Forscher appellieren an Politik: Sachsen braucht jetzt ein Psycho-Krisenmanagement

Leipzig - Quarantäne und Isolation während der Corona-Pandemie haben gravierende psychosoziale Auswirkungen. 

Die Corona-Krise könnte noch viel später Folgen zeigen - vor allem psychisch. (Symbolbild)
Die Corona-Krise könnte noch viel später Folgen zeigen - vor allem psychisch. (Symbolbild)  © belchonock /123 RF

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Leipzig. Die Forscher appellieren an die Politik, ihr Krisenmanagement neu auszurichten - und haben drei Forderungen.

Kontaktverbote, Ausgangssperren, Abstand - welche Spuren wochenlange Isolation bei den Betroffenen hinterlässt, haben Leipziger Wissenschaftler federführend mit Kollegen aus 25 wissenschaftlichen Fachgesellschaften erforscht und dazu weltweite Studien zu vergangenen Pandemien (SARS, MERS) ausgewertet.

"Wissenschaftliche Studien belegen konsistent negative psychosoziale Folgen von Isolations- und Quarantänemaßnahmen, darunter Depressivität, Ängstlichkeit, Wut, Stresserleben, Schlafstörungen, Sorgen, Einsamkeit und Stigmatisierungserfahrungen", berichtet Professorin Steffi Riedel-Heller (56), Direktorin des Instituts für Sozialmedizin an der Uni Leipzig. 

Diese psychosozialen Belastungen könnten auch noch Monate und gar Jahre nachwirken.

Leipziger Forscher: Bevölkerung muss über Folgen der Isolation aufgeklärt werden

Besonders gefährdet seien Menschen mit psychischen Vorerkrankungen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens. 

Riedel-Heller: "Die besondere psychische Belastung bei sogenannten systemrelevanten Berufsgruppen steht häufig im Zusammenhang mit einem Rollenkonflikt: Einerseits besteht ein berufliches Verantwortungsgefühl, andererseits können aufgrund privater Umstände Ängstlichkeit, Sorgen und Schuldgefühle auftreten, die eigene Familie einem erhöhten Infektionsrisiko auszusetzen."

Die Wissenschaftler fordern, dass die Politik den Schutz der psychischen Gesundheit endlich in ihr Corona-Krisenmanagement aufnimmt. Drei Forderungen haben sie: 

  • 1. Die Bevölkerung solle umfassend über die psychischen Folgen der Isolation aufgeklärt werden. 
  • 2. Der Staat müsse mehr Wert auf Prävention und Gesundheitsförderung legen. 
  • 3. Schnelle psychotherapeutische Hilfen für gefährdete Gruppen und Personen, etwa über spezielle Telefon- und Videosprechstunden. 

Titelfoto: belchonock /123 RF

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