Händler rechnen mit Ansturm auf Sachsen-Karpfen

Dresden - Alle Jahre wieder: Zu Silvester hat Karpfen Hochsaison. Und so rechnen Fischhändler zum Jahreswechsel mit einem Ansturm auf den Sachsen-Fisch. Denn bei vielen Deutschen ist ein Silvesterkarpfen gute Tradition.

Die Teichwirtschaft Moritzburg gehört zu den großen Karpfenproduzenten in Sachsen. Karpfen werden auch im Schlossteich gezüchtet - und abgefischt.
Die Teichwirtschaft Moritzburg gehört zu den großen Karpfenproduzenten in Sachsen. Karpfen werden auch im Schlossteich gezüchtet - und abgefischt.  © dpa/ Tino Plunert

Warum eigentlich Karpfen ausgerechnet zu Silvester?

Angeblich bringt eine Schuppe des Silvesterkarpfens im Geldbeutel Glück und Wohlstand im neuen Jahr. Das könnten die sächsischen Teichwirte selbst ganz gut gebrauchen. Denn gegen Lachs & Co hat der Karpfen den Rest des Jahres kaum eine Chance.

Die Jugend hält ihn für unsexy. Die "Generation Lachs" kauft ihr Filet lieber beim Discounter. Billiger als Lachs ist er auch nicht. Beim norwegischen Lachs oder bei Meeresfischen könne man preislich immer noch nicht mithalten, so Georg Stähler (65), Chef der Teichwirtschaft Wermsdorf im Süden von Leipzig. Aktuell kostet ein Kilo Karpfen etwa 5,50 bis 7,50 Euro.

Trotzdem steigt der Verkauf zwischen den Jahren rapide. Uwe Baldauf (60) vom Großhändler Fisch-Aue in Nossen verkauft in diesen Tagen etwa zehn Prozent mehr Karpfen als sonst im Jahr.

Und das jenseits allen Aberglaubens völlig zu Recht.

Reiche Ernte: ein Netz voll Karpfen. Der Fisch hat weniger Fett als Lachs.
Reiche Ernte: ein Netz voll Karpfen. Der Fisch hat weniger Fett als Lachs.  © dpa/Sebastian Kahnert

Karpfenzüchter profitieren von der Corona-Pandemie

Liebt Karpfen: Armin Kittner (58), Teichwirt in Quitzdorf in der Oberlausitz.
Liebt Karpfen: Armin Kittner (58), Teichwirt in Quitzdorf in der Oberlausitz.  © dpa/Sebastian Kahnert

"Karpfen ist der einzige Fisch, den man unbedenklich in jeder Form von überallher essen kann. Mit Abstand Platz 1 in der Öko-Bilanz", erklärt Andreas Stummer (38), Geschäftsführer des sächsischen Landesfischereiverbandes.

Sachsen ist einer der größten Karpfenproduzenten in Deutschland. Zu DDR-Zeiten wurden hier rund 8000 Tonnen abgefischt, in den 1990er waren es noch rund 3000, inzwischen ist man bei etwa 1700 angelangt. Andreas Stummer führt das auf ein verändertes Essverhalten zurück. "Der Karpfen geriet ein wenig in Vergessenheit."

Armin Kittner (58), Teichwirt im ostsächsischen Quitzdorf, sieht ausgerechnet in der Corona-Pandemie eine Chance für den Karpfen.

"Die Leute haben sich wieder auf einheimische Produkte besonnen. Das müssen wir nutzen."

Titelfoto: dpa/Sebastian Kahnert

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