In einigen Kreisen wird es jetzt eng: Mehr als 300 Covid-Patienten in Sachsens Intensivbetten

Sachsen - Die Corona-Situation in den sächsischen Krankenhäusern spitzt sich zu. Stationen müssen geschlossen werden, die Bundeswehr immer häufiger helfen. Der Grund sind steigende Zahlen an Covid-19-Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung brauchen. Doch dafür fehlt zunehmend das Personal.

Auch im Dresdner Uniklinikum müssen immer mehr Covid-19-Patienten intensiv versorgt werden.
Auch im Dresdner Uniklinikum müssen immer mehr Covid-19-Patienten intensiv versorgt werden.  © Robert Michael/dpa

"Die Lage in den Krankenhäusern ist angespannt, das muss man so klar sagen", gesteht Sachsens Sozialministerin, Petra Köpping (62, SPD), ein.

Laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) werden Stand Samstag (21.11.) etwa 308 Covid-19 Patienten in sächsischen Kliniken behandelt, von denen 184 (60 Prozent) beatmet werden müssen.

Inzwischen werden 25 Prozent (Gesamt: 1 643) der Intensivbetten für Covid-Patienten gebraucht.

Besonders dramatisch ist die Situation in der Region Dresden und Ostsachsen.

So melden der Landkreis Meißen nur noch fünf freie Intensivbetten (5,8 Prozent), Görlitz zehn (14,9 Prozent) und Bautzen zwölf (16,4 Prozent).

Prekär: Auch für Patienten mit schweren Verletzungen, Schlaganfall sowie Herzinfarkt müssen Intensivbetten vorgehalten werden.

Operationen werden verschoben

Die Pflege von Covid-Patienten ist aufwendig. Oft brauchen sie mindestens eine Eins-zu-Eins-Betreuung.
Die Pflege von Covid-Patienten ist aufwendig. Oft brauchen sie mindestens eine Eins-zu-Eins-Betreuung.  © Waltraud Grubitzsch/dpa

Um weiterhin alle Patienten behandeln zu können, müssen deshalb Betten freigemacht, Termine und Operationen verschoben werden. "Das gefällt weder den Patienten, noch uns und unseren Mitarbeitern", schildert Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken. "Es belastet uns alle."

Und während in Bautzen und Bischofswerda Stationen außer Betrieb genommen wurden, musste im Seenland-Klinikum in Hoyerswerda mittels "Umorganisation des 'Normalgeschäfts'" eine zweite Isolierstation eingerichtet werden.

"Ein großes Problem ist das verfügbare Personal (...) Wenn es dann zusätzlich zu Ansteckungen kommt, Ärzte und Schwestern in Quarantäne müssen, sind Dienste kaum noch abzusichern", beschreibt der Bautzner Landrat Michael Harig die Lage.

In Bautzen und Kamenz unterstützt deshalb schon die Bundeswehr die Krankenhäuser als "helfende Hände". Im Landkreis Görlitz kommen sogar Bundeswehr-Sanitäter als Pflegekräfte zum Einsatz.

Insgesamt helfen zirka 500 Soldaten in ganz Sachsen (außer Vogtlandkreis).

Kontakte einschränken, Maske tragen, Abstand halten

Freie Intensivbetten nach Landkreis. (Stand: 21.11.2020 - 15.30 Uhr)
Freie Intensivbetten nach Landkreis. (Stand: 21.11.2020 - 15.30 Uhr)  © NPGEO Corona - DIVI Intensivregister
Sozialministerin Petra Köpping (62, SPD).
Sozialministerin Petra Köpping (62, SPD).  © Thomas Türpe
Erik Bodendieck (53), Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.
Erik Bodendieck (53), Präsident der Sächsischen Landesärztekammer.  © Holm Helis
Krankenhauskittel statt Uniform: Soldaten helfen immer öfter aus.
Krankenhauskittel statt Uniform: Soldaten helfen immer öfter aus.  © Robert Michael/dpa
Stabsunteroffizier Sophie Wagiliga und Stabsfeldwebel Rene Kühn unterstützen in den Städtischen Kliniken Görlitz.
Stabsunteroffizier Sophie Wagiliga und Stabsfeldwebel Rene Kühn unterstützen in den Städtischen Kliniken Görlitz.  © Anne Weinrich

Angesichts der prekären Situation bittet Ministerin Köpping nochmal eindringlich: "Ich appelliere (...), die Kontakte einzuschränken, Maske zu tragen und Abstand zu halten. Das hilft uns allen."

Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, bemängelt indes, dass der kürzlich neu beschlossene Schutzschirm für Krankenhäuser nicht weit genug reiche. Nur 70 Prozent der sächsischen Häuser könnten daraus Gelder bekommen.

Er fordert deshalb unter anderem eine Freihaltepauschale für alle Kliniken, die an der Corona-Versorgung teilnehmen.

Titelfoto: Montage: Robert Michael/dpa, Thomas Türpe

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