76 Jahre nach Hitler-Attentat: Friedrich Olbrichts Geburtshaus verkommt zur Ruine

Leisnig - Friedrich Olbricht (1888-1944) war einer der führenden Köpfe des militärischen Widerstandes gegen das Nazi-Regime und vor 76 Jahren maßgeblich am Hitler-Attentat beteiligt. Sein Geburtshaus in Leisnig verkommt langsam zur Ruine (TAG24 berichtete). Die Stadt will das verhindern, kann aber nicht.

Uwe Reichel (l.), Vorsitzender Leisniger Geschichtsverein, und Bürgermeister Tobias Goth stehen vor dem baufälligen Geburtshaus von Friedrich Olbricht.
Uwe Reichel (l.), Vorsitzender Leisniger Geschichtsverein, und Bürgermeister Tobias Goth stehen vor dem baufälligen Geburtshaus von Friedrich Olbricht.  © Jan Woitas/dpa

Von der Fassade bröckelt der Putz, das durchhängende Dach ist löchrig, und eine Notsicherung ist auch schon wieder kaputt: Ein Dreivierteljahrhundert nach dem Attentat auf Adolf Hitler schreitet der Verfall am Geburtshaus Olbrichts dramatisch voran.

Lieber heute als morgen würde die Stadt Leisnig den Verfall stoppen - doch Bürgermeister Tobias Goth (47, CDU) sind die Hände gebunden. 

Das denkmalgeschützte Gebäude befindet sich in Privatbesitz, und der Eigentümer in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist für den Rathaus-Chef nicht erreichbar. "Wir kommen nicht ran", sagt Goth zerknirscht.

General Olbricht gehörte mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Henning von Tresckow zu den Schlüsselfiguren des Widerstands und des Attentats am 20. Juli 1944. Der damalige Leiter des Allgemeinen Heeresamtes war verantwortlich dafür, mit dem Codewort "Walküre" die Entmachtung des Nazi-Regimes durch die Wehrmacht auszulösen. 

Löchriges Dach, bröckelnder Putz: In diesem immer mehr verfallenden Haus an der Friedrich-Naumann-Straße in Leisnig wurde der Hitler-Attentäter geboren.
Löchriges Dach, bröckelnder Putz: In diesem immer mehr verfallenden Haus an der Friedrich-Naumann-Straße in Leisnig wurde der Hitler-Attentäter geboren.  © Jan Woitas/dpa
In Chemnitz erinnert dieser Stolperstein am einstigen Wohnort Olbrichts an den erschossenen General.
In Chemnitz erinnert dieser Stolperstein am einstigen Wohnort Olbrichts an den erschossenen General.  © Hendrik Schmidt/dpa

Rettung des Olbricht-Hauses: "Wir haben uns diesem Haus verschrieben"

General Friedrich Olbricht (1888 - 1944, l.) und Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907 - 1944).
General Friedrich Olbricht (1888 - 1944, l.) und Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907 - 1944).  © Montage: Wikipedia, dpa

Gemeinsam mit Stauffenberg wurde Olbricht nach dem gescheiterten Umsturz erschossen.

In Leisnig ist man sich der historischen Leistung Olbrichts bewusst. Umso betrübter ist Bürgermeister Goth, wenn er auf das Olbricht-Haus schaut. "Wir haben uns als Stadt und Stadtverwaltung diesem Haus verschrieben", betont er. Der Stadtrat habe grünes Licht dafür gegeben, dass die Stadt das Haus kaufen könne. 

Versuche, mit dem Besitzer in Kontakt zu treten, seien aber alle gescheitert.

Titelfoto: wikipedia

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