Jetzt geht's auch für Sachsens Schweine-Bauern um die Wurst!

Dresden - Der Corona-Skandal bei Tönnies erreicht jetzt auch Sachsens Bauern.

Für sächsische Schweinezüchter tabu: Im Schlachthof Weißenfels (Sachsen-Anhalt) halten derzeit fast ausschließlich Viehtransporte aus Nordrhein-Westfalen. Sächsische Züchter bleiben - im übertragenen Sinn - auf ihren Schweinen sitzen.
Für sächsische Schweinezüchter tabu: Im Schlachthof Weißenfels (Sachsen-Anhalt) halten derzeit fast ausschließlich Viehtransporte aus Nordrhein-Westfalen. Sächsische Züchter bleiben - im übertragenen Sinn - auf ihren Schweinen sitzen.  © imago images/Christian Grube

Weil der Großschlachter seinen Betrieb in Rheda-Wiedenbrück (NRW) dichtmachen musste, hat Tönnies große Teile der Produktion in sein Werk in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) verlagert. 

Dorthin hatten bislang Sachsens Schweinezüchter geliefert - doch für die sind nun keine Kapazitäten mehr frei. 

Sachsens Bauern bleiben weitgehend auf ihren Sauen sitzen!

In sächsischen Ställen stehen aktuell rund 634.000 Schweine - vom Ferkel bis zur ausgewachsenen Sau. 

Verwertet und vermarktet werden die schlachtreifen Tiere fast ausschließlich über den Tönnies-Schlachthof in Weißenfels (Sachsen-Anhalt). Damit ist jetzt Schluss.

Aktuell werden dort Schweine aus Sachsen nicht mehr abgenommen. Grund: Der Betrieb in Weißenfels ist komplett überlastet. 

Die Schlachthof gehört zum Tönnies-Konzern, der wegen den über 1500 Corona-Ansteckungen den Betrieb in Rheda-Wiedenbrück einstellen musste. 

Wie von der Stange: Vor der Corona-Krise hingen auch in Weißenfels Schweinehälften dicht an dicht (Symbolfoto).
Wie von der Stange: Vor der Corona-Krise hingen auch in Weißenfels Schweinehälften dicht an dicht (Symbolfoto).  © dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Tönnies-Skandal trifft auch Sachsens Bauern hart

Bauern-Chef Manfred Uhlemann (63)
Bauern-Chef Manfred Uhlemann (63)  © Christian Suhrbier

Schweine werden dort momentan nicht mehr geschlachtet. Stattdessen werden die Tiere nach Weißenfels umgeleitet.

Für Sachsens Schweinezüchter hat das dramatische Folgen: Sie müssen ihre Tiere zunächst weiterfüttern. 

Das kostet nicht nur Geld, die Schweine verlieren dadurch auch noch an Verkaufswert, weil sie schlicht zu schwer werden. 

Einige von Sachsens Bauern könnten in Weißenfels mit Glück ihre Tiere zwar noch zerlegen lassen, die Teile aber müssen sie wieder mitnehmen und selbst vermarkten - für die meisten nicht machbar.

Also, wohin mit den Sachsen-Schweinen? Der Freistaat verfügt selbst nur noch über einen kleinen Schlachthof in Belgern

"Einige unserer Bauern weichen auf Schlachthöfe in Hof und Bayreuth in Bayern aus", so Manfred Uhlemann (63), Chef des sächsischen Landesbauernverbandes (SLB). 

Aber das reicht nicht. Uhlmann hat deshalb inzwischen Verbindung zu Bauernverbänden in Sachsen-Anhalt und Brandenburg aufgenommen. 

Gemeinsam wollen sie das Gespräch mit der "Schlachtindustrie" suchen.

Ein Scheitern könnte weitere Betriebe ihre Existenz kosten. In den letzten 20 Jahren haben bereits 80 Prozent der sächsischen Landwirtschaftsbetriebe die Schweinehaltung aufgegeben.

Titelfoto: dpa/Mohssen Assanimoghaddam

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