Nach Angriffen auf Journalisten: MDR und sächsische Polizei wollen stärker zusammenarbeiten

Leipzig - Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und die sächsische Polizei wollen in Zukunft stärker zusammenarbeiten.

MDR-Intendantin Karola Wille (62) und Mirko Göhler, Prorektor der Hochschule der Sächsischen Polizei, streben eine bessere Zusammenarbeit zwischen Medienschaffenden und der Polizei in Sachsen an.
MDR-Intendantin Karola Wille (62) und Mirko Göhler, Prorektor der Hochschule der Sächsischen Polizei, streben eine bessere Zusammenarbeit zwischen Medienschaffenden und der Polizei in Sachsen an.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Der MDR und die Polizeihochschule Sachsen unterzeichneten am Donnerstag eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Ziel soll sein, dass Journalisten und Polizisten mehr Verständnis für die Arbeit der jeweiligen Seite entwickeln und Medienvertreter bei Polizeieinsätzen besser geschützt werden – etwa vor Übergriffen von Demonstranten.

"Vor einigen Jahren hätte ich mir noch nicht vorstellen können, dass ich mir Sorgen mache bei Demonstrationen", sagte MDR-Intendantin Karola Wille (62). Inzwischen gebe es aber teils offenen Hass und Aggressionen gegen Medienvertreter.

Daher sei es wichtig für den MDR, seine Mitarbeiter bestmöglich etwa vor Übergriffen bei Demonstrationen zu schützen. Die Zusammenarbeit mit der Polizei solle ein Baustein dafür sein.

Landtag stellt epidemische Lage in Sachsen fest! Kommen nun neue Corona-Maßnahmen?
Sachsen Landtag stellt epidemische Lage in Sachsen fest! Kommen nun neue Corona-Maßnahmen?

Bei der Kooperation soll es auch um die Arbeit und Rechte der Presse gehen. Polizisten sollten bereits in ihrer Ausbildung lernen, was Rundfunkfreiheit bedeutet, etwa bei der Beschaffung von Filmmaterial, sagte Wille.

"Umgekehrt heißt das auch: Wenn die Polizei ihrer Arbeit nachkommen muss, was bedeutet das für uns?"

Zusammenarbeit zwischen MDR und Polizei soll intensiviert werden

Vor allem in den vergangenen Jahren wurden Journalisten beispielsweise bei Demonstrationen immer wieder angegriffen – die Polizei soll sie davor schützen. Im Fokus steht jedoch auch, dass beide Seiten Verständnis für die Arbeit der jeweils anderen entwickeln.
Vor allem in den vergangenen Jahren wurden Journalisten beispielsweise bei Demonstrationen immer wieder angegriffen – die Polizei soll sie davor schützen. Im Fokus steht jedoch auch, dass beide Seiten Verständnis für die Arbeit der jeweils anderen entwickeln.  © Silvio Bürger

Im Rahmen der Kooperation soll es Seminare sowohl für Auszubildende im mittleren Dienst der Polizei sowie für Kommissarsanwärter und gestandene Polizisten geben, wie Mirko Göhler, Prorektor der Hochschule der Sächsischen Polizei, erklärte. Konkrete Formate würden in den kommenden Monaten ausgearbeitet.

Beide Seiten betonten, dass man schon jetzt im regelmäßigen Austausch sei, die Vereinbarung solle die Zusammenarbeit aber verstetigen. "Kritische Berichterstattung über die Polizei wird es natürlich weiterhin geben", sagte Wille.

In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Übergriffen auf Journalisten bei Demonstrationen etwa gegen die Corona-Maßnahmen gekommen. Ein ZDF-Fernsehteam war beispielsweise am 1. Mai 2020 in Berlin am Rande einer Demo von Unbekannten überfallen worden.

Dresden: Lage vor dem Landtag bislang ruhig, demonstrativer Beifall für Köpping
Sachsen Dresden: Lage vor dem Landtag bislang ruhig, demonstrativer Beifall für Köpping

Auch die Arbeit der Polizei bei Demonstrationen stand zuletzt in der Kritik. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hatte im September kritisiert, dass es bei der "Wir sind alle LinX"-Demonstration zu Übergriffen auf Medienvertreter durch die Polizei gekommen sei.

Titelfoto: Bildmontage / Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa / Silvio Bürger

Mehr zum Thema Sachsen: