Die dramatische Corona-Rede von Michael Kretschmer an alle Sachsen

Dresden – Mit einer dramatischen Rede hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) die Bürger auf den neuen Lockdown eingestimmt und zugleich um Verständnis für die Maßnahmen geworben. 

Ministerpräsident Michael Kretschmer (45,CDU) appelliert an die Sachsen.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (45,CDU) appelliert an die Sachsen.  © Steffen Füssel

Gehalten wurde die Ansprache am Freitagabend im Anschluss an die Corona-Krisensitzung des Kabinetts in der Kuppelhalle der Sächsischen Staatskanzlei. TAG24 war vor Ort und dokumentiert die Worte.

"Wir sehen heute, dass wir tausend Infektionen in 24 Stunden haben. Es steht zu erwarten, dass die Situation sich auch in den kommenden Tagen nicht ändern wird. Aus diesem Grund müssen wir handeln. Wir sind dafür gewählt, Schaden von diesem Land und den Menschen abzuwenden."

Der Befund sei ganz klar: Die kommunalen Gesundheitsämter kämen nicht mehr hinterher, trotz Hilfe durch Landesbedienstete und Bundeswehr. Täglich müssten 20 bis 30.000 Nachverfolgungen registriert werden. Es liege aber nicht an den Hygienekonzepten zum Beispiel in Sport oder Gastronomie. 

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"Sie haben Arbeit auf sich genommen, das wissen wir zu schätzen. Es ist einzig und allein die Erkenntnis, dass diese Maßnahmen nicht reichen werden, um das Infektionsgeschehen abzubremsen. Wir schaffen es nicht jeden Tag, 20 bis 30.000 Menschen zu kontaktieren. Und wir werden nicht ausreichend Coronatests haben, um diese Menschen zu testen und parallel noch in Krankenhäusern und Pflegeheimen zu testen."

Und weiter: "Wir wissen, dass es bei dieser hohen Zahl unausweichlich ist, dass diese Krankheit in Pflegeheimen, in Schulen, in der Realwirtschaft, in den Betrieben aufschlägt und damit einen großen Schaden verursachen wird. Wir sehen, dass in den Krankenhäusern die Zahl auf einem Niveau angekommen ist, was wir so noch nie kannten. Deswegen führt nichts daran vorbei, jetzt die Kontakte unter Menschen massiv zu reduzieren."

Sachsens Ministerpräsident: "Wir alle wissen, dass danach wieder ein Aufschwung kommen wird"

Kretschmer fordert, dass die Bürger ihre privaten Kontakte massiv reduzieren.
Kretschmer fordert, dass die Bürger ihre privaten Kontakte massiv reduzieren.  © Steffen Füssel

MP Kretschmer weiß: "Das ist eine schwierige Sache. Wir wollen uns treffen, uns austauschen. Aber es geht genau darum: Diese zwischenmenschlichen Kontakte für vier Wochen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Mindestmaß heißt, dass die Wirtschaft weiterarbeiten soll, dass produziert werden soll. Dass wir einkaufen gehen können, dass Schulen und Kindergärten geöffnet bleiben sollen. Und dass wir Ende November diese Welle, die sich auftürmt und die noch größer werden wird, brechen! Und dann werden wir in den letzten Tagen des November hier wieder miteinander besprechen, welche Erleichterungen es geben kann."

Er ergänzt: "Wir wünschen uns alle ein Weihnachtsfest, was wir mit der Familie verbringen können. Diese Zeit auch für uns zum Kraft tanken nutzen können. Weil: Danach werden weitere zwei schwierige Monate kommen. Es ist keine Frage, dass es eine ganz besondere Herausforderung ist hier für uns in Sachsen, für unsere Generation. Es ist aber nicht so, dass es in der Geschichte der Menschheit die erste solche Pandemie gewesen ist. Und der Blick zurück zeigt, wenn man konsequent und klug damit umgeht, kommt man durch diese Zeit. Und wir alle wissen, dass danach wieder ein Aufschwung kommen wird."

Weiter heißt es: "Deutschland ist ein Land, was über eine große Stärke wirtschaftlich und finanziell verfügt. Deswegen war es für uns wichtig, dass diejenigen, die jetzt betroffen sind – anders als im Frühjahr – staatlich begleitet werden. Mit '75 Prozent für die Unternehmen bis 50 Beschäftigten' ist ein Angebot, was wirklich geeignet ist. Nochmals: Keine der Maßnahmen ist ein Vorwurf an irgendeine Branche. Es ist eine Notwendigkeit jetzt so zu handeln, weil das Infektionsgeschehen jetzt zunehmend diffus wird, die Größenordnungen ein Niveau erreicht haben, was nicht mehr auf dem normalen Weg zu handhaben ist."

Titelfoto: Steffen Füssel

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