Langer Winter macht sächsischen Bauern schwer zu schaffen

Dresden - Klirrend kalte Nächte, Minustemperaturen und Schneefall - der April 2021 wird als einer der kältesten der letzten 40 Jahre in die Geschichte eingehen.

Udo Jentzsch vom Landesverband Sächsisches Obst bangt um die Kirschen-Ernte.
Udo Jentzsch vom Landesverband Sächsisches Obst bangt um die Kirschen-Ernte.  © Eric Münch

Ganz besonders der Freistaat erlebte mit durchschnittlich 5,3 Grad rekordverdächtige Niedrig-Temperaturen. Das ist auch auf den Feldern und Äckern zu spüren. Sachsens Winzer mussten ihre Reben des Nachts mit Fackeln wärmen, Obstbauern haben erfrorene Bäume und Spargel und Erdbeeren starteten bzw. starten wegen der Kälte mit Verspätung in die Saison. Droht dieses Jahr eine Missernte?

Die gute Nachricht zuerst: Noch sind Hopfen und Malz nicht verloren. Udo Jentzsch vom Landesverband Sächsisches Obst gibt zunächst Entwarnung. "Trotz einiger Frostschäden erwarten wir ein recht normales Erntejahr."

Doch ganz spurlos zog die Polarluft im April nicht am Sachsen-Obst vorbei. Leiden mussten besonders die Süß- und Sauerkirschen. Die haben dieses Jahr nämlich schon dreifach auf die Mütze bekommen. "Die minus 20 Grad im Februar, Frost über Ostern sowie in der vergangenen Woche haben bereits Schäden an den Kirschbäumen angerichtet", sagt Jentzsch. Schon 2020 wurden statt 900 nur 500 Tonnen Süßkirschen geerntet.

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Wie der Ertrag dieses Jahr ausfällt, werde sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Einen Totalausfall werde es bei Pfirsichen und Aprikosen geben. Die, so Udo Jentzsch, spielen in Sachsen aber ohnehin keine große Rolle.

Wetter in Sachsen für Spargel und Bienen zu frisch

René Heidig (37) hat seinen Spargel auch schon mal schneller "schießen" gesehen.
René Heidig (37) hat seinen Spargel auch schon mal schneller "schießen" gesehen.  © Montage: Norbert Neumann, 123RF/wabeno

Sorge macht den Obstbauern außerdem das suboptimale Blühwetter. Denn nicht nur die Pflanzen und Menschen frieren, sondern auch die Bienen. Damit die kleinen fleißigen Brummer überhaupt fliegen, braucht es zwölf Grad. Dadurch ist das Zeitfenster, in dem die Bienen ausschwirren und die Pollen an ihren kleinen Beinen von Blüte zu Blüte tragen, an kalten Tagen nur sehr klein.

Wegen der Wetterkapriolen im April werde sich die Spargel-Saison schwierig gestalten, prophezeit René Heidig (37), Chef der Agrar GbR Naundörfel. "Es ist einfach zu kühl", sagt Heidig. "Spargel wächst erst ab einer Temperatur von 12 Grad. Wir liegen jetzt schon zwei Wochen zurück." Sein Edelgemüse wächst auf einem etwa zehn Hektar großen Feld bei Meißen. Angebaut werden hier vor allem weiße Stangen.

Immerhin: Die Qualität des Spargels soll nicht unter den kühlen Temperaturen leiden. "Es war dieses Frühjahr konstant kühl. Erst wenn die Temperaturschwankungen noch größer werden, kann sich das auf die Optik des Spargels auswirken", sagt Heidig.

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Sprich: Krumme Stangen mit optischem Manko. 2021 müssen Verbraucher für das Stangengemüse auch etwas tiefer ins Portemonnaie greifen. Zwischen 8,90 und 13,90 Euro kostet das Kilo, etwa einen Euro mehr als noch im vergangenen Jahr.

Hoffnung auf gute Erdbeer-Ausbeute noch gegeben

Susanne Kühn (35) vom Obstland Dürrweitzschen in einem Erdbeerfeld. Sie weiß: Normalerweise sind die Früchte um diese Jahreszeit viel weiter.
Susanne Kühn (35) vom Obstland Dürrweitzschen in einem Erdbeerfeld. Sie weiß: Normalerweise sind die Früchte um diese Jahreszeit viel weiter.  © Montage: imago images/Mario Aurich, Ronald Bonss

Des Deutschen liebste Beere hat den frostigen April hingegen gut weggesteckt. Obwohl die Erdbeer-Pflanzen noch nicht optimal entwickelt seien, sieht man bei der Obstland Dürrweitzschen AG "entspannt einem normalen Jahr" entgegen.

Susanne Kühn (35), die dortige Verantwortliche für Erdbeeren, hat bisher nur vereinzelt schwarze, erfrorene Blüten auf den Erdbeerfeldern entdeckt. "In der Nacht sollten es schon etwa zehn Grad sein, derzeit steigt das Thermometer nur auf maximal sechs Grad. Dafür decken wir die Pflanzen auch mit Fließ ab."

Zaghaft wachsen auch die gelben Rapsblüten auf Sachsens Feldern. "Normalerweise würde der Raps zu dieser Jahreszeit schon in voller Blüte stehen, momentan sind wir von einer Vollblüte noch weit entfernt", so Heidig.

"Wenn wir im Mai Schönwetter haben und die Blüte beginnt, ist sehr viel Wasser nötig. Vorausgesagt waren vergangene Woche 50 bis 80 Liter Niederschlag - davon kamen gerade einmal fünf bis acht Liter runter."

Die Getreide-Aussaat hinkt mancherorts hinterher

Bis zur Getreideernte muss noch viel passieren. Ordentlich Sonne und nicht zu wenig Regen wären gut, wie Andreas Jahnel (50) weiß.
Bis zur Getreideernte muss noch viel passieren. Ordentlich Sonne und nicht zu wenig Regen wären gut, wie Andreas Jahnel (50) weiß.  © Montage: dpa/Bernd Wüstneck, Steffen Füssel

Von dem Ausbleiben ergiebiger Schauer weiß auch Andreas Jahnel (50) vom sächsischen Landesbauernverband ein Lied zu singen.

Wintersaaten wie Gerste, Raps und Weizen brauchen viel Regen zum Wachsen. "Bisher hat es nur punktuell geregnet", so Jahnel. In einigen Teilen Sachsens hängen die Landwirte knapp zwei Wochen mit der Aussaat der Sommerkulturen hinterher. "In Nordsachsen gaben es die warmen, trockenen Böden her, während die kalten, schweren Böden in der Sächsischen Schweiz noch nicht bereit sind."

Für eine erste Ernte-Prognose sei es noch zu früh, sagt Andreas Jahnel. "Ob die kalten Temperaturen Schäden angerichtet haben, werden wir erst in der zweiten Maihälfte sehen."

Titelfoto: Montage: dpa/Bernd Wüstneck, imago images/Mario Aurich, Ronald Bonss, Norbert Neumann

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