Forderungen nach Lockdown: Kretschmer bereitet Sachsen auf harten Advent vor

Dresden - Nun also doch: Der Freistaat steuert auf den nächsten Lockdown zu. Gemeinsam mit seinen medizinischen Beratern schwor Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) die Sachsen am Mittwochabend auf eine harte Adventszeit ein.

In den Covid-Stationen des Landes ist das Personal ob der vielen Arbeit ausgebrannt.
In den Covid-Stationen des Landes ist das Personal ob der vielen Arbeit ausgebrannt.  © Jan Woitas/dpa

Mehr als drei Stunden dauerte die im Netz live gestreamte Videokonferenz, in der Kretschmer im Chor mit Medizinern, Epidemiologen, Instituts- und Klinikchefs ein tiefschwarzes Prognose-Bild der Corona-Entwicklung im Freistaat malte.

Es war dann an Sachsens Krankenhauskoordinator Michael Albrecht (71), als Erster das auszusprechen, wovor sich die Politik bisher scheute. "Meine persönliche Empfehlung wäre: Machen Sie jetzt einen totalen Lockdown für 14 Tage. Lassen Sie uns Luft holen, lassen Sie uns sehen, wie sich die Entwicklung der Fallzahlen dann abschwächen wird", sagte der medizinische Vorstand des Uniklinikums Dresden.

Derzeit sei die Dynamik beim Corona-Infektionsgeschehen ungebremst und es brauche lange, bis die Zahlen der Infizierten zurückgingen.

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Die bisherigen Maßnahmen hätten nichts gebracht, das zeigten die Zahlen der Patienten in den Krankenhäusern, so Albrecht.

Die Prognosen gingen davon aus, dass die Zahlen der Corona-Erkrankten in den Kliniken und Intensivstationen immer weiter steigen würden.

Krankenhaus-Koordinator Prof. Michael Albrecht (71) fordert deshalb einen schnellen Lockdown.
Krankenhaus-Koordinator Prof. Michael Albrecht (71) fordert deshalb einen schnellen Lockdown.  © Holm Helis
Leere Stühle im Frühjahr vor einem Restaurant auf dem Dresdner Neumarkt. Aktuell ist erneut in der Diskussion, die Gastronomie zu schließen.
Leere Stühle im Frühjahr vor einem Restaurant auf dem Dresdner Neumarkt. Aktuell ist erneut in der Diskussion, die Gastronomie zu schließen.  © Sebastian Kahnert/dpa

Meyer-Hermann: "Akute Welle wird durch Impfung nicht aufzuhalten sein"

Home-Schooling im letzten Lockdown. Ob der Freistaat sein Versprechen hält, diesmal die Schulen offen zu lassen, ist unklar.
Home-Schooling im letzten Lockdown. Ob der Freistaat sein Versprechen hält, diesmal die Schulen offen zu lassen, ist unklar.  © Guido Kirchner/dpa

"Die akute Welle, wie sie jetzt da ist, wird durch die Impfung nicht mehr aufzuhalten sein", erklärte der Helmholtz-Epidemiologe Michael Meyer-Hermann (53). Die jetzige Impfkampagne werde sich frühestens im Januar auswirken, prognostizierte der Berater der Bundesregierung.

Auch vom Leipziger Infektiologen Christoph Lübbert (50) ließ sich Kretschmer einen "schnellen, harten Lockdown" empfehlen.

Die verbal heftigste Steigerung hatte der Präsident der Landesärztekammer, Erik Bodendieck (54), zu bieten, der den um sein Weihnachtsgeschäft kämpfenden Handelsverband mit den Worten maßregelte: "3G heißt geimpft, genesen, gestorben."

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Das Wort Lockdown wollte Sachsens Regierungs-Chef zwar auch nach dreistündiger Apokalypse-Beschreibung nicht in den Mund nehmen, doch kündigte er "einen größeren Wurf" an, den man nun machen müsse.

Ziel sei es, die Kontakte um mindestens 60 Prozent zu reduzieren.

Titelfoto: Bildmontage: Jan Woitas/dpa/Holm Helis/Robert Michael/dpa

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