Gute Noten für Sachsens Bildung? Von wegen! Schüler rechnen mit der Regierung ab

Dresden - Erneut Platz 1 für Sachsen beim Bildungsmonitor ist für den Landesschülerrat (LSR) nicht nur ein Grund zum Feiern. Die Kritik entzündet sich unter anderem an den Lücken bei der Digitalisierung. Auch andere unken.

Oliver Sachsze (20), Vize-Chef des sächsischen Landesschülerrats.
Oliver Sachsze (20), Vize-Chef des sächsischen Landesschülerrats.  © PR/LSR

Besonders kritisch sieht der LSR die Verlaufsentwicklung: Sachsens Gesamtbewertung sei erneut gesunken, während andere Länder sich verbessern.

Deshalb zeichnet der LSR-Vorsitzende Oliver Sachsze (20) ein besorgniserregendes Zukunftsbild: "Zu wenige junge Lehrer, Schwächen ausgerechnet beim Zukunftsthema Digitalisierung, zu wenig Geld für die Weiterentwicklung der Bildung."

Auch die Linke ist mit dem sächsischen Schulsystem unzufrieden und fordert schon lange eine Wende. Im Juli legte die Fraktion deshalb ein Bildungspaket vor, über das der Landtag in mehreren Abstimmungen entscheiden muss.

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Der Freistaat gibt in diesem und im nächsten Jahr insgesamt über 14 Milliarden Euro für Bildung aus. Bezahlt werden sollen damit unter anderem 600 zusätzliche Lehrer.

Nicht genug, um die Folgen der Corona-Pandemie zu bewältigen, so die Lehrergewerkschaft GEW.

344 Millionen Euro für "DigitalPakt Schule" bereitgestellt

Knackpunkt 1: Sachsens Lehrer sind nicht mehr die Jüngsten.
Knackpunkt 1: Sachsens Lehrer sind nicht mehr die Jüngsten.  © dpa/Julian Stratenschulte

Im Rahmen des Förderprogramms "DigitalPakt Schule" fließen von 2019 bis 2024 außerdem fast 344 Millionen Euro, davon sind 320 Mio. bereits bewilligt, knapp 57 Mio. ausbezahlt.

Trotzdem sieht auch der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Jörg Dittrich (52), Nachholbedarf.

"Verlässliche Breitbandanschlüsse, zeitgemäße technische Ausstattungen und die digitale Bildung an Grund- und weiterführenden Schulen müssen oberste Priorität haben", fordert er.

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Die Botschaft ist im Kultusministerium bereits angekommen. "Bildungsqualität ist ein Prozess, der stetig weiterentwickelt werden muss. Die Kritikpunkte sind berechtigt und wir arbeiten bereits daran", so Kultusminister Christian Piwarz (45, CDU).

Knackpunkt 2: Es gibt immer noch zu wenig Laptops an Schulen.
Knackpunkt 2: Es gibt immer noch zu wenig Laptops an Schulen.  © dpa/Sebastian Kahnert

Studie untersucht Lernqualität nebeneinander sitzender Schüler

Ist es förderlich, wenn Schüler mit unterschiedlichen Leistungen nebeneinander sitzen?

Das wollten Julia Rohrer von der Uni Leipzig, ein Team aus Forschenden der University of Wisconsin-Madison (USA) und des Center for Social Sciences in Budapest wissen und führten mit rund 3000 Kindern und Jugendlichen ein Experiment durch.

Das Ergebnis: Tatsächlich freundeten sich die Nebeneinandersitzenden häufiger an. Die Wahrscheinlichkeit stieg um knapp die Hälfte.

Als Erfolg wertete Rohrer vor allem die Intervention bei Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Schulleistungen - hier stieg der Anteil der Freundschaften deutlich.

Aber: Aktuell lässt sich noch nicht sagen, ob sich Lernschwächere dadurch verbesserten. "Das wollen meine Kollegen anhand der Daten noch erforschen", so Rohrer.

Titelfoto: dpa/Sebastian Kahnert

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