Nach mehr als 100 Jahren: Sachsens Landesrabbiner wird erster jüdischer Bundesmilitär-Seelsorger

Leipzig – Erstmals nach mehr als 100 Jahren hat eine deutsche Armee wieder einen Militärrabbiner. In der Leipziger Synagoge wurde Zsolt Balla (42) am Montag feierlich in das Amt eingeführt. Zuvor war der gebürtige Ungar sächsischer Landesrabbiner.

Zsolt Balla (42) war Landesrabbiner von Sachsen - nun will er für alle Soldaten der Bundeswehr da sein.
Zsolt Balla (42) war Landesrabbiner von Sachsen - nun will er für alle Soldaten der Bundeswehr da sein.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Rund 100.000 Juden kämpften im Ersten Weltkrieg aufseiten des deutschen Kaiserreiches. Etwa 30 Feldrabbiner sorgten seinerzeit für deren Seelsorge. Die kurz darauf einsetzende Ächtung, Verfolgung und Massenvernichtung der Juden beendete auch dieses Kapitel.

Erst im Dezember 2019 vereinbarten der Zentralrat der Juden und das Bundesverteidigungsministerium die Schaffung eines Militärrabbinats in der Bundeswehr. Als erster Seelsorger für die geschätzt 300 jüdischen Soldaten wurde nun Zsolt Balla ernannt.

Der Sohn eines ungarischen Artillerie-Offiziers war seit 2009 Gemeinderabbiner in Leipzig und seit zwei Jahren Landesrabbiner in Sachsen. "Ich spüre die Last der Geschichte auf meinen Schultern", sagte Balla bei seiner Amtseinführung.

Er wolle für alle Soldaten der Bundeswehr da sein.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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