Es kann nur besser werden! Was uns 2021 - hoffentlich - erwartet

Sachsen - Corona hat das Jahr 2020 auf den Kopf gestellt. Nichts war mehr wie immer. Geschäfte mussten schließen, die Wirtschaft brach ein, das Reisen wurde nahezu unmöglich und Familien wie auch Freunde mussten auf Abstand gehen.

Bis jetzt erkrankten über 130.000 Sachsen (weltweit: über 80 Mio.), etwa 3000 Menschen im Freistaat (weltweit: über 1,7 Mio.) starben. Wohl kaum ein Jahreswechsel wurde deshalb so sehr herbeigesehnt. Denn 2021 soll alles besser werden.

Ein Impfstoff als Lichtblick

Ministerpräsident Michael Kretschmer rechnet erst im Sommer mit einer Rückkehr zur Normalität.
Ministerpräsident Michael Kretschmer rechnet erst im Sommer mit einer Rückkehr zur Normalität.  © ronaldbonss.com /Ronald Bonss

"Vor uns liegen (...) die zehn härtesten Wochen dieser Pandemie", machte Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) auf der Kabinettspressekonferenz Ende Dezember vorerst wenig Hoffnung auf eine Entspannung der Lage.

"Es wird eine dritte Welle geben. Die Frage ist, wie hoch sie ist. Die Sorge ist, dass sie sich auftürmt auf dem jetzt schon sehr hohen Niveau." Ersichtlich werde sie vermutlich zwischen dem 10. und 15. Januar.

Ein Lichtblick: am 27. Dezember begannen die Impfungen gegen das SARS-CoV-2-Virus. Bisher haben den Freistaat etwa 68.250 Impfdosen erreicht, die zunächst an Pflege- und Altenheime sowie an Krankenhäuser verteilt wurden.

Wöchentlich werden nun rund 34.000 weitere Dosen geliefert. Bis 12. Januar sollen mobile Teams rund 14.000 Impfungen durchführen. Danach sollen auch die in den Landkreisen eingerichteten Impfzentren zum Einsatz kommen und die ersten Sachsen eingeladen werden.

Lockerungen könnten kommen, aber zuerst muss der Inzidenzwert sinken

Der Biontech/Pfizer-Impfstoff muss zweimal innerhalb von drei Wochen verimpft werden.
Der Biontech/Pfizer-Impfstoff muss zweimal innerhalb von drei Wochen verimpft werden.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild Pool/dpa

"Unser Ziel ist natürlich, dass alle Menschen, die sich impfen lassen möchten, dies auch tun können", heißt es aus dem Sächsischen Sozialministerium. Denn für eine Herdenimmunität müssen zwischen 60 und 90 Prozent - hier gehen die Expertenmeinungen auseinander - der Bevölkerung geimpft werden.

Das Sozialministerium äußert sich deshalb vorsichtig: "Wann die Zahl der Impfungen eine Lockerung der Beschränkungen und Hygieneregeln erlaubt, ist nicht vorhersehbar". Das hänge von der Impfbereitschaft und Verfügbarkeit des Impfstoffes ab.

Für Michael Kretschmer kommen Lockerungen infrage, "wenn die Inzidenz so niedrig ist, dass eine Kontaktnachverfolgung möglich ist", sagte er und verwies darauf, dass das aufgrund verbesserter Strukturen und Abläufe auch schon über einem Inzidenzwert von 50 der Fall sein könnte.

"Aber auf dem jetzigen Niveau braucht man darüber nicht zu sprechen", macht Sachsens Oberhaupt klar, der am Dienstag mit den anderen Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin über das weitere Vorgehen berät.

Eine Verlängerung des Lockdowns ist dabei sehr wahrscheinlich. So sprach Kretschmer in einem MDR-Interview davon, dass wahrscheinlich erst ab Mai bzw. Juni wieder ein normales Leben möglich sein wird.

