Infektionslage spitzt sich zu: Gehen an Sachsens Kliniken bald die Notfallbetten aus?

Dresden - Die Infektionszahlen in der Pandemie verdoppeln sich derzeit wöchentlich. Allein am Dienstag kamen über 1000 Corona-Fälle neu dazu. Fast parallel dazu steigt die Belegung der Betten in den Krankenhäusern. Laut Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) ist die Lage in den sächsischen Kliniken dramatisch. Gehen Sachsen jetzt die Notfallbetten aus?

Abgeschirmt: Corona-Station im Dresdner Uniklinikum.
Abgeschirmt: Corona-Station im Dresdner Uniklinikum.  © DPA / Sebastian Kahnert

Die Lage ist ernst, die Zahlen steigen. Am Dienstag wurden der Landesuntersuchungsanstalt 1059 neue Corona-Fälle gemeldet. Die Zahl der Toten in Sachsen stieg um fünf weitere Opfer auf insgesamt 408 seit Beginn der Pandemie.

Noch Anfang August waren sachsenweit kaum Betten mit Corona-Patienten belegt. 

Seit Oktober steigt die Zahl sprunghaft. Am Dienstag lagen laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in sächsischen Kliniken 270 Corona-Patienten, die intensiv-medizinisch behandelt werden mussten. 

Danach hat Sachsen insgesamt 1690 Intensivbetten, von denen am Dienstag 1301 belegt waren (inklusive der Corona-Patienten). 389 Intensivbetten waren am Dienstag noch frei.

Einsam, aber nicht allein: Sachsen verfügt derzeit über 1668 Notfallbetten. Außerdem kann innerhalb von sieben Tagen die eiserne Reserve von weiteren 714 Betten mobilisiert werden.
Einsam, aber nicht allein: Sachsen verfügt derzeit über 1668 Notfallbetten. Außerdem kann innerhalb von sieben Tagen die eiserne Reserve von weiteren 714 Betten mobilisiert werden.  © Imago Images / Max Stein
Professor Dr. Michael Albrecht (70), Chef der Dresdner Uniklinik.
Professor Dr. Michael Albrecht (70), Chef der Dresdner Uniklinik.  © Eric Münch
Klare Worte von Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU): "Die Lage in den sächsischen Krankenhäusern ist dramatisch."
Klare Worte von Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU): "Die Lage in den sächsischen Krankenhäusern ist dramatisch."  © DPA / Sebastian Kahnert

Sachsen hat eiserne Notfallbetten-Reserve in petto

Infusionen, wie hier am Uniklinikum Dresden, sind für Corona-Patienten ein wichtiges Mittel, um mit der Krankheit fertig zu werden.
Infusionen, wie hier am Uniklinikum Dresden, sind für Corona-Patienten ein wichtiges Mittel, um mit der Krankheit fertig zu werden.  © DPA / Sebastian Kahnert

Um ein Knappwerden der Betten zu verhindern, "stehen wir in engem Kontakt mit den Infektiologen und Krankenhauskoordinatoren", heißt es aus dem Sozialministerium. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Michael Albrecht (70). 

Er hat gemeinsam mit seinem Team und Kollegen vom Uniklinikum Dresden das Dresdner Informations- und Prognosetool für Erkrankungsverlauf und Bettenauslastung in Sachsen (DISPENSE) entwickelt. 

"Damit steht dem Freistaat Sachsen ein verlässliches Instrument zur Verfügung, um mit einem Vorlauf von gut zwei Wochen Maßnahmen zu initiieren, um einem Mangel an Krankenhausbetten entgegenzuwirken", sagt Albrecht.

"Corona bleibt und wir werden mit Corona leben müssen", so Sozialministerin Petra Köpping (62, SPD) vergangene Woche. 

Wenn die Zahlen weiter steigen, hat Sachsen eine eiserne Reserve. Innerhalb von sieben Tagen können 714 zusätzliche Betten aufgestellt werden.

Titelfoto: Imago Images / Max Stein

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