Leben auf dem Mars: Sächsin durchlebt Weltraum-Abenteuer

Plauen - Die Mission von Anika Mehlis (40) aus Plauen führt auf den Mars. Die Mikrobiologin gehört zur sechsköpfigen Crew von Wissenschaftlern, die derzeit isoliert in einer Forschungsstation in der israelischen Negev-Wüste lebt. Die Analog-Astronauten testen für das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) Raumanzüge für den Flug zum Roten Planeten unter realistischen Bedingungen.

Anika Mehlis (40) aus Plauen testet in der Wüste Negev Raumanzüge, die für den Einsatz auf dem Mars bestimmt sind.
Anika Mehlis (40) aus Plauen testet in der Wüste Negev Raumanzüge, die für den Einsatz auf dem Mars bestimmt sind.  © ÖWF/Florian Voggeneder

Ein durchgetakteter Flugplan bestimmt das Leben der Crew: "Der Tag beginnt 7 Uhr mit Frühstück und einem Briefing. Danach ist 15-minütlich festgelegt, wann welche Experimente oder Außeneinsätze auf dem Programm stehen", erzählt Anika Mehlis.

Unklarheiten sind keine Option: Mal eben kurz im Kontrollzentrum der Mission auf der "Erde" in Innsbruck nachfragen, ist aufwendig: "Um die Entfernung zum Mars zu simulieren, gibt es in der Kommunikation eine Zeitverzögerung von zehn Minuten."

Bevor die Analog-Astronauten die Mars-Station verlassen können, müssen sie mindestens zwei Stunden Zeit zum Ankleiden einplanen. "Um den Raumanzug an- und auszuziehen, braucht man mindestens zwei Helfer", so die Vogtländerin.

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Schon das Stehen in dem knapp 50 Kilogramm schweren Anzug strengt an. Anika Mehlis und die anderen Crew-Mitglieder verbringen pro Außeneinsatz vier bis fünf Stunden darin. Bei 30 Grad Außentemperatur!

"Danach fühlt man sich wie nach einem Marathonlauf. Um das körperlich zu schaffen, habe ich monatelang ein spezielles Krafttraining absolviert." Wegen der enormen körperlichen Belastung gibt es einen ausgeklügelten Ernährungsplan.

Der Feldversuch für die Marsforschung findet in einem Wüstenkrater in Israel statt.
Der Feldversuch für die Marsforschung findet in einem Wüstenkrater in Israel statt.  © ÖWF/Florian Voggeneder
Ein Rover hilft den Analog-Astronauten, bei Außeneinsätzen schwere Technik zu transportieren.
Ein Rover hilft den Analog-Astronauten, bei Außeneinsätzen schwere Technik zu transportieren.  © ÖWF/Florian Voggeneder
Kontakt zur Außenwelt kann Anika Mehlis (40) kann derzeit nur per Funk und mit Zeitverzögerung aufnehmen.
Kontakt zur Außenwelt kann Anika Mehlis (40) kann derzeit nur per Funk und mit Zeitverzögerung aufnehmen.  © ÖWF/Florian Voggeneder

Keine Privatsphäre! Zwei Crew-Mitglieder müssen sich eine Kabine teilen

Die Crew lebt bis Ende Oktober isoliert in einer Forschungsstation. Anika Mehlis ist die einzige Frau im Team.
Die Crew lebt bis Ende Oktober isoliert in einer Forschungsstation. Anika Mehlis ist die einzige Frau im Team.  © ÖWF/Florian Voggeneder

Die marsähnliche Umgebung der Station ist eine Herausforderung für die Orientierung: rötlicher Sand und Geröll, so weit das Auge reicht.

"Wir sehen über ein Display im Helm eine Karte. Während wir laufen, denken wir laut und beschreiben den Weg, damit ein anderes Team später beispielsweise die Stelle für eine Gesteinsprobe wiederfinden kann." Weitere Strecken erkunden die Probe-Marsianer vorher per Drohne und nutzen Transport-Rover.

Gegen 19.30 Uhr endet der offizielle Arbeitstag für Anika Mehlis - mit Feierabend-Lektüre: "In den Abendstunden lese ich nach, welche Experimente am nächsten Tag anstehen und bereite mich darauf vor."

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Einen einsamen Rückzugsort gibt es auch danach nicht. Je zwei Crew-Mitglieder teilen sich eine Kabine. Geschlafen wird im Doppelstockbett.

Anika Mehlis wird Anfang November wieder zurück im Vogtland erwartet. Die Abenteuerlust der dreifachen Mutter ist ungebremst. Ihr nächstes Ziel: "Ich habe mich für einen Einsatz als Astronautin auf der ISS beworben."

Wann wird der Mars-Flug Realität?

Für eine Mission zum Mars werden Astronauten mindestens 450 Tage im All sein.
Für eine Mission zum Mars werden Astronauten mindestens 450 Tage im All sein.  © 123RF/tsuneo

Im nächsten Jahrzehnt soll es so weit sein: Ein Zusammenschluss internationaler Raumfahrtorganisationen will in den 2030er-Jahren bemannte Missionen zum Mars entsenden.

Allein der Flug zum rund 70 Millionen Kilometer entfernten "Roten Planeten" dauert etwa neun Monate. Die Mission wird mit Zwischenstopp am Mond geplant, in dessen Umlaufbahn eine Raumstation als orbitale Basis für Mars-Raumschiffe entstehen soll.

Auch das US-amerikanische Unternehmen SpaceX bereitet bemannte Flüge zum Mars vor.

Die Firma, die jüngst mit dem ersten Flug für Weltraum-Touristen für Aufsehen sorgte, arbeitet an einem Raketensystem, das bis zu 100 Personen gleichzeitig zum Mars befördern soll.

Titelfoto: ÖWF/Florian Voggeneder

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