Die Wirtschaft dürfte sich erholen, der Arbeitsmarkt dagegen kaum

Dr. Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden.
Dr. Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden.  © Thomas Türpe

Sachsens Wirtschaft war im Corona-Jahr um fünf Prozent geschrumpft. Die Zahl der Erwerbstätigen ging um etwa ein Prozent zurück. Da kann 2021 doch nur besser werden, oder?

"Es kann auch schlechter werden. Die Risiken sind groß. Wir wissen nicht genau, wie das mit dem Impfstoff funktioniert. Wir wissen nicht, wie sich die Infektionszahlen weiter entwickeln", dämpft Prof. Dr. Joachim Ragnitz (60), stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden, allzu große Erwartungen.

"Noch rechnen wir aber damit, dass es besser wird - mit 4,1 Prozent Plus in Sachsen", sagt der Wirtschaftsexperte. Dabei werde das Wachstum im ersten Quartal vorerst stagnieren. "Im zweiten, wenn der Lockdown hoffentlich aufgehoben wird, wieder wachsen", erklärt er. Das Vorkrisenniveau werde frühestens Ende des Jahres erreicht.

Für etliche Unternehmen sei das aber kaum Grund zur Freude. So würden 20 Prozent der Firmen in Ostdeutschland angeben, dass sie die Beeinträchtigungen als existenzbedrohend ansehen. "Im Extremfall könnte es zu diesen 20 Prozent Unternehmensschließungen kommen", sagt Joachim Ragnitz, der aber von niedrigeren Zahlen ausgeht. "Und auch wenn Unternehmen geschlossen werden, werden andere wieder neu gegründet."

Corona-Krise wirkt sich auf die Konsumfreudigkeit der Menschen aus

Ein Passant geht mit einer Papiertüte auf der Einkaufsstraße Prager Straße entlang.
Ein Passant geht mit einer Papiertüte auf der Einkaufsstraße Prager Straße entlang.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Um Unternehmen und Selbstständige vor der Insolvenz zu schützen, flossen im ersten Lockdown rund 1,4 Milliarden Euro an Soforthilfen von Bund und Land nach Sachsen. Außerdem wurden laut Sächsischem Wirtschaftsministerium mehr als 44 Millionen Euro an Novemberhilfen gezahlt.

Dezemberhilfen können seit dem 23. Dezember beantragt werden. "Es war schon sinnvoll, dass man all diese Liquiditätshilfen gemacht hat. Man muss aber sagen, sowas kann man nicht auf Dauer durchführen. Wir haben keine Vollkaskoversicherung durch den Staat", warnt der ifo-Wirtschaftsexperte.

So rechnet er auch damit, dass sich der Arbeitsmarkt mit nur 0,1 Prozent Wachstum in diesem Jahr kaum erholen dürfte. "Wir erwarten, dass die Arbeitslosenquote das ganze Jahr und auch 2022 höher bleibt als 2019, einfach weil Unternehmen pleite und damit Arbeitsplätze verloren gehen."

Das wirke sich auch auf die Konsumfreudigkeit aus. Ragnitz: "Wir haben in Deutschland 2020 einen Zuwachs an Ersparnissen von 100 Milliarden Euro gehabt. Ob das Geld alles jetzt ausgegeben wird, ist fraglich. Die Unsicherheit, auch bezogen auf Arbeitsplätze, bleibt weiter hoch."

Nicht nur weil die Läden zu sind, sitzt das Geld bei den Sachsen derzeit nicht locker.
Nicht nur weil die Läden zu sind, sitzt das Geld bei den Sachsen derzeit nicht locker.  © Yulia Grigoryeva/123RF

Die große Sehnsucht nach der Normalität ...

Das vergangene Jahr war für die Gastronomie, den Tourismus und Kulturbereich fast ein Totalausfall. Doch können wir bald wieder uneingeschränkt reisen, Konzerte besuchen oder ins Kino gehen? Was erwartet uns da? Und was hält 2021 außerdem für uns bereit?

