Krankenkasse mit Pilotprojekt: So müssen Pflege-Bedürftige nicht zu früh ins Heim

Dresden - "Neue Pflege braucht das Land" - wer selbst einen hilfsbedürftigen Angehörigen hat, kennt diesen Wunsch.

Ein Schwerpunkt der mobilisierten Kurzzeitpflege ist die Arbeit mit Physio- und Ergotherapeuten, etwa an der Aufstehhilfe. Damit soll der Patient wieder für seinen häuslichen Alltag fit gemacht werden.
Ein Schwerpunkt der mobilisierten Kurzzeitpflege ist die Arbeit mit Physio- und Ergotherapeuten, etwa an der Aufstehhilfe. Damit soll der Patient wieder für seinen häuslichen Alltag fit gemacht werden.  © Eric Münch

Aktuell betreut die AOK Plus 274.100 Pflegebedürftige, sie ist mit 3,4 Millionen Versicherten größte Krankenkasse in Sachsen und Thüringen. Laut Prognose sollen es schon 2025 gut 64.000 Pflegebedürftige mehr sein! Mit einem Pilotprojekt geht die Krankenkasse jetzt neue Wege.

Claudia Schöne (49), AOK-Bereichsleiterin Pflege: "Im Fokus steht der Pflegebedürftige. Etwa ein älterer Mensch nach einem erfolgreich operierten Oberschenkelhalsbruch. Nach Hause kann er noch nicht, weil zu unselbständig. Pflegeheim ist noch zu früh für ihn, zu teuer und wirkt wie Abschiebung."

Die (Zwischen-)Lösung heißt "mobilisierende Kurzzeitpflege" und wurde in einem Modellversuch (18 Monate) bei der Diakonie Dresden erprobt: In der Wohn- und Pflegeeinrichtung Coschützer Straße (Plauen) bekamen 62 Patienten (70-90) nach einer OP eine solche Kurzzeitpflege (knapp drei Wochen), die wie eine Reha wirkte und sie wieder fit macht für ihr Zuhause.

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Sven Marschel (45), Geschäftsführer der Diakonie Stadtmission Dresden: "Dieser erfolgreiche Praxistest sollte ins Gesetzgebungsverfahren aufgenommen werden. Auch aus Sicht unserer Mitarbeiter war er sehr positiv, sollte auf andere Einrichtungen übertragen werden."

AOK-Chef Rainer Striebel (58): "Ein Leuchtturm-Projekt, das sich exakt an den Bedürfnissen der Versicherten und am Pflegealltag orientiert. Alle Patienten konnten danach wieder nach Hause, das sparte vorzeitige Pflegeheimaufnahmen."

AOK-Chef fordert mehr Handlungsfreiheit

Die Diakonie Stadtmission in Dresden-Plauen war Partner der AOK beim Modellprojekt.
Die Diakonie Stadtmission in Dresden-Plauen war Partner der AOK beim Modellprojekt.  © Eric Münch
62 Patienten zwischen 70 und 90 Jahren wurden betreut. Alle konnten danach wieder in ihr Zuhause, das Pflegeheim blieb ihnen erspart.
62 Patienten zwischen 70 und 90 Jahren wurden betreut. Alle konnten danach wieder in ihr Zuhause, das Pflegeheim blieb ihnen erspart.  © Eric Münch
AOK-Chef Rainer Striebel (58): "Ziel ist, beim Patienten möglichst viel Selbstständigkeit zu erhalten oder zu reaktivieren."
AOK-Chef Rainer Striebel (58): "Ziel ist, beim Patienten möglichst viel Selbstständigkeit zu erhalten oder zu reaktivieren."  © PR

Und das sollte nach dem Willen der AOK Schule machen. Deshalb fordert Striebel von Gesundheitsminister Jens Spahn (41, CDU) "mehr Handlungsfreiheit für die Versorgung vor Ort" und von den Bundesländern die Finanzierung der Investitionskosten von 5,5 Milliarden Euro:

"Das bedeutet Entlastung der Patienten von bis zu 400 Euro im Monat."

Titelfoto: Eric Münch/PR

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