Erst 30 und schon in der Midlife-Crisis: Sächsische Schweiz wird vom eigenen Erfolg überrollt

Bad Schandau/Dresden - Der Nationalpark Sächsische Schweiz wird 30 und kämpft mit so etwas wie einer verfrühten Midlife-Crisis. 
Wildcamper: Übernachten ist im Nationalpark streng limitiert. Die Camper gefährden geschützte Arten und hinterlassen nicht selten Müll.
Wildcamper: Übernachten ist im Nationalpark streng limitiert. Die Camper gefährden geschützte Arten und hinterlassen nicht selten Müll.  © Daniel Förster

Der Trubel, der mit Kletterern und Gästen aus dem In- und Ausland einhergeht, bekommt ihm nicht. Wildcamper sind dabei nur ein Problem von vielen.

Bastei, Schrammsteine, Pfaffenstein: Die bizarren Felswelten sind bei Besuchern so beliebt, dass sie den Nationalpark förmlich überrennen. 

Kamen Ende der 1990er noch rund zwei Millionen Gäste, waren es im vergangenen Jahr schätzungsweise 3,5 Millionen. 

Selbst die Auswirkungen des Klimawandels - im Park durch eine Unzahl abgestorbener Fichten deutlich sichtbar - können den Zuspruch nicht bremsen.

Problematisch ist insbesondere das Übernachten im Park, so Sprecher Hanspeter Mayr. Die 21 000 Übernachtungen in der Natur, die 2017 gezählt wurden, hält er für viel zu viel. Das störe nicht nur geschützte Arten bei der Brut und Aufzucht der Jungen von März bis Juni. 

Corona-Pandemie verstärkt den Besucherstrom zusätzlich

Massentourismus: Das Besucheraufkommen in der Sächsischen Schweiz wird zunehmend zum Problem - nicht nur auf der Bastei.
Massentourismus: Das Besucheraufkommen in der Sächsischen Schweiz wird zunehmend zum Problem - nicht nur auf der Bastei.  © Marko Förster
Ranger und Polizeibeamte scannen den Nationalpark regelmäßig auf unerlaubte Übernachtungsgäste. Mehr als Stichproben sind aber nicht drin.
Ranger und Polizeibeamte scannen den Nationalpark regelmäßig auf unerlaubte Übernachtungsgäste. Mehr als Stichproben sind aber nicht drin.  © Tino Plunert
Nationalpark-Sprecher Hanspeter Mayr.
Nationalpark-Sprecher Hanspeter Mayr.  © dpa/Michael Juhran

Eine Lösung für die Besuchermassen sieht er in einer besseren Steuerung des Individualverkehrs, mit Auffangparkplätzen und Busshuttles.

"Sollten die Besucherströme so anhalten wie unter den aktuellen Verhältnissen der Corona-‎Pandemie, müssen großräumige Verkehrslösungen mit Park-and-Ride-Angeboten geschaffen werden", heißt es aus dem Umweltministerium. 

Umweltminister Wolfram Günther (47, Grüne) wird am heutigen Sonnabend anlässlich des 30. Jahrestages der Nationalparkgründung statt großer Feierlichkeiten zu einer Wanderung am Lilienstein aufbrechen und sich selbst ein Bild vor Ort machen.

Der Nationalpark Sächsische Schweiz wurde am 12. September 1990 von der letzten DDR-Regierung unter Schutz gestellt. Er ist mehr als 90 Quadratkilometer groß. 

Etwas kleiner ist der Nationalpark Böhmische Schweiz ‎auf tschechischer Seite.

Titelfoto: Marko Förster

Mehr zum Thema Sachsen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0