DDR-Museum braucht jetzt Security! Mitarbeiter beleidigt und bedroht

Pirna - Was sich die Mitarbeiterinnen im Pirnaer DDR-Museum in den letzten Wochen anhören mussten, darüber schütteln sie noch heute die Köpfe. 

Chef Conny Kaden (57) hat kein Verständnis für rebellische Besucher. "Wir müssen uns schließlich alle an die Vorschriften halten."
Chef Conny Kaden (57) hat kein Verständnis für rebellische Besucher. "Wir müssen uns schließlich alle an die Vorschriften halten."  © Thomas Türpe

"Meine Angestellten wurden beleidigt und beschimpft", sagt Chef Conny Kaden (57) "Jetzt mussten wir uns einen Sicherheitsdienst holen."

So etwas habe Kaden in den 15 Jahren, in denen er das Museum in Pirna betreibt, noch nie erlebt. 

"Das Ganze fing im Sommer an", erinnert er sich. 

"Direkt nach dem Lockdown haben wir zwar wieder geöffnet, da hielten sich die Besucherzahlen allerdings in Grenzen und die Leute waren froh, überhaupt wieder irgendwo hin gehen zu können." Aber während der Sommermonate habe die Stimmung unter den Gästen spürbar umgeschlagen. 

"Es kam immer öfter vor, dass Menschen mein Personal bepöbelten und zu beschimpfen. Meine beiden Mitarbeiterinnen werden ständig persönlich beleidigt und verbal angegriffen, aber in den Bewertungen wird dann von unfreundlichem Personal geschrieben."

Gleich dreimal musste Kaden Besucher aus seinem Museum werfen. 

"Das ist vorher nie vorgekommen." 

Museumsbesucher wollen ihre Masken nicht aufsetzen

Dominik Zahm (25) gibt seit kurzem auf die Mitarbeiter acht, Anja Schlenkrich (43) und Conny Kaden (57) sind froh über die Unterstützung.
Dominik Zahm (25) gibt seit kurzem auf die Mitarbeiter acht, Anja Schlenkrich (43) und Conny Kaden (57) sind froh über die Unterstützung.  © Thomas Türpe

In allen Fällen waren es Corona-Leugner, Menschen, die keine Maske aufsetzen wollten oder sie nach der Kasse wieder absetzten. 

"Oder, die trotz Ermahnung durch uns ihre Maske weiterhin nicht richtig aufsetzen wollten und die vorgegeben Wege, die das Hygienekonzept nun mal vorschreibt, nicht einhalten wollten." 

Ein Pärchen sei absolut rabiat gewesen. "Da haben sich dann schon andere Besucher beschwert bei uns, sie wurden weggedrängelt, Abstände wurden nicht eingehalten." 

Die Beschuldigten wurden aggressiv und pöbelten. "Einmal hat auch jemand, den wir nicht mehr reinlassen konnten, unsere Bank im Wartebereich vor dem Museum durch die Gegend geschmissen." 

Kaden schiebt die Aggressivität der Menschen auf die Pandemie. Seine Mitarbeiterin Anja Schlenkrich (47) arbeitet seit 2012 für ihn und ist mittlerweile fassungslos, was sie sich täglich anhören muss. 

"Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht", sagt sie. 

"Aber auch wir müssen uns nun mal an Regeln und Vorschriften halten - Maskenpflicht, Begrenzung der Besucherzahl, etc. - dafür werden wir immer wieder angegangen." Einige Besucher hätten schlicht kein Verständnis für die aktuelle Lage. 

"Auch für uns ist es keine schöne Angelegenheit, da wir durch die ganzen Vorschriften auch mehr Arbeit haben und natürlich auch Umsatzeinbußen. Zuletzt bat ich einen Besucher seine Adressdaten für die Nachverfolgung aufzuschreiben und er schrie mich an. ‚Du hast doch den Arsch offen, fick dich doch Alte‘. Ich stand sprachlos da."

Die einzige Lösung, die Museumschef Kaden sah: Security. "Seit zwei Monaten haben wir nun einen Sicherheitsdienst. Das muss man sich mal vorstellen - in einem kleinen Privatmuseum!" 

Aber auch das hielt Querulanten nicht davon ab, sich mit dem Personal anzulegen. "Die meisten halten sich wirklich an alle Vorschriften, sind freundlich und haben Verständnis", so Kaden. "Diese Leute sind uns immer willkommen. "Aber die zehn Prozent, die Ärger machen, machen uns zusätzlich zu den Vorschriften nur noch mehr Arbeit."

Titelfoto: Thomas Türpe

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