Eingemauerte Frau von Riesa gibt weiterhin Rätsel auf

Riesa - Irgendwann wurde es den Weidaern doch zu unheimlich, aber an eine solche Horror-Geschichte hatte keiner gedacht: Nachdem in dem Haus in einer ruhigen Sackgasse tagelang keine Regung mehr zu bemerken war, alarmierte ein Nachbar den Notruf. Die Retter fanden dort den schwer verletzten Ulrich R. (62) und später seine tote Mutter Elvira (†88). Diese soll der Sohn im Keller eingemauert haben.

Bevor die Rentnerin gefunden wurde, klapperte die Polizei die gesamte Nachbarschaft ab.
Bevor die Rentnerin gefunden wurde, klapperte die Polizei die gesamte Nachbarschaft ab.  © Sebastian Schulz

Nachdem drei Tage lang nichts mehr zu sehen gewesen war, rief ein Nachbar den Rettungsdienst. Dieser eilte sofort zum Haus, in dem Ulrich R. mit seiner Mutter lebte. Tatsächlich im letzten Moment: Nach einem Sturz hatte sich der Mann ein Bein gebrochen, er war nach Tagen ohne Hilfe stark dehydriert und kam auf die Intensivstation.

Doch bei dem Rettungseinsatz fiel auf, dass Elvira R. fehlte. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf, klapperte alle Nachbarn mit einem Bild der Vermissten ab. Dabei fiel auf, dass diese schon monatelang nicht mehr gesehen wurde.

"Ich habe sie das letzte Mal Mitte vergangenen Jahres gesehen", so ein Anwohner gegenüber TAG24.

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Beim Friseur, den sie einmal im Jahr aufsuchte, war sie zuletzt vor Beginn der Corona-Pandemie gewesen.

Laut Nachbarn waren die Rollläden in dem Haus schon immer herabgelassen.
Laut Nachbarn waren die Rollläden in dem Haus schon immer herabgelassen.  © Ove Landgraf
Das Gartentor der Familie R. ist nun versiegelt.
Das Gartentor der Familie R. ist nun versiegelt.  © Ove Landgraf
Der Zugang zum Keller, in dem Elvira R. (†88) eingemauert wurde, war verbarrikadiert.
Der Zugang zum Keller, in dem Elvira R. (†88) eingemauert wurde, war verbarrikadiert.  © Ove Landgraf

Zuletzt lebten Mutter und Sohn sehr zurückgezogen

Tagelang suchten Spezialisten auch in dem Haus selbst nach der Frau.
Tagelang suchten Spezialisten auch in dem Haus selbst nach der Frau.  © Sebastian Schulz

Am Pfingstwochenende schließlich fanden die Ermittler die Rentnerin eingemauert im Keller.

Die Kripo nahm Ermittlungen wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt gegen Ulrich R. auf. Doch die Obduktion ergab, dass es keine Hinweise auf einen unnatürlichen Tod der Rentnerin gab, also kein dringender Tatverdacht bestand: "Ein Haftbefehl gegen den Beschuldigten wurde daher nicht beantragt, da die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür nicht vorliegen", so Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt (46). "Die Ermittlungen dauern an."

Bislang gehen die Ermittler davon aus, dass Elvira R. bereits vor sechs Monaten bis zu vor einem Jahr ums Leben kam, die Rente jedoch weitergezahlt wurde. Nun wird geprüft, ob hier ein Motiv liegen könnte.

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Mutter und Sohn lebten seit dem Tod des Vaters Hans R. vor über 20 Jahren sehr zurückgezogen und pflegten kaum Kontakt zu den Nachbarn.

"Ich habe die beiden immer nur zusammen gesehen", so eine Nachbarin. "Keinen von beiden mal mit jemand anderem. In letzter Zeit hing auch keine Wäsche mehr im Garten. Ihn hat meine Tochter zuletzt vor drei Wochen gesehen. Im Baumarkt."

Titelfoto: Montage: Ove Landgraf, Sebastian Schulz

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