Ein Dorf wehrt sich gegen den A4-Irrsinn: Der stumme Spielzeug-Protest gegen die Lärm-Laster

Nossen - Der Ausweichverkehr vom Dreieck Nossen und der A4 wird in den Ortschaften entlang der Staatsstraße 36 immer unerträglicher. Eine Initiative aus Tanneberg (250 Einwohner) hat sich jetzt eine besonders außergewöhnliche Form des Protests ausgedacht.

In Tanneberg ist es mancherorts kreuzgefährlich.
In Tanneberg ist es mancherorts kreuzgefährlich.  © Steffen Füssel

Eine rote Plasteschubkarre, ein blaues Bobby Car - ein paar Häuser weiter ist es eine selbstgebastelte Nobel-Seifenkiste mit Mercedes-Stern. Vor nahezu jedem Grundstück in Tanneberg (zwischen Nossen und Wilsdruff) stehen Kinderspielzeuge.

"Das ist unser Protest gegen die unerträgliche Lärmbelastung und die drohende Gefahr für unsere Kinder", sagt Christoph Kürbis (33).

Der Servicetechniker wohnt direkt an der Staatsstraße 36. Mehrmals die Woche schlängelt sich der Ausweichverkehr vom nahen Nossener Dreieck und der A4-Baustelle vor Wilsdruff durchs Dorf, in dem es nur ein etwa hundert Meter langes Stück Bürgersteig gibt.

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Und sehr schmale Bankette. Kürbis malte mit Gleichgesinnten zuerst Tempo-30-Schilder. Beim Aufstellen tippten sich vorbeifahrende Autofahrer an die Stirn...

An schlechten Tagen stauen sich schätzungsweise bis zu 7000 Fahrzeuge durchs Dorf. Wenn der Schulbus hält, kommen die Kinder nicht über die Straße.

Zwischen Grundstück und Straße drohen Kinder, in Tanneberg unter die Räder zu kommen.
Zwischen Grundstück und Straße drohen Kinder, in Tanneberg unter die Räder zu kommen.  © Steffen Füssel
Entlastung für Tanneberg: Metallbauer Uwe Krause (54) mit seinem selbst gebastelten Protestplakat.
Entlastung für Tanneberg: Metallbauer Uwe Krause (54) mit seinem selbst gebastelten Protestplakat.  © Steffen Füssel
Weil Schilder allein nicht helfen: Jetzt protestiert Tanneberg mit Spielzeug und Kinderwagen am Straßenrand.
Weil Schilder allein nicht helfen: Jetzt protestiert Tanneberg mit Spielzeug und Kinderwagen am Straßenrand.  © Steffen Füssel
Enge Dorfstraßen, dicke Laster: Christoph Kürbis (33) fordert Tempo 30 fürs ganze Dorf.
Enge Dorfstraßen, dicke Laster: Christoph Kürbis (33) fordert Tempo 30 fürs ganze Dorf.  © Steffen Füssel
Ein fast tägliches Bild: Stau am Dreieck Nossen. Der Ausweichverkehr fließt über die Dörfer an der S36.
Ein fast tägliches Bild: Stau am Dreieck Nossen. Der Ausweichverkehr fließt über die Dörfer an der S36.  © Robert Michael

Verkehrsminister Dulig wendet sich direkt an Bundesverkehrsminister Scheuer

Fahrer eingeklemmt: Erst am Dienstag legte wieder ein schwerer Unfall die A4 - und in der Folge die Ausweichstrecken - lahm.
Fahrer eingeklemmt: Erst am Dienstag legte wieder ein schwerer Unfall die A4 - und in der Folge die Ausweichstrecken - lahm.  © Roland Halkasch

"So dicht ist der Verkehr", sagt Stefan Halbfass (47). Tags torpediere der Lärm das Home-Office, nachts den Schlaf. Er hatte sich deshalb schon im vergangenen Jahr an die Behörden gewandt, als die Baustelle auf der Gegenfahrbahn der A4 lag.

Er schrieb an Polizei, Landratsamt, Wirtschaftsministerium. Überall ausführliche Erklärungen und kollektives Schulterheben. Passiert ist nichts.

"Doch wir fordern jetzt mobile Ampelanlagen an den Bushaltestellen und die Ausweitung der Tempo-30-Zone aufs ganze Dorf", fordert Christoph Kürbis.

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Vielleicht kommt nun tatsächlich Bewegung in die "verfahrene" Situation: Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (47, SPD) hat sich wegen der A4-Baustelle direkt an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (46, CSU) gewandt und eine Entschärfung der Situation auf der Autobahn gefordert - und im umliegenden Straßennetz.

Ergebnis: offen...

Titelfoto: Steffen Füssel

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