Mit Abschussprämie und Schutzzaun: So rüstet Sachsen gegen die Schweinepest

Dresden - Erst Corona, jetzt die Afrikanische Schweinepest (ASP): Nach dem ersten bestätigten Fall in Brandenburg ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Seuche auch nach Sachsen schwappt. Die Landesregierung setzt auf eine Aufklärungskampagne - und verschärft die Präventionsmaßnahmen.

Überträger: Wildschweine schleppen die Afrikanische Schweinepest (ASP) von Polen nach Deutschland ein. Nun wurde ein erster Fall in Brandenburg bestätigt. Nun fürchten sächsische Züchter um ihre Bestände.
Überträger: Wildschweine schleppen die Afrikanische Schweinepest (ASP) von Polen nach Deutschland ein. Nun wurde ein erster Fall in Brandenburg bestätigt. Nun fürchten sächsische Züchter um ihre Bestände.  © dpa/Jan Woitas

"Die Bedrohungslage ist hoch", warnt Sozial- und Gesundheitsministerin Petra Köpping (62, SPD) und reagiert. Eine Aufklärungskampagne soll vor allem Jäger, Fernfahrer, Wanderer und Tierhalter sensibilisieren. Zusätzlich wird die Prävention ausgedehnt.

Jäger erhalten eine Prämie von 30 Euro für das Erlegen und das Versorgen der Proben und Kadaver. So soll einerseits der zusätzliche Aufwand honoriert und Anreize geschaffen werden, den Bestand durch Abschüsse weiter überschaubar zu halten.

Zusätzlich zu der im März errichteten 128 Kilometer langen Schwarzwild-Wildbarriere an der Grenze zu Polen - dort sind schon seit längerem Fälle von ASP bekannt - werden weitere 50 Kilometer Zaun zur Errichtung einer Gefahrenzone im Ernstfall angeschafft - und 30 Fanganlagen für Schwarzwild.

Für die Maßnahmen sind in diesem Jahr 440.000 Euro eingeplant.

Müssen Betriebe mit Massenschlachtungen rechnen?

Überwacher: Jäger sind derzeit besonders in der Grenzregion auf der Hut. Dort müssen alle toten Wildschweine auf den ASP-Virus getestet werden.
Überwacher: Jäger sind derzeit besonders in der Grenzregion auf der Hut. Dort müssen alle toten Wildschweine auf den ASP-Virus getestet werden.  © dpa/Patrick Pleul

Schon jetzt müssen sachsenweit Fall-, Unfall- und krank erlegte Wildschweine dem Veterinäramt gemeldet und beprobt werden. In den Landkreisen Görlitz und Bautzen gilt das auch für gesunde Exemplare. 

Die Analyse übernimmt die Landesuntersuchungsanstalt Dresden (LUA). Positiv getestete Tiere müssen in der Tierkörperbeseitigungsanlage Lenz (Priestewitz) entsorgt werden.

Bei einem Ausbruch drohen Schweinemastbetrieben Massenschlachtungen. Außerdem ist mit Exportverboten zu rechnen. China hat bereits ein Importverbot für deutsches Schweinefleisch verhängt.

Deshalb übergaben der Landesjagd- und der Bauernverband im Mai einen Forderungskatalog an die Staatsregierung. Mit den bisher getroffenen Maßnahmen ist man zufrieden. Aber: "Sicherlich muss jetzt verstärkt an der Umsetzungsgeschwindigkeit gearbeitet werden", so der Vizepräsident des Landesjagdverbands, Wilhelm Bernstein (66).

Die Afrikanische Schweinepest ist nicht auf andere Tierarten übertragbar. Menschen können sich nicht anstecken - selbst wenn sie infiziertes Fleisch essen. Entwarnung auch beim ersten Wildschwein in Sachsen, das in Chemnitz unter Schweinepest-Verdacht stand: Der Befund des untersuchten Kadavers war negativ.

Wildbarriere: 128 Kilometer Elektrozaun schützen Sachsen an der Grenze zu Polen vor infizierten Tieren aus dem Nachbarland.
Wildbarriere: 128 Kilometer Elektrozaun schützen Sachsen an der Grenze zu Polen vor infizierten Tieren aus dem Nachbarland.  © dpa/Bernd Settnik
Abwehrmaßnahme: Elektrischer Strom und Duftstoffe sollen Wildschweine in ihrer Wanderungsbewegung lenken und das Virus von Sachsen fernhalten.
Abwehrmaßnahme: Elektrischer Strom und Duftstoffe sollen Wildschweine in ihrer Wanderungsbewegung lenken und das Virus von Sachsen fernhalten.  © dpa/Ronald Bonß

LUA-Mitarbeiter: Aufstand gegen Umzug nach Bischofswerda

Wilhelm Bernstein (66), Vizepräsident des sächsischen Landesjagdverbands.
Wilhelm Bernstein (66), Vizepräsident des sächsischen Landesjagdverbands.  © Ove Landgraf

Die Landesuntersuchungsanstalt (LUA) braucht ein neues Domizil. Die Staatsregierung setzt auf einen Neubau in Bischofswerda, hat dabei aber nicht mit dem Widerstand der LUA-Mitarbeiter gerechnet.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) hatte sich gestern höchstpersönlich in der Dresdner Landesuntersuchungsanstalt angesagt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wohlgemerkt. Vermutlich wollte er für den Vorschlag des Finanzministeriums werben. Das dem Ministerium unterstellte Sächsische Immobilien- und Baumanagement hatte nämlich einen Neubau im Gewerbegebiet Nord 2 in Bischofswerda angeregt.

Unstrittig ist, dass das aktuelle LUA-Domizil in der Dresdner Jägerstraße die steigenden Anforderungen perspektivisch nicht erfüllen kann. Aber das tägliche Pendeln nach Bischofswerda würde die Bediensteten belasten. Also formulierten sie ihre Bedenken in einem Brief an den Ministerpräsidenten. "Unsere Haltung ist dem Ministerium bekannt", so LUA-Präsidentin Gerlinde Schneider (64) gestern vielsagend.

Gesundheitsministerin Petra Köpping (62, SPD).
Gesundheitsministerin Petra Köpping (62, SPD).  © Steffen Füssel
Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (47, Grüne)
Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (47, Grüne)  © Ronald Bonss

Ihre oberste Chefin ist Sozialministerin Petra Köpping (62, SPD).Sie steht hinter den Bediensteten, sagt aber auch: „Eine Lösung muss zukunftssicher sein. Es gibt ja Vorschläge, die den ländlichen Raum stärken würden", so Köpping (62, SPD) auf TAG24-Anfrage. Sie kann sich sogar ein "Landesgesundheitsamt" - das hatte die SPD-Landtagsfraktion ins Spiel gebracht - in Bischofswerda vorstellen.

Noch ist Zeit für eine Lösung. Die Umsetzung des Vorhabens wird voraussichtlich fünf bis sieben Jahre dauern, heißt es dazu aus der Staatskanzlei.

Titelfoto: dpa/Jan Woitas, dpa/Patrick Pleul

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