Kommentar: Digitalisierung an Schulen ist kein Ersatz für Präsenzunterricht!

Leipzig - Endlich Ferien! Sachsens Schüler starteten am gestrigen Freitag in die schönsten Wochen des Jahres. In seiner Rückschau auf das vergangene Schuljahr konnte Kultusminister Christian Piwarz (46, CDU) der Corona-Krise dann doch noch etwas Positives abgewinnen - einen Innovationsschub für digitales Lernen.

Die Zeugnisse wurden ausgegeben, jetzt geht es für Sachsens Schüler in die Sommerferien.
Die Zeugnisse wurden ausgegeben, jetzt geht es für Sachsens Schüler in die Sommerferien.  © Sebastian Kahnert/dpa

Ja, Schüler und Lehrer waren gezwungen, sich mit neuen, digitalen Unterrichtsformen auseinanderzusetzen. Sehr improvisiert zunächst. Nach Startschwierigkeiten entwickelte sich Lernsax zur wichtigen Lern- und Kommunikationsplattform im Lockdown.

Doch Digitalisierung bedeutet auch Entmenschlichung. Kein iPad kann eine Lehrerin ersetzen, die geduldig erklärt, die lobt und motiviert, die einen am Gleichungssystem mit Variablen verzweifelnden Schüler auch mal über den Kopf streichelt.

Kein Lernsax ersetzt das soziale Miteinander, keine E-Mail die direkte Kommunikation. Schule heißt Präsenzunterricht! Sie darf nicht zur digitalen Zentrale mutieren, die Lerninhalte nur noch versendet.

Damit er nicht vergessen wird: Kinder malen den gefällten Funkturm von Wilsdruff
Sachsen Damit er nicht vergessen wird: Kinder malen den gefällten Funkturm von Wilsdruff

Es muss deshalb oberstes Anliegen der Politik sein, dass sich ein solches Chaos-Schuljahr nicht wiederholt, dass die Schulen offen bleiben. Willkürlich festgelegte Inzidenzwerte dürfen nicht über die Bildungs-Chancen einer ganzen Generation entscheiden.

Für Redakteur Alexander Bischoff ist die Digitalisierung an unseren Schulen kein Ersatz für den direkten Kontakt in den Klassenzimmern.
Für Redakteur Alexander Bischoff ist die Digitalisierung an unseren Schulen kein Ersatz für den direkten Kontakt in den Klassenzimmern.  © Ralf Seegers

Dazu muss die Politik endlich aus dem Panikmodus finden. Zumal es längst wissenschaftliche Schulstudien der Universitätskliniken Leipzig und Dresden gibt, die belegen, dass Kinder keine Treiber der Infektion und Schulen keine Covid-Hotspots sind.

Piwarz zumindest weiß das, wenn er von der Bundesregierung einen unverstellten Blick und weniger Hysterie einfordert. Vielleicht sollte er seinen Appell auch mal ans eigene Kabinett richten.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa

Mehr zum Thema Sachsen: