"Härter eingreifen": Sächsischer Epidemiologe spricht sich für vollständigen Lockdown aus

Leipzig - Sachsen gilt mit einem Inzidenzwert von 267 bundesweit als Corona-Brennpunkt. Die Schutzmaßnahmen sind verschärft - aber die Kurve geht weiter nach oben. Aus Sicht des Leipziger Epidemiologen Markus Scholz hilft möglicherweise nur noch ein kurzer vollständiger Lockdown.

Ein Hinweisschild auf die Maskenpflicht in der Leipziger Innenstadt. Dem Epidemiologen Markus Scholz zufolge könnte in Sachsen nur noch ein vollständiger Lockdown helfen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.
Ein Hinweisschild auf die Maskenpflicht in der Leipziger Innenstadt. Dem Epidemiologen Markus Scholz zufolge könnte in Sachsen nur noch ein vollständiger Lockdown helfen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Angesichts des bestehenden "überexponentiellen" Trends bei den Fallzahlen müsse "viel stärker" gebremst werden, um wieder in einen normalen Bereich zu kommen, sagte der Universitätsprofessor am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

"Je später man reagiert, je zögerlicher, desto härter muss man eingreifen", so Scholz.

Wenn sich in zwei Wochen kein Erfolg zeige, "dann ist die Frage, ob man nicht kurzzeitig härter bremsen sollte."

Wenn die Zahlen gleichblieben und nur allmählich absinken, müssten die Maßnahmen ansonsten dauerhaft fortgesetzt werden, bis die Impfungen abgeschlossen seien.

Scholz erklärt: Deswegen hat Sachsen die höchsten Fallzahlen in Deutschland

Scholz zufolge gibt es fünf Faktoren, warum der Freistaat bundesweit die höchsten Fallzahlen aufweist.
Scholz zufolge gibt es fünf Faktoren, warum der Freistaat bundesweit die höchsten Fallzahlen aufweist.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Scholz sieht fünf Faktoren, warum der Freistaat bundesweiter Hotspot ist. "Sachsen hat die älteste Bevölkerung aller Bundesländer und wir sehen, dass sich die Älteren schneller gegenseitig anstecken und sich die Inzidenz in dieser Gruppe zuerst verstärkte."

Auch die Grenznähe einiger Regionen zu den Hochinzidenzländern Tschechien und Polen könne relevant sein.

Dazu komme die wachsende Dunkelziffer, die sich jetzt in der hohen Test-Positivquote zeige und die das Infektionsgeschehen weiter anheize.

"Im Prinzip wird für die Pandemielage zu wenig getestet", sagte er.

"Generell ist es so, wenn die Zahlen einmal hoch sind, wird die Bremswirkung der Maßnahmen schlechter", sagte Scholz unter Verweis darauf, dass die Kontaktnachverfolgung bei steigenden Zahlen weniger effizient ist.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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