Nach Skandal um Munitions-Diebstahl: LKA kündigt Mega-Inventur der Waffenkammern an

Dresden - Mindestens 7000 Schuss geklaut - und keinem ist was aufgefallen: Im Skandal um den Munitions-Diebstahl der Elite-Polizisten des "Mobilen Einsatzkommandos" (MEK) zeigen sich alle Parteien entsetzt über das Kontrollversagen im sächsischen Landeskriminalamt (LKA). Dessen Chef Petric Kleine (57) kündigt nun erste Konsequenzen an.

LKA-Chef Petric Kleine (57) kündigte eine Tiefenprüfung an.
LKA-Chef Petric Kleine (57) kündigte eine Tiefenprüfung an.  © Thomas Türpe

Im November 2018, noch bevor bekannt wurde, dass Schießplatzbetreiber Frank T. in Verbindung zum rechtsextremen Netzwerk "Nordkreuz" steht, wollten die MEK-Spezialisten bei ihm schießen. Doch Spezialeinheiten-Chef Sven Mewes verbot das - nicht nur wegen der Kosten.

"Es ist so, dass der Abteilungsleiter der Spezialeinheiten grundsätzlich ein Problem damit hat, wenn Spezialeinheiten auf privaten Schießplätzen schießen", erklärt LKA-Chef Kleine.

"Das hängt damit zusammen, dass dort natürlich auch bestimmte Taktiken nach außen bekannt werden." Die Polizisten sollen trotzdem dort geschossen haben, das Training mit geklauter Polizei-Munition bezahlt haben.

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Mindestens 7000 Schuss fehlen - wo die hingingen, ist noch unklar. Aufgefallen ist das erst durch Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Schwerin gegen den Schießplatzbetreiber.

LKA-Chef Petric Kleine will Kontrolle verbessern

Innen-Experte Rico Anton (43, CDU). (Archivbild)
Innen-Experte Rico Anton (43, CDU). (Archivbild)  © Holm Helis

Alle Parteien im Innenausschuss sehen ein klares Kontrolldefizit trotz vierteljährlicher Waffenkammer-Revision: "Diejenigen, die diese Revision durchführen, sind diejenigen, die jetzt als Hauptbeschuldigte im Fokus stehen", sagt Innen-Experte Rico Anton (43, CDU).

"Es wird wohl nötig sein, in solchen sensiblen Bereichen noch eine weitere Instanz hinzuzubringen, außerhalb der jeweiligen Behörde möglicherweise." Auch LKA-Chef Kleine will die Kontrolle verbessern.

"Darüber hinaus wurde veranlasst, dass eine Inventur in allen Waffenkammern des Spezialeinsatzkommandos durchgeführt wird", sagt er.

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"Ein weiterer Schritt wird eine sogenannte Tiefenprüfung sein, wo nachgefragt wird, wann wurde Munition wofür entnommen." Dabei reicht der Prüfzeitraum bis zurück ins Jahr 2015.

Titelfoto: Thomas Türpe

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