Der Sommer lockt! So geht Ihr richtig sicher baden

Dresden - Trauriger Start der diesjährigen Badesaison in Sachsen: Bereits sechs Menschen starben innerhalb weniger Tage bei Badeunfällen in Kiesgruben und Seen. Schuld sind dabei meist Selbstüberschätzung, Leichtsinn und Unerfahrenheit, weiß Sebastian Knabe (29), Landesgeschäftsführer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Sachsen. Doch wie können tragische Badeunfälle vermieden werden? TAG24 klärt die wichtigsten Fragen, wie ein Badetag so sicher wie möglich wird ...

(Un)Sichere Gewässer

Die Suche nach einem 19-Jährigen im Kiessee Dresden-Zschieren brachte traurige Gewissheit. Er starb bei einem Tauchgang.
Die Suche nach einem 19-Jährigen im Kiessee Dresden-Zschieren brachte traurige Gewissheit. Er starb bei einem Tauchgang.  © Daniel Förster

"Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass das Baden in Flüssen vom Gesetzgeber zu verbieten ist", sagt der DLRG-Chef.

Zu groß sei die Gefahr, von der Strömung mitgerissen zu werden oder in einen Strudel zu geraten.

Knabe: "Aufgrund dessen, dass Flüsse Schifffahrtsstraßen sind, sollte man den Badespaß entsprechend unterlassen. Oder genießt man auch den Spielspaß auf der Autobahn als Verkehrsweg?"

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Aber auch in Seen lauern Gefahren: nicht sichtbare Abbruchkanten, wechselhafte Temperaturschichten (Gefahr: Kreislaufkollaps), steile Felswände, in Kiesgruben und Tagebaurestlöchern zusätzlich Sedimentschichten, die abrutschen können.

"Man erkennt sichere Badegewässer daran, dass diese durch eine der Hilfsorganisationen wasserrettungsdienstlich abgesichert wird!

Alles andere ist nur bedingt sicher", rät Sebastian Knabe. So überwacht die DLRG in Sachsen 15 Freigewässer, darunter zum Beispiel den Markkleeberger und Cospudener See bei Leipzig.

Das solltet Ihr einpacken!

Sonnencreme, ein Erste-Hilfe-Set und ausreichend Wasser sind unverzichtbar für einen Badeausflug.
Sonnencreme, ein Erste-Hilfe-Set und ausreichend Wasser sind unverzichtbar für einen Badeausflug.  © 123RF / Labunskiy Konstantin

• In jede Badetasche gehört ausreichend Wasser, Wechselsachen, Sonnencreme und ein kleines Erste-Hilfe-Set, zum Beispiel für kleine Schnittwunden.

• Vor allem Kinder sollten nicht mit vollem Magen baden gehen. Schlucken sie Wasser, könnte es zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Mit leerem Magen droht hingegen eine Unterzuckerung. Deshalb vor dem Bad leichte Kost zu sich nehmen.

• Vor dem Baden, besonders an heißen Tagen, immer erst abkühlen! "Sofern keine Dusche in der Nähe ist, Rücken und Brust mit Wasser benetzen", rät Sebastian Knabe.

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Denn wer überhitzt, zum Beispiel nach Sport oder Sonnenbad, plötzlich ins Wasser geht, riskiert einen Kreislaufkollaps, im schlimmsten Fall Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch Kinder und Jugendliche, besonders in Kombination mit Alkohol, können bewusstlos werden.

Gefährlicher Sprung

Wer das Gewässer nicht kennt, sollte Sprünge ins kühle Nass lieber unterlassen. "Sprünge sind vor allem dann gefährlich, wenn man nicht über die Beschaffenheit des Gewässers, die Gewässertiefe und die Bodenbeschaffenheit Bescheid weiß", sagt Sebastian Knabe. "Je nach Sprung kann dies von leichten bis zu schweren Verletzungen führen. Schlimmer noch können Brüche der Wirbelsäule oder der Halswirbelsäule nicht ausgeschlossen werden."

Wer das Gewässer nicht kennt, sollte Sprünge ins kühle Nass lieber unterlassen.
Wer das Gewässer nicht kennt, sollte Sprünge ins kühle Nass lieber unterlassen.  © 123RF / Alexey Zabusik

Trügerische Sicherheit

Schwimmflügel, -reifen oder -nudel, Luftmatratze oder aufblasbares Krokodil: Schwimmhilfen vermitteln Sicherheit, die aber trügerisch ist. "Diese nehmen vom Füllvermögen mit zunehmenden Temperaturen ab. Gleichfalls gehen diese sehr leicht kaputt und lassen dadurch Luft", erklärt der DLRG-Chef. Außerdem könnten Kinder aus den Schwimmflügeln oder Schwimmreifen herausrutschen. Besser sei ein Schwimmgürtel mit Styroporteilen für die Kleinen. "Verlassen sich Eltern dann noch auf die aufblasbaren Auftriebskörper, handeln diese bei Nichtbeaufsichtigung unserer Meinung nach grob fahrlässig!", warnt der Experte. Generell sollten Kinder am und im Wasser nie aus den Augen gelassen werden.

Zudem rät die DLRG Nichtschwimmern, nur bis zum Bauch ins Wasser zu gehen, in Fluss und Meer sogar nur bis zu den Knien.

Schwimmflügel hindern Kleinkinder am Untergehen. Trotzdem sollten sie damit nie allein baden.
Schwimmflügel hindern Kleinkinder am Untergehen. Trotzdem sollten sie damit nie allein baden.  © DPA / Maja Hitij

Raus aus dem Wasser ...

... heißt es sofort bei Gewitter. Dann sollte auch das Ufer verlassen und am besten das Auto aufgesucht werden.

... sollte man, wenn man friert und sich die Lippen blau verfärben. Es droht eine Unterkühlung.

... muss man, wenn die Kräfte langsam nachlassen. Ist es zu spät, sollte man Ruhe bewahren, sich in Rückenlage bringen - das schont die Kräfte - und versuchen, auf sich aufmerksam zu machen.

Sorgen für Sicherheit beim Baden: die DLRG und Wasserwacht des DRK. Auch in Sachsen werden mehrere Badeseen überwacht.
Sorgen für Sicherheit beim Baden: die DLRG und Wasserwacht des DRK. Auch in Sachsen werden mehrere Badeseen überwacht.  © Bildmontage: 123RF / Pavlo Vakhrushev, DPA / Stefan Sauer

Hilfe im Notfall


1. Oberste Gebote: Ruhe bewahren und Eigenschutz geht vor Fremdschutz.

2. Unter 112 sofort den Rettungsdienst alarmieren!

3. Gefahren abschätzen und entsprechend helfen, Hinweise zurufen, Hilfsmittel zuwerfen (z.B. Rettungsring). Beim Anschwimmen unbedingt Abstand von 2-3 Metern halten und Rettungshilfen (z.B. Ast) reichen.

4. Die Unfallstelle und den Ertrinkenden im Auge behalten, bis Rettungskräfte eintreffen.

5. Die Rettungskräfte nicht behindern!

Titelfoto: Bildmontage: 123RF / Pavlo Vakhrushev, DPA / Stefan Sauer

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