Mehr häusliche Gewalt, weniger Einbrüche: So wirkt sich Corona auf die Kriminalität aus

Dresden - Weniger Diebstähle und Einbrüche, mehr Sexualstraftaten und häusliche Gewalt – die Corona-Pandemie hat sich massiv auf das Kriminalitätsgeschehen im Freistaat ausgewirkt. "Die veränderten Lebensgewohnheiten und Abläufe führten zu veränderten Tatgelegenheiten, auf die sich die Straftäter jedoch schnell eingestellt haben", sagte Sachsens Innenminister Roland Wöller (50, CDU) am heutigen Dienstag bei der Präsentation der 2020er Statistik.

Wohnungseinbrüche gingen 2020 stark zurück – 2831 Fälle wurden bekannt.
Wohnungseinbrüche gingen 2020 stark zurück – 2831 Fälle wurden bekannt.  © 123RF/Andriy Popov

Beginnen wir mit dem Positiven: Zweimal Lockdown, Homeoffice und Homeschooling waren auch ein Fiasko für Einbrecher, Räuber und Diebe.

Von Wohnungseinbruch (-6,9 Prozent) und Ladendiebstahl (-8,8 Prozent) über Raub -10,9 Prozent) bis hin zum Autoklau (-12,9 Prozent) – sämtliche Eigentumsdelikte gingen im ersten Corona-Jahr zurück.

Bei Wohnungseinbrüchen habe man das niedrigste Niveau seit zehn Jahren, erklärte Petric Kleine (58), Chef des Landeskriminalamtes.

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Das war es dann aber auch schon auf der Lichtseite!

Teils massive Anstiege bei der Gewaltkriminalität bilden den Schatten des Jahres 2020. So stieg die Zahl der Straftaten gegen das Leben auf 139 an (2019: 125) – darunter waren 21 vollendete Mord- und Totschlagsverbrechen.

Einen heftigen Anstieg um knapp elf Prozent gab es bei den Sexualstraftaten. Laut LKA-Chef Kleine stach hier besonders der Besitz von und der Handel mit Kinderpornografie hervor - mit einer Steigerung von 36 Prozent. Dies sei wesentlich auf bundesweite Großverfahren gegen Kinderporno-Ringe zurückzuführen, die auch in Sachsen zahlreiche Fälle und Täter zu Tage förderten.

Unter den 3546 bekannt gewordenen Sexualstraftaten führt die Statistik 244 besonders schwere Delikte wie etwa Vergewaltigungen auf – ein Anstieg um 19 Prozent!

Ein Erstochener liegt im Leipziger Bahnhofsviertel. Im vergangenen Jahr gab es im Freistaat 21 Morde und vollendete Tötungsverbrechen.
Ein Erstochener liegt im Leipziger Bahnhofsviertel. Im vergangenen Jahr gab es im Freistaat 21 Morde und vollendete Tötungsverbrechen.  © Silvio Bürger
Sechs Delikt-Statistiken des ersten Corona-Jahres.
Sechs Delikt-Statistiken des ersten Corona-Jahres.  © Sächsisches Staatsministerium des Innern

1040 Kinder Opfer häuslicher Gewalt

Anstieg der häuslichen Gewalt – im Jahr 2020 wurden 9235 Fälle aktenkundig.
Anstieg der häuslichen Gewalt – im Jahr 2020 wurden 9235 Fälle aktenkundig.  © Maurizio Gambarini/dpa

Auch die böse Vorahnung, dass es im Lockdown zu vermehrter häusliche Gewalt kommt, bestätigte sich. Die Polizei ermittelte 2020 in 9235 bekannt gewordenen Fällen, was einem Anstieg von 3,9 Prozent gegenüber 2019 gleichkommt.

Am häufigsten ging es dabei um Körperverletzungen (5960) und Freiheitsberaubungen (1985).

Es gab aber auch 29 Straftaten gegen das Leben. Bedrückend: Unter den Opfern häuslicher Gewalt waren auch 1040 Kinder.

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Angestiegen sind im ersten Corona-Jahr zudem die Internet-Kriminalität (+29 Prozent), Betrugsstraftaten (+11,5 Prozent) und Rauschgiftdelikte (+8,7 Prozent). Die Aufklärungsquote bei allen 272.588 Straftaten, die Sachsens Polizei im vergangenen Jahr beschäftigten, lag übrigens bei 58,7 Prozent.

Insgesamt wurden 89.551 Tatverdächtige ermittelt, der Ausländeranteil lag bei 21 Prozent.

Titelfoto: Silvio Bürger

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