absage: "Aus Sicherheitsgründen und wegen Vorverurteilung", teilte Vandeven mit. 

Ersteres kann die Polizei nicht bestätigen: "Uns sind aktuell keine Drohungen gegen die Versammlung oder die von Ihnen genannte Person bekannt", sagt Polizeisprecher Kai Siebenäuger (41) auf TAG24-Anfrage. 

Allerdings hat Vandeven am Dienstag Anzeige zu einem Vorfall an der Bundesstraße 96 gestellt: Teilnehmer eines Protestkorsos gegen Reichsfahnen am Straßenrand sollen da auf ihn zugefahren sein.

Update, 19 Uhr: Darum wollte sich der Bürgermeister beteiligen

Zur umstrittenen Runde wollte sich auch OB Alexander Ahrens (54, SPD) mit einem Grußwort gesellen.

"Ich betrachte einen Teil der Rednerinnen und Redner äußerst kritisch", sagt Oberbürgermeister Ahrens gegenüber TAG24. "Dennoch: In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit. Wenn wir ihre Meinung aber schon vorher abstrafen wollen, werden wir gar keine Möglichkeit haben, sie in der Sache zu kritisieren, vielleicht auch Ansichten zu widerlegen."

Im Grußwort hätte er Vandeven ermutigt, auch Redner anderer Ansichten zu berücksichtigen, außerdem Kritik an dem vorläufigen Motto "Jedes Leben zählt" geäußert: "Vor dem Hintergrund der weltweiten 'Black Lives Matter'-Bewegung zumindest eine unglückliche Relativierung."

Zu seiner Rede sowie allen anderen kommt es nun aber nicht mehr.

Titelfoto: PR, dpa/Frank May

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