Das Elbtal in der Sächsischen Schweiz gehörte 2020 zu den Tourismuslieblingen bei deutschen Urlaubern.
Das Elbtal in der Sächsischen Schweiz gehörte 2020 zu den Tourismuslieblingen bei deutschen Urlaubern.  © Marko Förster

"Zu Beginn des Jahres konnten wir noch nicht erahnen, was uns für eine flächendeckende Krise bevorsteht", resümiert Staatsministerin Barbara Klepsch (55, CDU), verantwortlich für die Bereiche Kultur und Tourismus.

So geht allein die sächsische Tourismusbranche von einem Umsatzverlust von 3,5 Milliarden Euro aus - ein Minus von 40 Prozent zum Vorjahr. "Ich hoffe sehr, dass wir durch die Impfung gegen das Coronavirus Stück für Stück zur Normalität zurückkehren können. Ich weiß, dass viele Menschen – wie ich auch - das Reisen sehr vermissen", sagt Klepsch.

Laut Prognosen wird sich der Inlandstourismus dabei schneller erholen als der Auslandstourismus. Denn Reisende würden inzwischen lieber mit dem eigenen Auto anreisen, als öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Auch Deutschland und Sachsen waren zuletzt sehr beliebte Reiseziele. "So konnten die starken Rückgänge im Frühjahr teilweise durch eine gute Nachfrage im Sommer kompensiert werden. An diesem Ergebnis haben vor allem die Regionen Sächsische Schweiz, die Oberlausitz und das Erzgebirge einen hohen Anteil", erklärt die Ministerin.

Dort gab es im August und September ein Plus von bis zu 20 Prozent bei den Übernachtungen. Die Großstädte hingegen konnten wegen des fehlenden Veranstaltungs- und Kongressgeschäfts kaum punkten und verzeichneten im gleichen Zeitraum zum Teil ein Minus von bis zu 32 Prozent.

Wie geht es im Kulturbereich weiter?

Die Ausstellung zum holländischen Barockmaler Johannes Vermeer ist ab 4. Juni in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister zu sehen.
Die Ausstellung zum holländischen Barockmaler Johannes Vermeer ist ab 4. Juni in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister zu sehen.  © dpa/Matthias Rietschel

Auch in diesem und den nächsten Jahren, so hofft die Ministerin, werde Sachsen vom veränderten Reiseverhalten (siehe auch S. 44/45) profitieren. Um den Restart anzukurbeln, sind im Entwurf zum Doppelhaushalt 2021/2022 rund 27,4 Millionen Euro für den Tourismus eingeplant.

Für die sächsischen Kultureinrichtungen hingegen sei vor allem die Planungsunsicherheit das größte Problem, meint Barbara Klepsch. "Deshalb haben wir [...] uns für die staatlichen Kulturbetriebe auf eine Schließzeit bis Ende Februar verständigt.

Viele private Kultureinrichtungen und Kommunen sind der Empfehlung ebenfalls gefolgt", erklärt sie. Mitte Januar soll auf Grundlage der Pandemie-Entwicklung entschieden werden, ob der Zeitplan angepasst werden müsse.

Doch trotz aller Unsicherheiten müssen die Kulturbetriebe das Jahr irgendwie planen. "Wir sind bestrebt, keine Projekte abzusagen, sondern prüfen mit den Leihgebern, ob eine Verschiebung denkbar wäre", sagt Dr. Marion Ackermann (55), Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Das 50. Dixieland Festival steigt im Mai in Dresden.
Das 50. Dixieland Festival steigt im Mai in Dresden.  © Holm Helis

So soll beispielsweise die größte deutsche Ausstellung zum holländischen Barockmaler Johannes Vermeer nun, statt ab März, vom 4. Juni bis 12. September in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister zu sehen sein.

Und auch auf diese kulturellen Highlights (siehe auch S. 6/7) können sich die Sachsen hoffentlich freuen: die 50. Ausgabe des Internationalen Dixieland Festival im Mai in Dresden, das Mahler-Festival im Mai in Leipzig und die 42. Dresdner Musikfestspiele im Mai/Juni.

Titelfoto: Marko Förster, Holm Helis

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