Fernfahrer sauer: Mitten in Corona-Krise schließen Rasthöfe, Klos sind verdreckt

Dresden/Görlitz - Sie sorgen dafür, dass die Regale in den Supermärkten noch immer halbwegs voll sind: Fernfahrer haben gerade jede Menge zu tun. Zwar sind die Straßen aktuell dank Ausgangsbeschränkungen frei, aber dennoch gibt's Probleme: Wegen der Corona-Krise haben auch einige Rasthöfe geschlossen.

Bernd Treffkorn (67) engagiert sich für die Fernfahrer-Nothilfe in Sachsen. Er selbst war 25 Jahre LKW-Fahrer. 
Bernd Treffkorn (67) engagiert sich für die Fernfahrer-Nothilfe in Sachsen. Er selbst war 25 Jahre LKW-Fahrer.  © Pawel Sosnowski

"Und die, die offen haben, sind so stark frequentiert, dass die Betreiber mit der Reinigung der Sanitäranlagen nicht mehr nachkommen", sagt Bernd Treffkorn (67). 

Er und sieben Mitglieder haben im Herbst 2019 den Verein "Fernfahrer-Nothilfe" gegründet. "Ich selbst war 25 Jahre Fernfahrer und kenne die Sorgen und Probleme. Aktuell ist es natürlich schlimmer, als sonst."

Unzählige Nachrichten via Whatsapp und Facebook erreichen ihn täglich. "Die Kollegen können oft nicht auf die Toilette, weil alle Rastanlagen zu sind. Sie können sich nicht duschen oder überhaupt einmal die Hände waschen."

Und weiter: "Erst gestern bekam ich einen Hilferuf eines Kraftfahrers, der Richtung Chemnitz unterwegs war und nirgends einen Rastplatz fand." 

Einige Betreiber seien aber dreist, würden trotz Corona noch immer Parkgebühren für eine Übernachtung verlangen. "Wir müssen da dringend etwas ändern." 

Treffkorn spricht auf dem Rastplatz in Kodersdorf mit einem Fernfahrer und hört sich dessen Sorgen an. 
Treffkorn spricht auf dem Rastplatz in Kodersdorf mit einem Fernfahrer und hört sich dessen Sorgen an.  © Pawel Sosnowski

Treffkorn und seine Mitstreiter fahren in ihrer Freizeit Rastplätze ab, versuchen selbst den Betreibern ins Gewissen zu reden.

Auch bei Daniel Knobloch (47), Chef des Aral-Autohofs in Kodersdorf bei Görlitz, waren die Fernfahrer-Engel. "Bei uns ist geöffnet", sagt er. 

"Wir können aber natürlich nur noch Essen außer Haus anbieten. Die Sanitäranlagen sind aber immerhin für die Fernfahrer zugänglich." Das wird auch so bleiben, sagt er.

Bernd Treffkorn hofft, das jetzt auch das Land Sachsen reagiert. "Wir wenden uns auch an das Verkehrsministerium, hier muss ganz schnell etwas passieren."

Fernfahrerkollegen melden sich bei ihm und seinen Mitstreitern, beschweren sich darüber, dass sie unterwegs nicht auf die Toilette können oder Anlagen komplett verdreckt sind. 

"Da geht es auch ein Stück weit um die Wertschätzung dem Beruf gegenüber. Wenn wir alle ausfallen, dann ist nirgends mehr ein Regal gefüllt."

Oft sind Toilettenanlagen gesperrt oder verdreckt. Manche Rastanlagen sind komplett geschlossen.
Oft sind Toilettenanlagen gesperrt oder verdreckt. Manche Rastanlagen sind komplett geschlossen.  © privat
Bernd Treffkorn von der Fernfahrer Nothilfe Sachsen, spricht mit Daniel Knobloch, dem Betreiber der Aral Tankstelle in Kodersdorf.
Bernd Treffkorn von der Fernfahrer Nothilfe Sachsen, spricht mit Daniel Knobloch, dem Betreiber der Aral Tankstelle in Kodersdorf.  © Pawel Sosnowski
In Kodersdorf können die Fernfahrer noch parken, essen und duschen. Andere Rasthöfe haben komplett dicht gemacht. 
In Kodersdorf können die Fernfahrer noch parken, essen und duschen. Andere Rasthöfe haben komplett dicht gemacht.  © Pawel Sosnowski

Mehrere Rasthofbeispiele aus Sachsen oder Thüringen hat Treffkorn schon parat, wo es aktuell hakt. "Uns meldete jetzt ein Betroffener, dass am Rasthof Teufelstal Richtung Chemnitz alle Toiletten verschlossen sind. Am Rasthof Eichelborn Nord ist nur eine von drei Duschen offen." Diese Raststätten müssen auch sächsische Fernfahrer häufig anfahren.

Titelfoto: Pawel Sosnowski, privat

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