Inzidenz 0,0: Mehr als 60 Orte in Sachsen sind coronafrei

Dresden - Für die Politik ist sie momentan das Maß aller Dinge: die Sieben-Tage-Inzidenz. Nach den statistischen Horrormeldungen der vergangenen Monate mit hohen dreistelligen Werten wendet sich nun das Blatt. Aktuell weist das sächsische Sozialministerium sogar 65 Kommunen im Freistaat als "coronafrei" aus - Inzidenz 0,0! Doch die Statistik gleicht einer Fata Morgana.
Brand-Erbisdorf will wieder öffnen: Bürgermeister Martin Antonow (57, parteilos) steht vor einem geschlossenen Elektrogeschäft. Seine Stadt galt bis Donnerstag als "coronafrei".
Brand-Erbisdorf will wieder öffnen: Bürgermeister Martin Antonow (57, parteilos) steht vor einem geschlossenen Elektrogeschäft. Seine Stadt galt bis Donnerstag als "coronafrei".  © Maik Börner

Erst durch den Anruf von TAG24 am Donnerstag hat es der parteilose Bürgermeister Martin Antonow (57) erfahren. Seine Stadt Brand-Erbisdorf wird im aktuellen Corona-Lagebericht (Stand 17. Februar 12.30 Uhr) als "coronafrei" geführt.

"Ich bin einerseits überrascht, andererseits weiß ich, dass die Menschen hier sehr sorgsam miteinander umgehen." Erst kürzlich hat er mit anderen Bürgermeistern aus Mittelsachsen einen Brief an MP Michael Kretschmer (45, CDU) geschrieben und klare Perspektiven gefordert.

Durch die Null-Inzidenz sieht sich Antonow bestätigt: "Die Geschäfte müssen jetzt maßvoll öffnen, zumal ja alle ein Hygienekonzept haben." Auch die 50 Vereine der Stadt sollten jetzt wieder loslegen dürfen.

In Lößnitz sieht es Alexander Troll (46, CDU) ähnlich. "Die Null ist eine gute Basis für die nächsten Wochen, wir brauchen endlich Perspektiven", sagt der Rathaus-Chef.

Rund 15 Geschäfte gibt es in der Erzgebirgsstadt. Troll: "Das sind kleine Läden, wo die Infektionsgefahr deutlich geringer ist als im Supermarkt."

Seine Gemeinde gilt seit Tagen als "coronafrei": Falk Hentschel (35, CDU), Bürgermeister von Ebersbach.
Seine Gemeinde gilt seit Tagen als "coronafrei": Falk Hentschel (35, CDU), Bürgermeister von Ebersbach.  © Steffen Füssel
Hatte bis Donnerstag einen Inzidenzwert von 0,0: Alexander Troll (46, CDU), Stadtchef von Lößnitz.
Hatte bis Donnerstag einen Inzidenzwert von 0,0: Alexander Troll (46, CDU), Stadtchef von Lößnitz.  © Georg Ulrich Dostmann

24 Stunden können alles verändern

Bezweifelt die Aussagekraft von Inzidenzwerten: Martin Kunz (35), parteiloser Bürgermeister von Hartenstein.
Bezweifelt die Aussagekraft von Inzidenzwerten: Martin Kunz (35), parteiloser Bürgermeister von Hartenstein.  © Ralph Koehler/Propicture

Im statistisch "coronafreien" Ebersbach (Kreis Meißen) winkt Bürgermeister Falk Hentschel (35, CDU) nur ab. "Der Inzidenzwert ist für mich irrelevant, ich konzentriere mich auf die richtigen Probleme." Und meint damit die vier Kitas und den Hort in seiner aus 14 Ortsteilen bestehenden Flächengemeinde.

Das Schließung-Öffnung-Schließungs-Chaos der vergangenen Monate habe Eltern und Gemeindeverwaltung viel Ärger eingebracht, berichtet Hentschel. Er fordert: "Wir brauchen endlich eine verlässliche und vor allem langfristige Regelung für Kitas."

Auch Hartenstein an der Zwickauer Mulde zählt am Donnerstag zu den mehr als 60 Kommunen mit Inzidenz 0,0. Doch der parteilose Bürgermeister Martin Kunz (35) traut der Statistik nicht übern Weg.

"Ich bezweifle den Aussagewert dieser Inzidenzrechnung, zumal sich das täglich ändern kann." Und damit liegt er richtig. Nur 24 Stunden später weist das Sozialministerium zwar zwei Kommunen mehr als am Vortag mit Inzidenz 0,0 aus.

Doch drei unserer angefragten Städte sind nicht mehr dabei. In Hartenstein haben vier Testpositive den Wert auf 88,1 katapultiert. Brand-Erbisdorf (3) liegt am Freitag bei 32,1 und Lößnitz (3) wird mit 36,6 ausgewiesen. Dafür gelten für die nächsten (statistischen) 24 Stunden Stollberg, Augustusburg und Eibenstock als "coronafrei"...

Titelfoto: Maik Börner

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