Klimawandel und Billig-Konkurrenz: Sächsische Erdbeeren werden Bückware

Dresden - Düstere Zukunft für sächsische Erdbeeren: Die Energiepreise und der Mindestlohn treiben die Erzeugerpreise in die Höhe. Obwohl die aktuelle Erdbeersaison insgesamt besser lief als erwartet, prognostiziert der Landesverband Sächsisches Obst einen deutlichen Rückgang der Anbauflächen.

Obstbauer Robert Rüdiger (38) aus Pillnitz ist zufrieden mit der Erdbeerernte. Bei ihm gibt es die süßen Früchtchen nur direkt ab Hof.
Obstbauer Robert Rüdiger (38) aus Pillnitz ist zufrieden mit der Erdbeerernte. Bei ihm gibt es die süßen Früchtchen nur direkt ab Hof.  © Petra Hornig

Die Hauptsaison für Erdbeeren in Sachsen ist vorbei. "Wir sind heute voraussichtlich das letzte Mal auf dem Feld", sagte Obstbauer Robert Rüdiger (38) aus Pillnitz bei Dresden am gestrigen Mittwoch auf TAG24-Anfrage.

Nicht nur er, auch die meisten andern sächsischen Erzeuger sind zufrieden.

"Die hohen Temperaturen von 39 Grad an zwei Tagen haben die Früchte vielerorts regelrecht verkochen lassen. Ansonsten lief die Saison besser als erhofft", zieht Udo Jentzsch, Geschäftsführer des Landesverbandes Sächsisches Obst, Resümee.

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Was ihn umtreibt, sind die deutlich gestiegenen Erzeugerpreise. Dem Handel, aber auch dem Kunden seien sächsische Erdbeeren einfach zu teuer.

Preistreiber sind die hohen Energiekosten und der Mindestlohn. Außerdem fehlen Arbeitskräfte. "Die Kunden müssten bei heimischer Ware zugreifen, ansonsten wird es absehbar keine Erdbeeren aus Sachsen mehr im Handel geben", sagt Jentzsch.

Im Handel kostete das Kilo Erdbeeren dieses Jahr etwa das Doppelte oder mehr.
Im Handel kostete das Kilo Erdbeeren dieses Jahr etwa das Doppelte oder mehr.  © Petra Hornig

Billigkonkurrenz ist zu groß!

Im Laden genießen sächsische Erdbeeren heute schon Seltenheitswert.
Im Laden genießen sächsische Erdbeeren heute schon Seltenheitswert.  © dpa/David Ebener

Die Billigkonkurrenz aus Spanien und Marokko ist einfach zu groß. "Es gibt niederländische Firmen, die lassen bereits in Marokko produzieren", sagt Jentzsch. Ohne Mindestlohn.

Schon jetzt landen nur 40 Prozent der sächsischen Gesamtproduktion, 2021 waren es etwas über 2000 Tonnen, im Einzelhandel.

Der Löwenanteil geht über Selbstpflücken oder Hofläden an den Kunden.

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Einer der wenigen Erzeuger, die noch für Handel und Großhandel produzieren, ist Michael Görnitz (36) aus Coswig (Kreis Meißen). "Ich muss mir ganz genau überlegen, wie viel ich wo anbaue und was ich rode", sagt er.

Mirella Ziesche (60) ist seit 42 Jahren Vorarbeiterin auf dem Obsthof von Michael Görnitz in Coswig (Kreis Meißen). Früher gab es mehr Flächen, sagt sie.
Mirella Ziesche (60) ist seit 42 Jahren Vorarbeiterin auf dem Obsthof von Michael Görnitz in Coswig (Kreis Meißen). Früher gab es mehr Flächen, sagt sie.  © Holm Helis

"Früher haben wir noch für Saft und Marmelade gepflückt", erinnert sich Vorarbeiterin Mirella Ziesche (60). Aber die Zeiten sind längst vorbei.

Titelfoto: Petra Hornig

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