Frisörmeisterin frustriert: "Hilfe, uns geht der Nachwuchs aus"

Dresden - In einigen Jahren droht uns ein großes Friseur-Sterben, befürchtet Meisterin Angela Groß (54). Die Dresdnerin schlägt Alarm, beobachtet, dass immer weniger Betriebe Azubis ausbilden. Die Corona-Probleme verschärfen diese Entwicklung noch.

Sorgt sich um die Zukunft ihres Handwerks: Friseur-Meisterin Angela Groß (54).
Sorgt sich um die Zukunft ihres Handwerks: Friseur-Meisterin Angela Groß (54).  © Thomas Türpe

Seit 28 Jahren arbeitet Angela Groß als Friseurmeisterin, bildete mit ihrem Betrieb in Dresden-Plauen (Zwickauer Straße) selbst 32 Azubis aus. 

Doch in den letzten Jahren würden zunehmend mehr Betriebe auf die Ausbildung von Nachwuchs verzichten. "Viele meiner Kollegen sagen, sie tun sich das nicht mehr an", berichtet sie. 

"Gerade in den ersten Monaten der Ausbildung ist der Aufwand groß, kostet viel Kraft und Zeit. Hinzu kommt, dass manche Lehrlinge später hinschmeißen."

Dabei gebe es aktuell, anders als in den Vorjahren, sogar relativ viele Bewerber, die das Handwerk gerne erlernen wollen, so die Meisterin. 

Darum ihr Appell: "Bildet aus! Wenn wir guten Nachwuchs haben wollen, müssen wir selbst dafür sorgen."

Laut Dresdner Handwerkskammer sinken die Azubi-Zahlen im Bezirk seit Jahren. Vor zehn Jahren gab es noch 218 neue Friseur-Azubis. 

2017 fingen 174 eine Lehre an, im letzten Jahr nur noch 134. Und im aktuellen Jahr bislang gerade mal 49 (davon sechs männlich). Laut Kammer-Sprecher Daniel Bagehorn (39) mitverantwortlich dafür auch die demografische Entwicklung mit größerem Wettbewerb um Azubis sowie "die erhöhte Neigung von Schulabgängern, zu studieren".

Nachwuchs eine Chance geben: Lehrling Maxi Hieronymus (19) ist motiviert, das Handwerk zu erlernen.
Nachwuchs eine Chance geben: Lehrling Maxi Hieronymus (19) ist motiviert, das Handwerk zu erlernen.  © Thomas Türpe

Neben den Corona-Folgen (sechs Wochen geschlossen, aktuell eingeschränkter Betrieb) belastet die Betriebe auch der gestiegene Mindestlohn für neue Lehrlinge auf monatlich 515 Euro brutto. "Mehr Lohn ist für mich schon ein Vorteil", freut sich Azubi Maxi Hieronymus (19), die jetzt bei Angela Groß angefangen hat. "Ich finde den Beruf toll, da man viel Kontakt mit Kunden hat und die meist freundlich sind."

Titelfoto: Thomas Türpe (Bildmontage)

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