Erste Teiche "künstlich beatmet": Sachsens Fischern macht die Dürre zu schaffen

Bautzen - In Sachsens Zuchtteichen wird das Wasser knapp. Die Fische leiden unter der seit Jahren anhaltenden Dürre und mit ihnen die Fischereibetriebe. 

Tobias Kiffner (32) leitet die Satzfischanlage in Sproitz. Er setzt Oberflächenbelüfter ein, die das Wasser aufwirbeln, um den Sauerstoffgehalt des Wassers anzuheben.
Tobias Kiffner (32) leitet die Satzfischanlage in Sproitz. Er setzt Oberflächenbelüfter ein, die das Wasser aufwirbeln, um den Sauerstoffgehalt des Wassers anzuheben.  © Andre Schulze

"In ganz Sachsen ist die Situation angespannt", sagt Georg Stähler (66), Vizepräsident des Landesfischereiverbandes.

Am dramatischsten stellt sich die Lage wohl in Nordsachsen dar. Die Bennewitzer Teiche sind dort schon komplett ausgetrocknet. Aber auch in der Oberlausitz beklagt man Wasserknappheit.

Besonders betroffen sind davon die sogenannten Himmelsteiche. Diese speisen sich überwiegend aus Schnee und Regen. 

Teichwirt Armin Kittner (58) aus Petershain berichtet: "Die Teiche waren zu Jahresbeginn schon nicht voll mit Wasser. Im August mussten wir nun bereits über 15 Teiche notgedrungen abfischen."

Die sächsischen Fischereibetriebe rechnen für 2020 mit empfindlichen Einbußen und sorgen sich um ihre Zuchtbestände, denn die Dürre stresst Karpfen & Co. tierisch. 

Das Wasser in den Teichen hat sich stark erwärmt. 

Das bringt den Kreislauf der Fische in Wallung, macht sie anfällig. "Sie fressen weniger. Das wirkt sich auf ihre Größe und Qualität aus", sagt Rüdiger Richter (66) von der Teichwirtschaft Kreba.

Jährlich werden hierzulande zwischen 3 000 und 3 500 Tonnen Fisch produziert. Nach Bayern ist Sachsen bundesweit der zweitgrößte Karpfen-Produzent.
Jährlich werden hierzulande zwischen 3 000 und 3 500 Tonnen Fisch produziert. Nach Bayern ist Sachsen bundesweit der zweitgrößte Karpfen-Produzent.  © dpa/Sebastian Kahnert
Armin Kittner (58) bewirtschaftet 46 Teiche in der Oberlausitz. Der Wassermangel ist nicht seine einzige Sorge. Bei Niedrigwasser können Fressfeinde wie Kormorane und Reiher auch leichter Beute machen in den Zuchtgewässern.
Armin Kittner (58) bewirtschaftet 46 Teiche in der Oberlausitz. Der Wassermangel ist nicht seine einzige Sorge. Bei Niedrigwasser können Fressfeinde wie Kormorane und Reiher auch leichter Beute machen in den Zuchtgewässern.  © Steffen Füssel

Fischwirte fühlen sich von Politik im Stich gelassen und wünschen sich Dürrehilfen

In der Satzfischanlage, die Kiffner "belüftet", werden Störe, Welse, Schleie und Karpfen aufgezogen.
In der Satzfischanlage, die Kiffner "belüftet", werden Störe, Welse, Schleie und Karpfen aufgezogen.  © Andre Schulze

Hinzu kommt, dass der Sauerstoffgehalt des Wassers in den Teichen stark schwankt - je nach Algenbewuchs. 

Wo es technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist, setzen die Fischer darum Oberflächenbelüfter ein, die das Wasser mithilfe von Walzen und Kreiseln aufwirbeln und damit quasi die Fische "künstlich beatmen".

Die Fischwirte wünschen sich Dürrehilfen - so wie sie die Landwirte schon bekommen. Armin Kittner: "Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen." 

Titelfoto: Andre Schulze

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