Immer mehr Corona-Patienten in Sachsens Krankenhäusern: "Besorgnis erregende Entwicklung"

Leipzig - Die sächsischen Krankenhäuser sehen angesichts steigender Corona-Zahlen mit immer mehr stationären Patienten sorgenvoll in die Zukunft.

Volle Krankenhäuser und Krematorien: Sachsen hat in der Corona-Pandemie 2020 leidvolle Erfahrungen gemacht. Jetzt wächst die Sorge, dass sie auch im nächsten Winter aus dem Ruder laufen könnte. (Archivbild)
Volle Krankenhäuser und Krematorien: Sachsen hat in der Corona-Pandemie 2020 leidvolle Erfahrungen gemacht. Jetzt wächst die Sorge, dass sie auch im nächsten Winter aus dem Ruder laufen könnte. (Archivbild)  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Das ist eine Besorgnis erregende Entwicklung", sagte Friedrich München, stellvertretender Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen, der Deutschen Presse-Agentur.

Allein in den vergangenen fünf Tagen sei die Zahl der stationären Covid-19-Patienten von 328 auf 461 gewachsen. "Innerhalb dieser Gruppe stieg die Zahl der Patienten auf der Intensivstation von 117 auf 134."

"Wir sind nicht mehr weit von dem Punkt entfernt, wo bei 180 belegten Intensivbetten die Vorwarnstufe greift. Wenn die Zahlen stagnieren würden, wäre das noch beherrschbar. Doch wenn sie weiter steigen wie zuletzt, könnten wir Kapazitätsprobleme haben. Leider schauen wir da momentan in den Nebel", sagte München.

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Es gebe in diesem Geschehen viele Unbekannte. Man wisse nicht, wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind. Geimpfte ließen sich nicht mehr testen. "Es gibt eine Infektiosität in der Gesellschaft, über die wir nur wenig Erkenntnisse haben. Wir gehen deshalb in eine ungewisse Entwicklung."

München zufolge werden die Krankenhäuser beim Erreichen ihrer Kapazitätsgrenzen mit verschiedenen Maßnahmen reagieren. Dann würden die beiden Universitätskliniken in Dresden und Leipzig genau wie das Städtische Klinikum in Chemnitz reaktiviert und die Koordination übernehmen.

"Wenn das so weitergeht, müsste man planbare Operationen wieder aufschieben und Leistungen in bestimmten Bereichen herunterfahren, um Kapazitäten freizumachen."

"Das Zeichen für einen Freedom Day ist falsch"

Die Krankenhäuser sehen mit Sorge auf die Bettenbelegung. (Archivbild)
Die Krankenhäuser sehen mit Sorge auf die Bettenbelegung. (Archivbild)  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Der neuralgische Punkt seien aber weniger die Betten als vielmehr das Personal.

"Man braucht einen bestimmten Personalschlüssel für die Fachkräfte der Intensivpflege. Der ist gesetzlich vorgegeben. Da kann man keine anderen Pflegekräfte einsetzten. Unsere Möglichkeiten sind sehr begrenzt. Und auf dem Arbeitsmarkt gibt es keine Reserven", sagte München.

Bis jetzt gebe es aber noch keine Warnmeldung aus Krankenhäusern.

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Der Krankenhausgesellschaft lägen auch keine Daten vor, wie viele Pflegekräfte ihren Beruf aufgrund der hohen Belastungen inzwischen aufgegeben haben, betonte München. Bestimmt hätten manche das Handtuch geworfen.

Schließlich hätten viele Mitarbeiter auf dem Höhepunkt der Pandemie Ende 2020 am Limit gearbeitet. "Das war auch für das Pflegepersonal sehr belastend."

Die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (41, CDU) nach einem Ende der epidemischen Lage hält München für kontraproduktiv. "Das Zeichen für einen Freedom Day ist falsch. Auch wenn ich als Jurist ein gewisses Verständnis dafür habe, dass ein Minister Ausnahmeregelungen irgendwann auslaufen lassen will."

Der Bund müsse dann aber im Infektionsschutzgesetz die Voraussetzungen schaffen, dass die Länder weiter mit ihren Corona-Schutzverordnungen einen Ermächtigungsgrundlage für ihr Handeln haben. "Es darf keine Gesetzeslücke entstehen. Die Länder brauchen Instrumente im Kampf gegen die Corona-Pandemie."

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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