Drastische Maßnahmen wegen Corona? Lassen sich laut Petra Köpping vermeiden

Sachsen - Das war stressig für uns alle. Kommt ein erneuter Lockdown auf uns zu und brauchen wir einen sächsischen Weg bei der Corona-Bekämpfung? Wir fragten die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (62, SPD).

Schließt einen erneuten Lockdown aus: Gesundheitsministerin Petra Köpping (62, SPD).
Schließt einen erneuten Lockdown aus: Gesundheitsministerin Petra Köpping (62, SPD).  © Petra Hornig

TAG24: Frau Ministerin, Sachsen hat niedrige Infektionszahlen - und das trotz Sommerurlaubern, die aus ganz Deutschland kommen. Worauf führen Sie die kontrollierte Lage im Freistaat zurück?

Petra Köpping: Wir haben zum Beispiel keinen Großflughafen mit übermäßig vielen internationalen Verbindungen. In Sachsen gibt es auch nicht die dichten Ballungsräume wie Hamburg oder Berlin.

Außerdem setzen wir auf Vorsorge und Information. Panik verbreiten wollen wir nicht. Und natürlich haben wir am Ende bisher auch ein bisschen Glück gehabt.

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Was waren im Zusammenhang mit dem Lockdown die schwersten Entscheidungen, die Sie als Ministerin treffen mussten?

Ganz klar die Schließung von Schulen und Kitas. Das hat mir schlaflose Nächte bereitet. Es war aber eine Entscheidung des ganzen Kabinetts.

Mir war klar, was das für die Familien bedeutet. Sie mussten Job und Kinderbetreuung parallel bewältigen, das Ganze eventuell noch in einer beengten Wohnung. Und das wochenlang. Das war stressig für alle Beteiligten. Daher habe ich mich dafür eingesetzt, die Notbetreuung großzügig anzubieten.

Petra Köpping betont Wichtigkeit der Abstands- und Hygieneregeln

Corona hat unseren Alltag verändert: Im ÖPNV und beim Einkaufen sind Schutzmasken zur Regel geworden. Das Mindestbußgeld für Maskenverweigerer wurde diese Woche auf 50 Euro festgesetzt.
Corona hat unseren Alltag verändert: Im ÖPNV und beim Einkaufen sind Schutzmasken zur Regel geworden. Das Mindestbußgeld für Maskenverweigerer wurde diese Woche auf 50 Euro festgesetzt.  © DPA/Robert Michael

Eine zweite Infektionswelle kündigt sich an. Müssen wir uns im Herbst oder Winter auf neue Einschränkungen in Handel, Gastronomie und persönlichem Umgang miteinander einstellen?

Wichtig ist mir: Wir brauchen Akzeptanz für die Maßnahmen, die wir ergreifen. Und die bekomme ich nicht für Verbote, die in einem Bundesland mit vielen Neuinfektionen sinnvoll sind, aber nicht bei relativ niedrigen Infektionszahlen.

Daher müssen wir auch regional reagieren. Trotzdem ist es in einigen Bereichen sinnvoll, bundesweit einheitlich zu reagieren. Etwa beim Thema Bundesliga mit Zuschauern im Stadion.

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Wird es eine neue Strategie statt eines erneuten Lockdowns gaben?

Grundsätzlich bin ich dafür, viel zu ermöglichen. Dafür müssen sich aber alle an die Abstands- und Hygieneregeln halten. Außerdem haben wir in den vergangenen Monaten viel gelernt und Erfahrungen gesammelt, das hilft uns jetzt. 

Es ist ein Stück weit Routine. Wir wissen, was bei einem Ausbruch zu tun ist. Punktuelle Ausbrüche wird es immer wieder in Sachsen geben. Aber ich gehe nicht davon aus, dass wir nochmal zu solch drastischen Maßnahmen greifen müssen.

Corona hat 6,4 Prozent Wirtschaftsleistung gekostet: Wirtschaftswissenschaftler Prof. Joachim Ragnitz (59) vom Dresdner ifo-Institut.
Corona hat 6,4 Prozent Wirtschaftsleistung gekostet: Wirtschaftswissenschaftler Prof. Joachim Ragnitz (59) vom Dresdner ifo-Institut.  © Thomas Türpe
Gegen Pleiten und Zukunftsängste pumpt die Politik Geld in die Märkte. Diese Woche wurde der Bezug von Kurzarbeitergeld auf 21 Monate verlängert und die Höhe aufgestockt.
Gegen Pleiten und Zukunftsängste pumpt die Politik Geld in die Märkte. Diese Woche wurde der Bezug von Kurzarbeitergeld auf 21 Monate verlängert und die Höhe aufgestockt.  © dpa/Hendrik Schmidt, imago images/Christian Ohde
Oppach: Teilnehmer eines Protests stehen mit Fahnen an der Bundesstraße 96. Die sogenannten B 96-Proteste richten sich unter anderem gegen die vermeintliche Überregulierung des Staates in Corona-Zeiten.
Oppach: Teilnehmer eines Protests stehen mit Fahnen an der Bundesstraße 96. Die sogenannten B 96-Proteste richten sich unter anderem gegen die vermeintliche Überregulierung des Staates in Corona-Zeiten.  © dpa/Sebastian Kahnert
Mai 2020: Michael Kretschmer (CDU, M.), Ministerpräsident von Sachsen, spricht im Großen Garten mit Anhängern von Verschwörungstheorien zur Corona-Krise.
Mai 2020: Michael Kretschmer (CDU, M.), Ministerpräsident von Sachsen, spricht im Großen Garten mit Anhängern von Verschwörungstheorien zur Corona-Krise.  © dpa/Sebastian Kahnert
Dresden: Mit Gummihandschuhen wird in einem italienischen Eiscafé draußen serviert.
Dresden: Mit Gummihandschuhen wird in einem italienischen Eiscafé draußen serviert.  © DPA/Robert Michael

Wie hat Corona Ihren eigenen Alltag verändert?

Natürlich hat sich auch mein Alltag verändert. Ich konnte meine drei Kinder und sechs Enkel nicht treffen! Der Austausch mit Freunden und Nachbarn lief auch nur über Telefon.

Welche Schutzmasken nutzen Sie eigentlich im Alltag?

Ich habe mehrere Masken. Es gibt eine kreative Unternehmerin, deren Kreationen mir so gut gefallen haben, dass ich Masken gleich in ein paar Farben gekauft habe.

Titelfoto: Petra Hornig

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