Gefeuerter Kalbitz bekommt Bühne in Sebnitz: Sachsens AfD flattert weiter mit dem "Flügel"

Sebnitz - Verkehrte Welt in Sebnitz: Obwohl der rechtsextreme "Flügel" aufgelöst ist und die Brandenburger AfD-Größe Andreas Kalbitz (47) aus der Partei flog, bereitete die sächsische Parteispitze am Samstag beiden ein öffentliches Podium. Nicht ohne bunten Gegenhalt.

Andreas Kalbitz (r) im Gespräch mit seinen AfD-Kollegen.
Andreas Kalbitz (r) im Gespräch mit seinen AfD-Kollegen.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

In trauter Einigkeit traten Sachsens AfD-Chef Jörg Urban (55), Generalsekratär Jan Zwerg (55, AfD), Bundestagsmitglied Jens Maier (58, AfD) und AfD-Kreischef Lothar Hoffmann (69) auf die Bühne.

Ein illustrer Kreis: Kalbitz ist eigentlich geschasst, weil er seine Mitgliedschaft in der neonazistischen "Heimattreuen Jugend" verschwiegen haben soll. Der ehemalige Brandenburger AfD-Landeschef klagt dagegen. 

Hoffmanns früheres Engagement im rechtsextremen "Demokratischen Aufbruch Sächsische Schweiz" hingegen hat dem Ex-Polizisten in der Partei noch keine Probleme beschert. Auch Urban und Zwerg gelten als Anhänger des vom Verfassungsschutz beobachteten "Flügel". 

So brauchte die Kundgebung auf dem Sebnitzer Markt auch kein Motto, galt sie doch als Stärke-Zeigen des rechten Parteirands. Das ließen sich auch Mitglieder der örtlichen NPD nicht entgehen.

Die Kundgebung auf dem Sebnitzer Marktplatz.
Die Kundgebung auf dem Sebnitzer Marktplatz.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
Die Gegner der Kundgebung bildeten eine Menschenkette - natürlich mit Abstand.
Die Gegner der Kundgebung bildeten eine Menschenkette - natürlich mit Abstand.  © Marko Förster

Entsprechend quer gingen die Reden durch rechte Dauerbrenner: Urban beklagte am Beispiel des Kabarettisten Uwe Steimle (56) und des Sängers Xavier Naidoos (48) angeblich mangelnde Meinungsfreiheit; Kalbitz sah in Deutschland kein Problem mit strukturellem Rassismus, monierte stattdessen "Inländerfeindlichkeit".

Nicht alle Sebnitzer waren mit diesen Tönen einverstanden: "Wir lassen unseren Marktplatz nicht für so etwas missbrauchen", sagt Stadtrat Paul Löser (19, Grüne), einer der Initiatoren des Protestags gegen die Kundgebung. "Am Vormittag haben wir den Markt mit Kreide gestaltet, dann gab es ein Friedengebet und anschließend bildeten wir eine Menschenkette am Markt." 

Rund 150 Teilnehmer zählte diese, rund 200 kamen zur AfD. Die Polizei war mit hundert Einatzkäften vor Ort. Zwischenfälle gab es keine.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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